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Wohnung für 500 Aufbaustunden

Die Wohnungen in der Richard-König-Straße waren die ersten, die die Genossenschaft gebaut hat. Hier wohnen seit 1960 auch Erika und Werner Homack.
Die Wohnungen in der Richard-König-Straße waren die ersten, die die Genossenschaft gebaut hat. Hier wohnen seit 1960 auch Erika und Werner Homack. FOTO: Rudow
Herzberg. Die Wohnungsgenossenschaft Elsterstrand Herzberg feiert ihren 60. Geburtstag. Mieter der ersten Stunde haben Schritt bis heute nicht bereut. Birgit Rudow

Am 7. August 1957 wurde in Herzberg die Arbeiterwohngenossenschaft (AWG) "Elsterstrand", Vorläufer der heutigen Wohnungsgenossenschaft "Elsterstrand" eG Herzberg, gegründet. Den 60. Geburtstag feierte die Genossenschaft am Montag taggenau im Herzberger Schützenhaus. Der Vorstand hatte viele Geschäftspartner, aktive Mitglieder und vor allem Mieter und Mitglieder, die der Genossenschaft seit vielen Jahrzehnten die Treue halten, eingeladen.

Zu ihnen gehören auch Erika und Werner Homack. Sie sind sozusagen Mieter der ersten Stunde. 1957 sind sie in die Genossenschaft eingetreten und haben 1960 ihre Wohnung mit zweieinhalb Zimmern in der Richard-König-Straße 17 bezogen. Dort wohnen sie noch heute. Zwei Kinder sind hier groß geworden. "Manchmal haben wir überlegt, in eine größere Wohnung umzuziehen. Aber heute sind wir froh, dass wir es nicht gemacht haben", sagt Erika Homack.

Sie und ihr Mann erinnern sich gern an die "Anfangszeiten". Wer eine Genossenschaftswohnung wie die der Homacks haben wollte, der musste 500 Aufbaustunden leisten. Das fiel dem heute 83-jährigen Werner Homack damals nicht schwer. Als gelernter Dachdecker hat er gemeinsam mit seinem Freund Werner Henkel zwei Dächer von Genossenschaftshäusern gedeckt. Die Homacks loben vor allem die große Hilfsbereitschaft, die damals herrschte. Aber auch heute kennen sie noch viele Nachbarn. "Eigentlich sind wir wunschlos glücklich. Wir haben den Schritt in die Genossenschaft nie bereut", so Werner Homack.

Das sind Worte, die die Vorstandsvorsitzende Elvira Schönrock besonders gern hört. In ihrem kurzen Exkurs in die Geschichte der Genossenschaft erinnerte sie an die nicht immer einfachen Anfangsjahre. Das Armaturenwerk, die Konsumgenossenschaft und der Rat des Kreises waren die Trägerbetriebe. Im ersten Bauabschnitt wurden von 1958 bis 1960 81 Wohnungen in der Richard-König-Straße errichtet. Bis 1966 entstanden 108 Wohneinheiten in der Goethe- und der Dürerstraße, bis 1970 dann 128 Wohnungen in der Friedrich-Engels-Straße. Es folgten 184 Wohnungen im Wilhelm-Pieck-Ring, 64 Wohnungen in der Grochwitzer Straße und zwischen 1988 und 1989 noch 220 Wohnungen in Herzberg Nord. 1979 haben sich die AWG und die gemeinnützige Baugenossenschaft Herzberg zusammengeschlossen. Am 1. Oktober 1990 wurde dann die Wohnungsgenossenschaft "Elsterstrand" eG gegründet. Sie ist heute Vermieterin von 924 Wohnungen. Die Genossenschaft hat mehr als 850 Mitglieder. Der Schwerpunkt liegt jetzt vor allem in der Modernisierung und Instandsetzung der Wohnungen sowie in der Gestaltung des Wohnumfeldes. Das Ziel der Genossenschaft sei es, auch weiterhin bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und zu erhalten sowie den Genossenschaftsgedanken zu pflegen, sagte Elvira Schönrock.

Die Geburtstagsfeier haben Reinhard Straach und Christian Poser kulturell-humoristisch umrahmt. Und der Regionalhistoriker Ulf Lehmann hat die Geschichte der Genossenschaft mit einem Blick in die "große" Historie verbunden. Er bewunderte das "grenzenlose Gottvertrauen" der ersten Mitglieder in das Projekt AWG.