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| 19:12 Uhr

Wo Tüfteln zum Handwerk gehört

EE-BVMW-Geschäftsstellenleiter Eckhard Höse (l.) und Moderator Ralf Henkel (r.) sind überzeugt, dass Silvio (2.v.l.) und Manfred Kurde mit ihrer Herzberger Firma Tyroller Hydraulik zu den Lausitzer Leuchttürmen gehören. Als Dankeschön für ihre Gesprächsbereitschaft gab es eine Riesenschokolade.
EE-BVMW-Geschäftsstellenleiter Eckhard Höse (l.) und Moderator Ralf Henkel (r.) sind überzeugt, dass Silvio (2.v.l.) und Manfred Kurde mit ihrer Herzberger Firma Tyroller Hydraulik zu den Lausitzer Leuchttürmen gehören. Als Dankeschön für ihre Gesprächsbereitschaft gab es eine Riesenschokolade. FOTO: sk
Herzberg. Geschäftsführer der Herzberger Firma Tyroller Hydraulik haben bei der BVMW-Gesprächsrunde "Lausitzer Leuchttürme" tiefe und zugleich sehr unterhaltsame Einblicke in das Unternehmen und ihr Engagement gewährt. Sylvia Kunze / sk

Seit einem halben Jahr ist Silvio Kurde (43) Chef der Herzberger Tyroller Hydraulik GmbH. Vater Manfred (70) hat sich zu seinem runden Geburtstag zurückgezogen. "Ich fahre bloß noch hin", antwortet der Senior-Chef augenzwinkernd, wenn man ihn fragt, ob er sich wirklich ganz auf den Ruhestand einlassen will. Neben allerlei häuslichen Betätigungen hat er immer noch ein Auge auf den Sondermaschinenbau.

In einem Betrieb, in dem Tüfteln zum Handwerk gehört, ist das der Bereich, wo die kreativsten Lösungen gefragt sind. Wie der Name schon sagt, gibt es dabei nichts von der Stange. Und das ist gut so. Da können sich Vater und Sohn gemeinsam mit dem Team "austoben". Beiden scheint das Basteln, Probieren und nach Lösungen zu suchen, seit ihrer Kindheit im Blut zu liegen.

Manfred Kurde, geboren 1947, ist zwischen Maschinen und Traktoren groß geworden. Schrauben war sein Ding, also lernte er Schlosser. Er war von den ersten Hydraulikelementen in Traktoren fasziniert und "wenn etwas nicht funktionierte, musste ich rausbekommen, warum nicht", erinnert er sich. Nicht ahnend, dass das der Grundstein für sein späteres eigenes Unternehmen sein sollte.

Er hat sich zum Meister qualifiziert und gleich noch ein Ingenieursstudium rangehangen. Als Technischer Leiter in einer LPG sammelte Kurde nicht nur technische Erfahrungen. Mit Rosen, Spargel und Wernesgrüner Bier wurde "gehandelt", um an die nötigen Ersatzteile zu kommen. Vergleicht er die damalige sozialistische Planwirtschaft zu DDR-Zeiten mit heute, stellt er fest: "Vor der Wende musstest Du was hinbringen, damit du was bekommst. Heute musst Du was mitnehmen, damit Du was loswirst."

Kurde weiß, wovon er spricht. Gleich kurz nach der Wende, 1991, hat er die Tyroller Hydraulik GmbH gegründet. Mit fünf Angestellten gestartet, zählt sie 25 Jahre später 50 Mitarbeiter. Ihre Geschicke liegen nun in den Händen von Juniorchef Silvio Kurde. Der gelernte Karosseriebauer, der von Kindesbeinen an mit dem Vater an Autos rumgeschraubt hat, ist seit 1996 im Familienbetrieb tätig und hat sich 2003 entschlossen, es weiterzuführen. Seitdem hat ihn der Vater umfassend in die Geschäfte eingeführt.

"Ich will das Unternehmen weiter ausbauen. Mein Vater soll stolz auf mich sein können", sagt Silvio Kurde. Teil zwei des Vorhabens ist ihm schon geglückt. "Wir haben unseren Jahresumsatz von zwei auf fünf Millionen Euro erhöht. Das ist ein wesentlicher Verdienst meines Sohnes", resümiert der Seniorchef.

Fragt man ihn heute nach Licht und Schatten, dann stellt er heraus, dass die Zusammenarbeit mit der Kreisstadt in Sachen Wirtschaftsförderung super funktioniere, der Standortnachteil aber bleibe: "Weil die Infrastruktur nicht ausgebaut ist, sind wir heute eigentlich immer 100 Kilometer zu weit weg."

Säße er an den politischen Hebeln der Macht und hätte Wünsche frei, würde Manfred Kurde zuerst Arbeitsministerin Nahles ablösen, denn "einem kleinen Unternehmen mit vielen jungen Mitarbeitern fällt es schwer, Erziehungszeiten zu deckeln. Ich lasse doch nicht die Männer für weniger Geld zu Hause", kann sich der Geschäftsmann mit dem Modell nicht anfreunden. Außerdem würde er "Leistung honorieren und nicht Faulheit erziehen. Es darf nicht sein, dass Arbeitslose kein Geld dazuverdienen können, aber andererseits Arbeitern vom verdienten Geld die Hälfte abgezogen wird", ärgert sich Manfred Kurde. Zudem ist er für eine bundesweite Vereinheitlichung des Bildungssystems.

Zum Thema:
Lausitzer Leuchttürme ist eine Gesprächsreihe des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) zu den stärksten (Wirtschafts-) Seiten der Lausitz. Sie soll einen Beitrag leisten, das Image der Lausitz weiter zu verbessern.Aus Elbe-Elster waren bereits Gesprächspartner, z.B. Antje Kuna-Theile, Geschäftsführerin der Holz-Zentrum Theile GmbH Elsterwerda, und Dietmar Menzel, Geschäftsführer der Reiss Büromöbel GmbH Bad Liebenwerda.Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) ist Deutschlands größtes freiwillig organisiertes Unternehmensnetzwerk mit vier Aufgabenschwerpunkten: politische Interessenvertretung, persönliche Beratung, kommunikative Veranstaltungen und praxisbezogene Informationen.Leiter der BVMW-Kreisgeschäftsstelle Elbe-Elster ist Eckhard Höse in Falkenberg (Kontakt: Tel. 035365 2738, Mail: eckhard.hoese@bvmw.de). (sk)