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| 18:25 Uhr

Landwirtschaft
Schweinepest: Betriebe fürchten ernsthafte Probleme

Gelangt die Afrikanische Schweinepest nach Elbe-Elster, kommt die Schweineproduktion zum Erliegen, sagt Kreisbauernverbandschef Dorsten Höhne.
Gelangt die Afrikanische Schweinepest nach Elbe-Elster, kommt die Schweineproduktion zum Erliegen, sagt Kreisbauernverbandschef Dorsten Höhne. FOTO: dusanpetkovic1/Fotolia / fotolia
Elbe-Elster. Die Afrikanische Schweinepest (ASP) kommt näher und treibt den Schweineproduzenten in Elbe-Elster die Sorgenfalten auf die Stirn. Von Sylvia Kunze, Heike Lehmann und Birgit Rudow

Die Afrikanische Schweinepest kommt mit Riesenschritten aus Osteuropa auf uns zu. Polen und Tschechien hat sie bereits erreicht. Wie versuchen sich die Schweineproduzenten in Elbe-Elster vor der drohenden Gefahr zu schützen, was rät die Amtstierärztin, was sagen Jäger zur erhöhten Abschussquote bei Wildschweinen? Die LR hat sich umgehört.

Dorsten Höhne, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Elbe-Elster, hat die nahende Gefahr der Afrikanischen Schweinepest „schon längst voll auf dem Schirm. Wir hoffen, lange genug davon verschont zu bleiben“, sagt er. Er weiß, dass das nur eine Hoffnung und die Realität meist eine andere ist. „Wir fühlen uns von Behördenseite nicht genügend vorbereitet“, gibt er die Sicht der im Verband organisierten landwirtschaftlichen Betriebe wieder. Was beim Seuchenbefall im Bestand zu tun sei, „das wissen wir“, aber bei vielen anderen Details in Sachen Tierseuchenvorsorge und „was da im Fall des Falles wann und wie passieren muss, ist noch nicht ausreichend theoretisch vorgesorgt“, schätzt er ein.

Für ihn heißt es „gute Nacht, Marie!“, sollte der Ernstfall eintreten. Denn tritt er ein, da ist sich Höhne sicher, „kommt die Schweineproduktion zum Erliegen“ und „gibt es für die Betriebe ernsthafte wirtschaftliche Probleme bis dahin, dass Existenzen auf dem Spiel stehen. Ich mag mir nicht ausmalen, was das für die landwirtschaftliche Struktur der Region bedeuten würde.“

Horst Bielagk von der Agrargenossenschaft Beyern stimmt Höhne zu, dass die nahende Seuche für viele Betriebe existenzgefährdend werden kann. Wenn die Schweineproduktion, die in Beyern 35 bis 40 Prozent des betrieblichen Gesamtgefüges ausmacht, wegbrechen würde, hätte das Folgen finanzieller Art, für den Tierbestand an sich, für die Biogasanlage (zuerst wäre anfallende Gülle wie Sondermüll zu behandeln, später würde sie über kurz oder lang fehlen) und letztlich auch auf die Sicherheit der Arbeitsplätze.

Ansonsten werde getan, was möglich ist, um die Seuche abzuwenden. Ob Zaunbau oder unterbinden von Fremdenverkehr in den Schweineställen sowie verstärkte Hygiene, das habe man alles auf dem Schirm. „Wir haben auch schon zusätzliche Treibjagden durchgeführt beziehungsweise unterstützt“, so Bielagk.

Reinhard Magister, der Leiter der Tierproduktion in der Agrargenossenschaft eG Dollenchen/Lieskau sorgt sich nicht nur um die Schweine. „Wir haben mit der eigenen Fleischerei noch ein extra Problem“, sagt er. Der Betrieb hält sich 300 Schweine ausschließlich zur Eigenvermarktung im Direktverkauf in Lieskau. „Wenn das Virus immer näher kommt, hat man schon Angst. So eine Zuspitzung wie jetzt, habe ich noch nicht erlebt“, meint Magister. Mit Einfriedung und Einhaltung der seuchenhygienischen Bestimmungen, versucht man sich zu schützen.

Eigene Schutzmaßnahmen hält auch Michael Siebert, Geschäftsführer der Schweineproduktion Prießen GmbH, einer hundertprozentigen Tochter der Agrar-Produktivgenossenschaft Prießen eG, für unbedingt notwendig. Ob sie die Tiere und damit den Betrieb sichern können, steht in den Sternen. Er ist überzeugt, dass durch die geschlossenen Tore und die Seuchenwanne das Virus nicht direkt in den Stall reingetragen werden kann. „Der Überträger Nr. 1 ist aber der Mensch und deshalb ist richtiger Schutz schwierig“, so der Geschäftsführer. „Ich habe eine Riesenangst davor, dass irgendwo im Dorf ein Hausschwein oder ein Wildschwein in der Nähe mit dem Virus auftritt, dann liegen wir im Sperrbezirk und alles ist hin“, überlegt er. „Dann könnten wir nicht mehr verkaufen, das wäre ein Millionenschaden für uns. Und wir sind noch nicht mal die größten Produzenten im Elbe-Elster-Kreis.“ Die Gefahr komme von Polen und Tschechien, aber selbst in Nordrhein-Westfalen hätten die Bauern schon Panik. Siebert sagt, weil „die ASP gigantische Folgen hat“. Er denkt an die vielen Arbeitsplätze. 15 Mitarbeiter habe er in der Schweineproduktion. „Aber die in der Futterproduktion vornweg und die in der anschließenden Verarbeitung wären ebenso betroffen. Ganz zu schweigen von möglichen Preissteigerungen für den Verbraucher bei Schnitzelfleisch und Hackepeter. Michael Siebert sagt: „Wir wollen 2018 in die Schweinehaltung investieren und Ausrüstung im Wert von 200 000 Euro erneuern. Was, wenn uns dann die Afrikanische Schweinepest erreicht?“

Die Amtstierärztin des Elbe-Elster-Kreises Ilona Schrumpf verweist über die Pressestelle des Kreises auf die traditionelle Zusammenkunft von Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (CDU)  mit den Landwirten auf der Grünen Woche in Berlin. Dort soll es in der kommenden Woche Informationen dazu geben, wie sich der Kreis auf die Abwehr der Afrikanischen Schweinepest und die Vorsorge einstellt. Auch zu den Gebühren für die Trichinenuntersuchung wolle der Landrat etwas sagen, war aus der Pressestelle zu erfahren.

Das Problem Afrikanische Schweinepest ist auch bei den Jägern des Landkreises längst angekommen. Schon im Oktober 2016 hatten sie im Kreistag gefordert, den Jägern die Trichinenuntersuchungsgebühr von 7,70 Euro pro Stück erlegtes Schwarzwild zu erlassen. Marcel Hörig, seit Mitte November Vorsitzender des Jagdverbandes Herzberg, unterstützt das. Die Jäger müssten Anreize bekommen, mehr Schwarzwild zu schießen. „Das gilt vor allem für Frischlinge. Die Wildaufkaufpreise sind hier im Keller. Wenn ein Jäger einen 20-Kilogramm-Frisch­ling schießt und dann auch noch die Gebühren für die Trichinenuntersuchung entrichten soll, dann zahlt er bald noch drauf“, sagt Marcel Hörig. Die Abschussprämie des Landes von 50 Euro ab dem 1. April für jedes zusätzlich erlegte Wildschwein hält er für einen richtigen Weg. Er verweist auch auf ein Schreiben des Verbraucherschutzministeriums an den Landesjagdverband. Darin wird informiert, dass 30 Euro Aufwandsentschädigung gewährt werden für jedes tot aufgefundene Wildschwein. Dabei handelt es sich um so genanntes Fallwild, das durch Unfälle oder andere Ursachen getötet wurde. Dennoch übt Marcel Hörig Kritik.  „Das Thema ASP ist seit langem im Gespräch und das Land handelt erst jetzt“, sagt er. Auch müsste  die Bejagungsruhe in Landes- und Bundesforstrevieren abgeschafft werden. Dort könnte sich das Schwarzwild hervorragend vermehren. Das gleiche gelte auch für Schutzgebiete, so Hörig.

In der Herzberger Jägerschaft gebe es Diskussionen darüber, wie sich die Pest verbreiten könnte, so der Vorsitzende. Dabei komme auch wieder der Wolf ins Spiel. „Infizierte Wildschweine würden nicht weit kommen, weil sie schnell verenden. Die Frage ist, inwieweit der Wolf den Virus weiter trägt“, sagt er.

Die Schliebener Landtagsabgeordnete Iris Schülzke hat einen Antrag im Landtag eingebracht und fordert, dass das Land die Kosten für die Trichinenuntersuchung bei Schwarzwild bis vorerst 31. Mai übernimmt. Das Land soll ab sofort auch Prämien von 25 Euro pro erlegtem Wildschwein unter 20 Kilo Gewicht zahlen. Kurzfristig soll Schwarzwild mit Nachtsichtzieloptik bejagt werden dürfen. Außerdem müssten die Jagdstrategien für Schwarzwild in den Schutzgebieten überprüft werden, so die Politikerin.