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| 13:30 Uhr

Herzberg
Fehlender Facharbeiternachwuchs ist größtes Problem auf dem Bau

Maurer Endy Janosch (38) von der Firma Preuß Bau bereitet im Hohenleipischer Sportlerheim mit einer Grundierung die Putzarbeiten vor.
Maurer Endy Janosch (38) von der Firma Preuß Bau bereitet im Hohenleipischer Sportlerheim mit einer Grundierung die Putzarbeiten vor. FOTO: Veit Rösler
Herzberg. Herzberger Unternehmer Thomas Preuß ist überzeugt, dass es sich noch verstärken wird.

Die Baubranche boomt. Wer sich nicht rechtzeitig um Handwerker gekümmert hat, der wird es schwer haben, jetzt noch welche für diese Saison zu bekommen. Kommunen beklagen, dass sie auf Ausschreibungen kaum Resonanz haben. Hinzu kommen gestiegene Baupreise. Die Baubranche müsste eigentlich vor Freude in die Hände klatschen. Tut sie aber nicht. Denn auch bei ihr türmen sich die Probleme auf.

Thomas Preuß liebt seinen Beruf. „Bauen, das sind ständig neue Herausforderungen, ständig neue Kontakte zu Menschen. Das ist viel interessanter, als in einer Fabrikhalle Teile zu montieren“, meint er. Im April 1991 hat er seinen eigenen Baubetrieb  im Herzberger Ortsteil Gräfendorf gegründet. 28 Beschäftigte hat er heute. Die Preuß Bau GmbH errichtet Industriebauten, baut Pflegeheime, Schulen, Kindergärten oder Eigenheime. Die Palette der Referenzen ist lang.

Zur Zeit baut der Betrieb eine Kita bei Dahme, das Sportlerheim in Hohenleipisch oder das Dorfgemeinschaftshaus in Kraupa. „Dieses Jahr sind wir fast nur in der Gegend“, sagt der Chef. Die Mitarbeiter freut es, nicht jeden Tag lange auf Baustellen fahren zu müssen. Doch das war nicht immer so. Vor einigen Jahren noch, als Aufträge nicht so einfach zu bekommen waren, haben sie in Teltow, Frankfurt/Oder oder Kleinmachnow gebaut.

Heute ist die Auftragslage entschieden besser. Thomas Preuß führt das vor allem auf die  Null-Zins-Politik zurück. „Die Leute stecken ihr Geld in Immobilien.  Firmen bekommen günstig Kredite, bauen neu und erweitern“, sagt er. Schon längst bewirbt er sich nicht mehr um jeden Auftrag, obwohl er ihn gern hätte. „Wir schaffen das mit unseren Leuten kapazitätsmäßig nicht. Es gibt viele Kunden, die gern mit uns bauen wollen. Es tut weh, dass wir das nicht können. Und das ist keine Preisfrage. Ich würde gern noch sechs, sieben Fachkräfte einstellen. Aber sie sind nicht zu finden“, sagt er.

Thomas Preuß sieht in dem fehlenden Facharbeiternachwuchs das größte und gravierendste Problem der Baubranche. Und das fängt jetzt erst an. „In fünf bis zehn Jahren gehen die geburtenstarken Jahrgänge in die Rente und es kommt nichts nach. Ich weiß nicht, wie es werden wird, wenn wir in der Firma in einigen Jahren sieben, acht Leute weniger sind“, sagt er. In den vergangenen zwei Jahren haben die Preuß Bau GmbH bereits fünf Mitarbeiter verlassen, wegen Krankheit, oder weil sie in den Ruhestand gegangen sind. Mit einem Durchschnittsalter der Fachkräfte von 43 Jahren steht das Unternehmen noch relativ gut da. Aber wer bis 50 auf dem Bau geschuftet hat, der bekommt schon mal Probleme, so Preuß. Er brauche deshalb eine gute Mischung aus erfahrenen alten Hasen und flinken jungen Kräften. Doch um Lehrlinge steht es schlecht. Die Firma hat immer regelmäßig ausgebildet. Aber Bewerbungen gibt es kaum noch. „Wir haben in den letzten Jahren sehr viele Kompromisse bei Auszubildenden gemacht. Aber wenn das Niveau zu niedrig ist, hat es keinen Sinn“, sagt der Firmenchef. Es sind nicht  so sehr die Schulzensuren, die ihn ärgern, sondern es ist die Einstellung einiger Lehrlinge. „Die jungen Leute wollen nicht mehr auf dem Bau arbeiten. Dabei ist der Beruf sehr anspruchsvoll. Mit ein paar Steinen ist es nicht erledigt. Ein Vorarbeiter zum Beispiel ist faktisch vor Ort der Bauleiter. Er muss mehrere Pläne zusammenbringen und oft ingenieurtechnische Leistungen bringen. Er muss die Truppe zusammenhalten und Organisationstalent haben“, sagt Preuß.

Für ihn hat die Politik in den letzten Jahren vieles falsch gemacht und das Problem total unterschätzt. „Die Handwerksberufe sind nicht mehr attraktiv. Der Facharbeiterlohn ist eindeutig zu niedrig. Außerdem müssen tarifliche Regelungen zur Anerkennung der Fahrzeiten als Arbeitszeit her. Da müssen aber alle mitziehen“, sagt er. Seine Leute machen keine Überstunden und sie arbeiten auch nicht an Wochenenden. „Acht Stunden auf dem Bau arbeiten und dann noch die Fahrerei – mehr geht nicht“, so Thomas Preuß. Er kann auch Vorwürfe zu langen Bauzeiten nicht verstehen. „Um Planung und Finanzierung zu regeln, lässt man sich drei, vier Jahre Zeit und dann soll auf Kosten der Bauarbeiter alles ganz schnell gehen und möglichst noch am Wochenende gearbeitet werden. Das funktioniert nicht“, sagt Preuß.

Die Diskussionen um gestiegene  Baupreise, angeblich wegen der derzeit guten Auftragslage, will er auch nicht auf der Branche sitzen lassen. „Ich erschrecke mich manchmal selbst, wenn ich die Preise heute mit denen von vor fünf Jahren vergleiche. Aber hier dreht nicht die Baubranche frei. Dafür gibt es andere Gründe“, so Thomas Preuß. Die enormen Preiserhöhungen seien hauptsächlich von der Industrie verschuldet, die die Materialpreise gnadenlos hochtreibe. Die jährliche Preissteigerung im Materialbereich liege bei sechs bis zehn Prozent, sagt er. „Die Industrie lässt sich immer wieder etwas Neues einfallen, wie Entladekosten, Treibstoffzulagen oder die Mautgebühren. Ab Juli sollen die Transportkosten wieder steigen. Ein Kubikmeter Steine hat vor ein paar Jahren 100 Euro gekostet, da war alles dabei. Jetzt kostet er 120 Euro und dazu kommen noch Entladung, Kleber, Umwelt- und Energiezulage. Macht insgesamt 180 Euro“, erläutert der Unternehmer.

Als Riesensauerei bezeichnet er das, was bei der Entsorgung läuft. Nur in Brandenburg brauche man dafür Gutachten, sagt er. Die Preise hätten sich zum Teil mehr als verdoppelt. „Die Entsorgung von einer Tonne Ziegelschutt hat vor zehn Jahren 10 Euro gekostet. Heute sind es 50 Euro. Wir bewerben uns für Aufträge, wo entsorgt werden muss, schon gar nicht mehr“, so der Firmenchef.

Doch trotz aller Probleme bleibt Thomas Preuß bei seiner Meinung, dass der Bauberuf einer der schönsten Berufe ist, die es gibt. Er kann schon gar nicht mehr aufzählen, was er mit den Leuten in seiner Firma in den vergangenen 27 Jahren alles errichtet hat. Eines ist sicher: Sie haben ihre Spuren hinterlassen und sie möchten es gern weiterhin tun.

Thomas Preuß.
Thomas Preuß. FOTO: Rudow / LR
Foto: fotolia/Marco2811
Foto: fotolia/Marco2811 FOTO: Marco2811 / fotolia