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| 18:38 Uhr

Züllsdorf/Finsterwalde
„Z“ wie zauberhaftes Züllsdorf

Züllsdorf wird Sieger im Kreiswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. Ortsvorsteher Ulrich Grundmann (l.) und Peter Mann vom Sportverein sind superstolz auf ihr Dorf und das Engagement der Einwohner.
Züllsdorf wird Sieger im Kreiswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. Ortsvorsteher Ulrich Grundmann (l.) und Peter Mann vom Sportverein sind superstolz auf ihr Dorf und das Engagement der Einwohner. FOTO: Frank Claus / LR
Züllsdorf/Finsterwalde. Der Herzberger Ortsteil fährt einen überzeugenden Sieg ein und ist jetzt heiß auf den Landeswettbewerb. Von Birgit Rudow und Frank Claus

Strahlender Sonnenschein am Freitagvormittag im Herzberger Ortsteil Züllsdorf. Als hätte Klärchen geahnt, dass es etwas zu feiern gibt. Denn just zu der Zeit, als sie sich durch den Hochnebel gearbeitet hatte, konnte Züllsdorfs Ortsvorsteher Ulrich Grundmann gemeinsam mit Peter Mann vom Sportverein in Finsterwalde die Auszeichnung als Sieger im  Kreiswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ 2017/18 und 2500 Euro Siegprämie entgegennehmen.

Nach 2014 hatten sich die Züllsdorfer zum zweiten Mal um diesen Titel beworben. Ihre Maxime: Ein zukunftsfähiges Dorfleben ist nur möglich, wenn sich die Dorfbewohner aktiv engagieren und ein familienfreundliches Umfeld gestalten. In dem 465-Einwohner-Ort mit seinen 16 kleinen und größeren Betrieben, vier eingetragenen Vereinen sowie zahlreichen weiteren kulturellen Vereinigungen, seinen Sportanlagen, dem Kindergarten und einem gelungenen eigenen Internetauftritt gelingt das durchaus.

Ein wichtiger Aspekt fehlt in der Aufzählung allerdings noch: das Einkaufszentrum, das sich Züllsdorf erhalten konnte. Trotz sozialer Netzwerke schlägt hier das „kommunikative“ Herz des Ortes. Und so machte gestern im „Konsum“ die Nachricht vom Wettbewerbssieg auch schnell die Runde. Niemand, der sich beim Wochenendeinkauf nicht über diese gute Kunde freute.

Klaus Dietrich ist Ur-Züllsdorfer. Der 77-Jährige schätzt die Ruhe in seinem Heimatort. Aber auch, dass am Wochenende oft was los ist. „Sonntag ist Schlachteessen im Bowlingcenter. Da gehe ich wieder hin“, sagt er. Überhaupt gefalle ihm, was die Vereine so alles auf die Beine stellen. Cordula Grundmann, sie betreibt das kleine Einkaufszentrum, lässt keinen Zweifel daran, dass man in Züllsdorf wunderbar leben kann. „Jeder kennt jeden und es gibt auch einige Arbeitsplätze im Ort. Das kann nicht jedes Dorf vorweisen“, sagt sie. Auch Sigrid Arnold freut sich über die Ehrung für Züllsdorf. „Es lebt sich gut hier. Wir nehmen oft an den kulturellen Veranstaltungen teil. Besonders gefällt uns, dass es den Laden noch gibt. Wir brauchen zum Einkaufen nicht in die Stadt“, sagt sie. Edith Rau stimmt ihr zu. Der Ort sei schön sauber, meint sie, und gut sei auch, dass es mit dem Bus nach Torgau jetzt auch wieder eine bessere Verkehrsanbindung gibt.

Natürlich habe es früher eine Schule in Züllsdorf gegeben und einen Arzt. „Wir waren ein super Dorf, das alles hatte“, sagt Inge Wenzel. Die Züllsdorferin will aber nicht klagen. „Wichtig ist, dass wir das, was jetzt hier ist, erhalten“, sagt sie und lobt vor allem den Ortsvorsteher Ulrich Grundmann. „Der kümmert sich und packt mit an“, meint sie.

Sybille Kuhl, selbst Lehrerin, freut sich über volle Schulbusse und viele Kinder in der Kita. Die Vereine, die Kirchengemeinde, die Landfrauen — alle würden sich engagieren. „Für heutige Bedingungen sind wir ein funktionierendes Dorf“, sagt sie.

Dafür ist man vor allem in der Kita „Löwenzahn“ dankbar, wo derzeit 34 Knirpse betreut werden. „Das ist das Tolle an Züllsdorf. Ob Ortsvorsteher, Feuerwehr oder Sportverein. Wenn wir Hilfe brauchen, unterstützt uns das ganze Dorf. Die Züllsdorfer haben diese Auszeichnung verdient, sagt Kita-Leiterin Katrin Kiepsch.

Mit welchen Ambitionen Züllsdorf ins Rennen gegangen ist? „Wir wollten gewinnen“, sagt Ulrich Grundmann fast zeitgleich bei der Ehrungsveranstaltung in Finsterwalde. Die Antwort steht genauso für das Selbstbewusstsein im Ort wie die Aufschrift am Hemdkragen. „Züllsdorfer“, das können ruhig alle sehen.

Stolz können unterdessen alle sechs Orte sein, die in diesem Jahr teilgenommen haben. Neben Züllsdorf stehen auch Gräfendorf, Schraden, Werenzhain, Schlieben und Martinskirchen für Orte, in denen das Leben pulsiert, lobt Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (CDU).

Stolz wie Hanne zeigt sich dann Olaf Redlich aus Schraden. Die Gemeinde ist Zweite im Wettbewerb geworden und erhält 1100 Euro. Der Ortsvorsteher weiß auch warum: „Wir haben einen richtig neuen Schub im Ort. Der Dorf- und Sportverein ist der Motor und ganz viele ziehen mit. Sie müssten sich nur mal den Veranstaltungskalender angucken. Bei uns ist was los!“ Schraden ist wie viele andere eine Randgemeinde im Kreis und entdeckt trotzdem Potenziale: Baugrundstücke werden rar, weil immer mehr Sachsen sich für Schraden interessieren und Dresden ja gerade mal eine halbe Autostunde entfernt liegt. Olaf Redlich nennt noch einen anderen Aspekt: „Aus der Amtsverwaltung gibt es jede Unterstützung. Das stärkt den Zusammenhalt im Amt.“

Randgemeinde an der anderen Ecke ist auch Martinskirchen, ein Dorf mit vielen Denkmälern und „einem Barockschloss, das Herausforderung, Bürde und Freude zugleich ist“, wie der Landrat einschätzt. Dort ist es Ortsvorsteherin Kathrin Degen, die mit Frauenpower den Ort auf Platz 3 (1000 Euro) im Wettbewerb getrieben hat. Auch sie wehrt ab: „Das geht nicht allein. Nur mit einer verschworenen Gemeinschaft bewegst du was. Ich bin unheimlich stolz auf unsere Vereine, die Feuerwehr und die zahlreichen Privatinitiativen.“

Stark ist es auch, was Schlieben für Menschen mit Handicap leistet. Da wird Großpflaster in viel genutzten Wegen durch Bitumen ersetzt ohne gleich den historischen Charakter der Stadt zu zerstören, ist der Drandorfhof als das kulturelle Zentrum barrierefrei, werden in allen Bauunterlagen spezielle Anforderungen zu Barrierefreiheit verankert, soll der Weg hinauf zum Langen Berg noch besser nutzbar für Menschen mit Behinderungen gemacht werden. Die Sparkasse Elbe-Elster  will mit einem erstmals aufgelegten Sonderpreis weitere Kommunen ermuntern, Schliebens Beispiel zu folgen. Vorstand Jürgen Riecke hat mit Freude Ortsbürgermeisterin Cornelia Schülzchen die Siegertafel überreicht und die verweist auf das eingereichte Konzept: „Es ist schön, wenn Menschen älter werden. Aber Altwerden darf nicht zur Last werden durch Dinge, die beeinflussbar sind.“

Im Dorfladen in Züllsdorf ist Freitagvormittag die Kunde vom Sieg freudig debattiert worden.
Im Dorfladen in Züllsdorf ist Freitagvormittag die Kunde vom Sieg freudig debattiert worden. FOTO: Rudow / LR
Über Platz zwei für Schraden freut sich Ortsvorsteher Olaf Redlich.
Über Platz zwei für Schraden freut sich Ortsvorsteher Olaf Redlich. FOTO: Frank Claus / LR
Martinskirchen überzeugt und wird Dritter, hier Ortsvorsteherin Kathrin Degen.
Martinskirchen überzeugt und wird Dritter, hier Ortsvorsteherin Kathrin Degen. FOTO: Frank Claus / LR
In Sachen Barrierefreiheit ist Schlieben ganz weit. Cornelia Schülzchen, Ortsbürgermeisterin in Schlieben.
In Sachen Barrierefreiheit ist Schlieben ganz weit. Cornelia Schülzchen, Ortsbürgermeisterin in Schlieben. FOTO: Frank Claus / LR