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| 04:32 Uhr

Wohmann will "mehr Farbe in Landtag" bringen

Finsterwalde. "In diesen Potsdamer Polit-Klüngel von SPD und CDU muss mal andere Farbe rein", sagt Johannes Wohmann – und begründet so seine Kandidatur für den nächsten Landtag. Dieter Babbe

Dabei wolle er mit seinem Bekanntheitsgrad Stimmen ziehen und mithelfen, dass die FDP endlich wieder in das brandenburgische Landesparlament einzieht - obwohl er eigenlich kein Partei-Soldat sei. Er wolle aber seine 18-jährige Erfahrung als einer der dienstältesten Bürgermeister mit in die Waagschale werfen. Er kenne nur Luckaus Bürgermeister Harry Müller, der wie er seit der Wende im Amte ist.

"Kein anderer steht so für alles gerade, wie ein direkt gewählter Bürgermeister", sagte Wohmann am Rande des festlichen Jahresempfanges, bei dem die Louis-Schiller-Medaille 2008 an Herbert Mletzko übergeben wurde. Er fühle sich mit 64 Jahren geistig und körperlich fit und bereit, "mit der gleichen Leidenschaft wie als Bürgermeister" sich im Landtag insbesondere für die kommunale Basis stark zu machen - "ohne dabei, wie bisher, auf die Uhr zu gucken".

Für den Landtag zu kandidieren, das habe er relativ kurzfristig für sich entschieden. Ein Auslöser sei auch die "Zusammenrottung der Landräte" im Süden Brandenburgs gewesen, um eine sogenannte Energieregion "Lausitz-Spreewald" zu gründen, wo die Südbrandenburger Landkreise und die Stadt Cottbus eine GmbH gründen und künftig als Stimme der Region der Lausitz mehr Aufmerksamkeit sichern wollen. "Dieses Gremium ist nicht demokratisch legitimiert", sagt Wohmann, und es hebele kommunale Selbstverwaltung der Kommunen aus. Nicht um Kreisverwaltungen, sondern um die Kommunen zu stärken, wolle er im Landtag kämpfen. Dazu hätte er "lieber im neuen Kreistag gesessen", doch das sei Bürgermeistern in Brandenburg verboten.

Wohmanns Antrieb, für den Landtag zu kandidieren, hole er sich aus Hans Herbert von Arnims Buch "Die Deutschlandakte - was Politiker und Wirtschaftsbosse unserem Land antun" beschrieb, so Wohmann im LR-Gespräch beim Empfang. Hier kritisiert von Arnim "Parteienpatronage, überborde Bürokratie, gleich geschaltete Medien, Justiz unter dem Einfluss der Politik sowie Großunternehmen, in denen Korruption zum alltäglichen Geschäft gehört", wie es in einer Kurzbeschreibung bei buecher.de heißt. Aussage des Autors: Es ist wirklich etwas faul in unserem Staate, und der Fisch stinkt vom Kopf her. Die politische und wirtschaftliche Klasse agiert zunehmend im kontrollfreien Raum und im Zweifel eher im eigenen als im öffentlichen Interesse. Hans Herbert von Arnim lässt anhand einer langen Reihe von Missbrauchsfällen aus Politik, Verwaltung, Justiz, Wirtschaft und Gesellschaft ein ganzes System von Auswüchsen und Defiziten sichtbar werden. Sein Schwarzbuch Deutschland soll aufrütteln, bevor unsere Demokratie dauerhaften Schaden nimmt.

Johannes Wohmann, zwar als ein eigenwilliger Sturkopf bekannt, dem man aber keinerlei Eigennutz unterstellen kann, will diesen Kampf als Landtagsabgeordneter aufnehmen. Allerdings hat er es bei der Kandidatur nicht bis auf die Landesliste seiner Partei geschafft, auf hintere Plätze habe er sich nicht setzen lassen wollen, so Wohmann.

Um in den Landtag einziehen zu können, muss er sich als Direktkandidat gegen Barbara Hackenschmidt (SPD), Carolin Steinmetzer-Mann (Linke) und Rainer Ge-nilke (CDU) behaupten.

Ein Problem mit seinem Bürgermeisteramt sieht Wohmann mit der Landtagskandidatur nicht. Wohmanns Amtszeit läuft am 31. Januar 2010 aus, die Landtagswahl findet wahrscheinlich im September des nächsten Jahres statt. Auf große Wahlkampf-Auftritte werde er verzichten, Wohmann setzt auf seinen Bekanntheitsgrad.

Während der FDP-Mann aus Finsterwalde für den Wahlkreis 36 kandidiert (Finsterwalde, Sonnewalde, Schlieben, Schönewalde, Herzberg, Uebigau/Wahrenbrück), tritt der Herzberger Unternehmer Timo Gleinig, ein eher unbekanntes Gesicht, im Wahlkreis 37 an (Doberlug-Kirchhain, Plessa, Schradenland, Röderland, Elsterwerda, Bad Liebenwerda, Mühlberg, Elsterland).