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Geehrt
Ein Glücksbringer fürs Handwerk

Schornsteinfegermeister Steffen Bittner (r.) kümmert sich seit Jahren kontinuierlich um Nachwuchs fürs Handwerk, hier im Bild mit dem Gesellen Ole Höhne (l.) und dem Azubi Jonas Wiedenhöft.
Schornsteinfegermeister Steffen Bittner (r.) kümmert sich seit Jahren kontinuierlich um Nachwuchs fürs Handwerk, hier im Bild mit dem Gesellen Ole Höhne (l.) und dem Azubi Jonas Wiedenhöft. FOTO: Handwerkskammer
Schlieben. Der Schliebener Schornsteinfegermeister Steffen Bittner bildet kontinuierlich aus. Sylvia Kunze

Schornsteinfeger sind seit dem 16. Jahrhundert als „Glücksbringer“ bekannt. Und eindeutig Glück für das Schornsteinfegerhandwerk ist es, dass sich der Schliebener Schornsteinfegermeister Steffen Bittner seit zehn Jahren kontinuierlich für die Lehrlingsausbildung engagiert und damit für Fachkräftenachwuchs sorgt. Er vermittelt systematisch sein Wissen zur Überprüfung von Heizungs-, Abgas- und Lüftungsanlagen oder zur Reinigung der Feuerungs- und Rauchanlagen. Bereits fünf Lehrlinge konnten erfolgreich die Gesellenprüfung ablegen. Schülern bietet er die Möglichkeit, in einem Praktikum den Beruf kennenzulernen. Die Handwerkskammer Cottbus hat den Schornsteinfegermeisterbetrieb deshalb als einen von drei vorbildlichen Betrieben in ihrem Verantwortungsbereich als „Bester Ausbildungsbetrieb 2017“ ausgezeichnet.

Genau genommen bildet Bittner seit 20 Jahren aus. Aber, so sagt er, es war auch einmal eine Zeit dazwischen, in der sich keiner fand, der das Handwerk lernen wollte.“ Dass er selbst gar nicht jeden Lehrling behalten und in eine Anstellung übernehmen kann, ist für ihn kein Grund, in seinen Bemühungen nachzulassen. „Man muss weiterdenken“, ist seine Devise. Schließlich bilde nicht jeder Kollege aus. Aktuell seien es nur noch die Hälfte der Betriebe im Innungsbereich, die sich aktiv um Nachwuchs kümmern, und gut ausgebildete Fachkräfte kämen deshalb gut unter. „Von meinen ehemaligen Azubis haben alle eine Arbeitsstelle“, ist Bittner froh und sieht sich in seinen Bemühungen bestätigt.

Einer, der nicht „in die Ferne“ zog, sondern nach der Ausbildung im Schliebener Handwerksbetrieb bleiben konnte, ist Ole Höhne. Der 19-Jährige aus Polzen arbeitet als Geselle an der Seite des Meisters. Bei einem Praktikum hat er vor einigen Jahren das erste Mal in den Beruf hineingeschnuppert - ist dabeigeblieben und hat es nach eigenen Aussagen bisher nicht bereut. „Schornsteinfeger genießen in der Gesellschaft hohe Anerkennung“, freut er sich über seinen Stand.

Seine Erfahrungen in Sachen Ausbildung kann er jetzt an Jonas Wiedenhöft weitergeben. Der 17-Jährige aus Freileben hat im September seine Lehre begonnen, ebenfalls nachdem er sich bei einem Praktikum für den Beruf begeistern ließ und danach umgehend seine Bewerbung auf den Tisch des Schliebener Arbeitgebers gelegt hatte.

Ole Höhne hat ihm längst berichtet, dass auf ihn eine sehr kreative Lehre wartet. Und Meister Steffen Bittner weiß zu ergänzen, dass aufgrund technischer Entwicklungen der Schornsteinfeger heute in einem sehr modernen Berufsumfeld tätig wird. Aber: „Hier in der ländlichen Region ist es nach wie vor auch noch ein sehr schmutziger Beruf. Gerade auf den Dörfern wird weiter mit vielen festen Brennstoffen geheizt. Vor dem Schmutzigmachen darf man da keine Angst haben.“

Was bei seinem Gesellen und seinem Azubi auch nicht der Fall ist. Jonas Wiedenhöft wird höchstens ein wenig unruhiger, wenn es darum geht, auf das nächste Dach zu steigen. „Das ist am Anfang so. Da muss man erst langsam Sicherheit gewinnen“, weiß Ole Höhne. „Es wird“, bestätigt der Lehrling nach der Erfahrung der ersten Monate praktischer Arbeit.

In Sachen Theorie muss er bei der überbetrieblichen Ausbildung jedoch noch einiges mehr lernen. Ob Brandschutz, Energieberatung, Betriebssicherheit oder Umweltschutz - Schornsteinfeger ist weitaus mehr, als Essen zu kehren. „Wir haben es zum großen Teil mit hochmoderner Heiztechnik zu tun. Das Thema der Beratung und der Arbeit mit dem Kunden nimmt einen immer höheren Stellenwert ein“, erläutert der Meister.

„Das schaffst Du“, muntert der Geselle den Azubi auf und schickt hinterher: „Mitmachen, aufpassen. Man muss was tun, um die Lehre zu schaffen, aber es ist machbar.“ Allein unter den Fittichen von Schornsteinfegermeister Steffen Bittner haben es schließlich schon mehrere Auszubildende vorgemacht.