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| 18:15 Uhr

Herzberg
Wohin mit dem Klärschlamm?

Herzberg. Die Landwirtschaft nimmt dem HWAZ nur noch 1000 statt wie bisher 8000 Tonnen ab. Grund sind zwei neue Verordnungen. Von Birgit Rudow

Etwa 12 000 Tonnen Klärschlamm fallen jährlich beim Herzberger Wasser- und Abwasserzweckverband an. Klärschlamm ist nach der Reinigung der Abwässer sozusagen das Restprodukt. Er ist pechschwarz und geruchlos. Auf 1000 Gramm entfallen 4 Prozent Trockensubstanz. Der Rest ist Wasser. Er wird nass ausgebracht.

Bisher hat die Gräfendorfer Agrargenossenschaft dem HWAZ etwa 8000 Tonnen Klärschlamm abgenommen. „Wir waren die einzigen, die sich mit Klärschlamm beschäftigt haben. Sein Einsatz ist in der Landwirtschaft umstritten. Aber Klärschlamm wird völlig zu Unrecht als Teufelszeug zerrissen. Er hat einen niedrigeren Stickstoffgehalt als Gülle oder Gärreste, aber einen höheren Phosphoranteil und kaum Schwermetalle“, so der Chef der Agrargenossenschaft Michael Jänsch. Klärschlamm wird nur dort eingesetzt, wo keine Lebensmittel für Menschen produziert werden. „Wir haben ihn für das Getreide für die Tierproduktion verwendet. Der HWAZ muss den Klärschlamm beproben lassen und wir die Fläche. Die Ergebnisse lagen immer unter den Grenzwerten“, so Jänsch.

Seit diesem Jahr aber haben die Gräfendorfer die Klärschlammmenge stark reduziert. Nur noch etwa 1000 Tonnen nehmen sie dem HWAZ ab. Grund sind die neue Klärschlammverordnung und die neue Düngemittelverordnung. „Das ist so kompliziert, dass man es Laien kaum erklären kann“, so der Landwirt. Der Einsatz von Wirtschaftsdünger und mineralischem Dünger soll zu Gunsten von Stallmist, Gülle und Biogärresten weiter zurückgefahren werden, sagt er. Außerdem habe der Gesetzgeber die Zeiträume, in denen gedüngt werden darf, eingekürzt. Im Herbst durfte man früher länger Dünger aufbringen. Das ist heute nur noch bei Zwischenfrüchten und beim Getreideanbau nach Getreide möglich, so Jänsch. Die Agrargenossenschaft Gräfendorf hat deshalb für ihre anfallende Gülle, die sie im Herbst nicht verbraucht, ein großes 6000 Kubikmeter fassendes Güllelager in Langennaundorf errichtet.

Was durch die neuen Bestimmungen fast ganz auf der Strecke bleibt, ist der Klärschlamm. Auf dem bleibt der HWAZ sitzen. Der Verband macht sich derzeit ernsthaft Gedanken über die Perspektive der Klärschlammverwertung. „Die Klärschlamm- und die Düngemittelverordnungen führen zur Flächenkonkurrenz zwischen Klärschlamm, Gärresten und Gülle. Das führt zu steigenden Preisen bis hin zu fehlenden Entsorgungsmöglichkeiten. Diese Flächenkonkurrenz zwingt Kläranlagen unserer Größenordnung mittelfristig in die Klärschlammverbrennung“, so der HWAZ-Verbandsvorsteher Mario Kestin.

Noch bis Ende 2019 hat der HWAZ eine vertragliche Vereinbarung mit einem Versorger in Dessau-Roßlau, der den Schlamm landbautechnisch verwertet. Diesen Weg möchte der Verband gern weitergehen. Anfragen laufen bereits. Geprüft werden auch andere Möglichkeiten. Zum Beispiel lässt der Trink- und Abwasserzweckverband Niederlausitz den Bau einer Vererdungsanlage wirtschaftlich betrachten. Das wäre eventuell auch für den HWAZ denkbar wie noch einige andere Aspekte, die ins Auge gefasst werden könnten.  Erst, wenn Ergebnisse vorliegen, könne der Verband der Verbandsversammlung eine Entscheidungsempfehlung unterbreiten, so Kestin.

Inwieweit sich die Klärschlamm­entsorgung ab 2020 auf die Gebühren für die HWAZ-Kunden auswirkt, könne heute noch nicht eingeschätzt werden, sagt der Verbandsvorsteher.