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Agrargenossenschaft Beyern
Gestiegene Erlöse verschaffen Luft

Die Bauern der Agrargenossenschaft Beyern haben das Getreide auf 1200 Hektar mit zwei Mähdreschern abgeerntet.
Die Bauern der Agrargenossenschaft Beyern haben das Getreide auf 1200 Hektar mit zwei Mähdreschern abgeerntet. FOTO: Genossenschaft
Beyern. Die Agrargenossenschaft Beyern hat durchschnittliche Erträge eingebracht. Mit der Ernte sind die Landwirte dennoch nicht unzufrieden. Birgit Rudow

Die Ernte ist eingebracht und die Bauern der Agrargenossenschaft in Beyern sind trotz nicht immer landwirtschaftsfreundlicher Witterung nicht unzufrieden. "Die Ernte war durchschnittlich. Wir waren schon am 4. August fertig. Das geht nur mit schlagkräftiger Technik und guten Leuten, die mitziehen", sagt der Geschäftsführer der Genossenschaft Horst Bielagk.

Bei der Gerste haben die Beyrischen 56 Dezitonnen je Hektar vom Feld geholt. Bei Roggen, Weizen und Triticale waren es 48 Dezitonnen. "Das ist etwas weniger als im letzten Jahr, aber wir kommen damit zurecht", so Bielagk.

In Beyern wird die gesamte Getreideernte für die Tierproduktion veredelt. Die Genossenschaft lagert und mischt das Futter selbst. Vor zwei Jahren hat sie dafür eine Halle in Fermerswalde zur Getreidelagerhalle mit Lüftung und Getreidekühlung umgebaut. 4000 Tonnen passen da rein. Das Getreide kann sofort runtergekühlt werden, um Schädlinge fernzuhalten.

Große Hoffnung setzt Horst Bielagk in den Mais, der auf 6000 Hektar steht. Hier hat das Wetter gut mitgespielt. "Der steht hervorragend und ist so hoch wie in den letzten Jahren nicht. Entscheidend ist der Maiskolben, der den Energiegehalt der Futterpflanze bestimmt", sagt er.

Insgesamt schätzt Horst Bielagk die ersten acht Monate des Jahres besser ein, als die im vergangenen Jahr. Das liegt vor allem an den höheren Erlösen, die die Bauern für Milch und Schweinefleisch erzielen. Momentan ist es ein Grundpreis von 35,5 Cent je Liter Milch. Der lag vor einem Jahr bei 22 bis 25 Cent, so Bielagk. Wurden vor Jahresfrist im Durchschnitt 1,30 Euro für ein Kilogramm Mastschwein gezahlt, sind es derzeit 1,70 Euro. Das helfe den Betrieben finanziell sehr, so Bielagk. Viele Betriebe in Deutschland und Europa hätten die Milchproduktion aufgegeben. Dadurch seien etwa drei Prozent weniger Milch auf dem Markt, was den Preis hoch treiben würde, sagt er. Ähnlich sehe es bei Schweinen aus. Auch hier seien die Bestände rückläufig. Die Beyrischen haben die Durststrecke überstanden. Einen Vorteil für seinen Betrieb sieht Horst Bielagk in geschlossenen Kreisläufen sowohl in der Rinder- als auch in der Schweineproduktion. Die Genossenschaft kauft nicht zu.

Die Ansprüche an die Tierproduktion und das Tierwohl werden immer höher. Doch dem stellt man sich in Beyern, auch dank der sehr gut ausgebildeten Tierpfleger, sagt der Chef. Er führt das Antibiotikamonitoring als Beispiel an, das seit zwei Jahren in Brandenburg durchgeführt wird. Die Tierärzte müssten angeben, wie viel Antibiotika sie im Betrieb einsetzen. Anhand der Zahl verkaufter Tiere wird ein Index ermittelt. "Der Index-Durchschnitt in Deutschland beträgt 3,0. Bei uns liegt er bei 0,4", sagt Horst Bielagk. Viele unbegründete negative Urteile über die Landwirtschaft in der Öffentlichkeit ärgern ihn. "Den Tieren bei uns geht es gut, aber wir werden auch in Brandenburg manchmal bei bestimmten Veranstaltungen und Demos immer wieder als Tierquäler dargestellt. Das tut weh", sagt er.

Den Schweinen in Beyern soll es bald noch besser gehen. Ab September baut die Genossenschaft einen neuen Schweinemaststall nach modernsten Gesichtspunkten. Drei alte Ställe in Beyern und am Kiebitz werden dafür stillgelegt und zum Teil abgerissen. Im neuen Stall mit 2400 Mastplätzen werden die Schweine in Großgruppen gehalten. Er bekommt eine Kühlung für den Sommer und eine Heizung für den Winter. "Ein Wiegesystem, ähnlich wie es die Züllsdorfer schon haben, wird künftig automatisch über die Schlachtung entscheiden", erläutert Bielagk. Und weil der Stall in Beyern in Dorfnähe gebaut wird, erhält er Biofilter, mit denen die Luft mittels einer Hackschnitzelanlage gefiltert wird. Vollgesaugte Holzhackschnitzel werden dann ausgetauscht und zur Düngung verwendet.

Ins Auge gefasst hat man in Beyern auch den Umbau von Abferkelungsställen in Bewegungsställe für Sauen. Die Genossenschaft ist Teil eines europäischen Innovationsprojektes, das vom Land Brandenburg und der EU gefördert wird und auch wieder dem Tierwohl dient. Die Genossenschaft beschäftigt sich seit einem Jahr damit.