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"Wir sind zur Nummer 1 in Ostdeutschland avanciert"

Jens Helemann hat sich mit Leib und Seele der Aquaristik und Terraristik verschrieben. Seit 18 Jahren führt er Kinder und Jugendliche an das Hobby heran. Im AG-Raum ist das Angebot an Fischen, Pflanzen und mehr inzwischen größer, als in manchem Zoo-Fachgeschäft.
Jens Helemann hat sich mit Leib und Seele der Aquaristik und Terraristik verschrieben. Seit 18 Jahren führt er Kinder und Jugendliche an das Hobby heran. Im AG-Raum ist das Angebot an Fischen, Pflanzen und mehr inzwischen größer, als in manchem Zoo-Fachgeschäft. FOTO: sk
Zum 14. Mal wird in Falkenberg zu den Aquaristik- und Terraristik-Tagen eingeladen – ein Messewochenende, das in Fachkreisen höchste Anerkennung genießt. Und dennoch im Wesentlichen nur von einer kleinen Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendaquaristik gestemmt wird. Leiter Jens Helemann kann nicht zusammenzähen, wie viele Stunden und Urlaubstage bei ihm schon draufgingen. Aber er kann auch auf viele Helfer im Ehrenamt bauen.

Was darf der Besucher der Aquaristik- und Terraristik-Tage erwarten?
Zum Beispiel die größte Zierfisch- und Wasserpflanzenbörse Ostdeutschlands mit rund 300 Becken, Angebote für Terrarienfreunde, Tombola, Fachliteratur, exotische Zierpflanzen, hochkarätige Referenten und mehr.

Was ist neu im Angebot?
Nachdem wir kürzlich schon einmal einen sehr erfolgreichen Aquascaping-Workshop organisiert haben, bieten wir ihn auch bei der Messe an. Wir wollen erläutern, wie dieses Gestalten von Aquarierenlandschaften funktioniert. Dafür stehen Fachleute wie Dominik Lenk und Frederic Fuss bereit. Und das Tolle: Die dabei von ihnen eingerichteten hochwertigen 85-Liter-Komplett aquarien werden Samstagabend und Sonntagabend zum Ende des Messetages hin meistbietend versteigert.

Wie hat sich die Messe aus Ihrer Sicht entwickelt?
Hervorragend. An so einen Erfolg war vor 14 Jahren nicht zu denken, als wir mit einer vierstündigen Aktion, an der sich drei Zoo-Fachgeschäfte und einige befreundete Aquarianer beteiligten und die 600 Besucher zählte, begannen. Wir hatten damals nach einer Möglichkeit gesucht, für unsere tierischen und pflanzlichen Nachzuchten Abnehmer zu finden und gleichzeitig unsere AG-Kasse aufzufüllen. Die Motivation ist übrigens bis heute geblieben. Aber dazugekommen ist jetzt noch eine gewisse Erwartungshaltung von außen. Der Erfolg unserer Messe hat sich so weit herumgesprochen, dass ich das gesamte Jahr über Anfragen aus ganz Deutschland erhalte. Wir sind zur Nummer 1 in Ostdeutschland avanciert und auch in diesem Jahr wieder schon seit Wochen restlos ausgebucht.

Schöner Nebeneffekt für unsere Region: Immer mehr Gäste fragen nach Unterkünften und bleiben das gesamte Wochenende. Es hat sich nämlich auch herumgesprochen, dass der Samstagabend bei uns ganz gemütlich ausklingt - wie bei einer großen Familie. Man kennt sich, man schätzt sich, man will sich austauschen.

Welche Faktoren führen zu diesem Erfolg?
Klar, es gibt rundum auch andere Börsen dieser Art. Jedoch kleinere mit maximal 100 Aquarien. Keine ist derart gewachsen wie unsere. Bei günstigen Standpreisen sind wir locker dreimal so groß wie andere und bieten zudem ein umfangreiches Beiprogramm mit klasse Referenten. Das Komplettpaket beschert uns nun schon seit einigen Jahren Platznot und durchschnittlich um die 2000 Besucher pro Messewochenende.

Müssen Sie bei Partnern noch lange um Unterstützung bitten?
Nein, die wissen alle, was sie von der Messe zu halten haben und wie sie sie einzuordnen haben. Eine Herausforderung bleibt es jedoch in jedem Jahr, die Tombola zusammenzustellen. Es sollen ja auch ansprechende Preise sein. Da werden die Sponsoren von Jahr zu Jahr trotz des guten Rufes unserer Messetage immer zurückhaltender.

Welchen Stellenwert hat die Falkenberger Messe bei Aquarien- und Terrarienfachleuten?
Einen sehr großen. Das zeigt sich auch daran, dass der Dachverband unsere Aktivitäten sehr intensiv begleitet. Das gilt sowohl für die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen als auch für die Messe selbst. Die Regionalgruppe Ost des Arbeitskreises Zwergcichliden trifft sich im Herbst inzwischen regelmäßig bei unserer Messe. Viele Vereine pflegen den Erfahrungsaustausch vor Ort und legen Vereinsausflüge so, dass sie exakt an diesem Wochenende nach Falkenberg führen.

Was bedeutet das für Sie und Ihre Arbeit?
Das ist ein wenig wie Balsam für die Seele und ein tolles Dankeschön für die viele Arbeit, die dahinter steckt. Als ich vor 18 Jahren begann, waren diese Dimensionen nicht annähernd absehbar. Aber es ist so ein tolle Sache, Kinder und Jugendliche für das Hobby zu begeistern, dass ich diese Arbeit nicht missen möchte.

Arbeit, die zu hundert Prozent im Ehrenamt geleistet wird.
Ja, das ist so. Man kann nicht zusammenzählen, wie viele Stunden Freizeit und wie viele Urlaubstage dafür schon draufgegangen sind. Von mir. Von meiner Frau. Das ist in erster Linie erst einmal ein Familiending.

Aber es gibt noch andere Helfer?
Sonst wäre es nicht zu schaffen. Insbesondere bei der Messe stehen Stadt und Kultur- und Tourismusverein als Partner zur Seite. Vor allem bei der finanziellen Abwicklung der Tage. Vorbereiten, Begleiten und Abräumen liegt wieder mehr in unserer Verantwortung. Dabei muss man im Blick haben, was Kinder und Jugendliche leisten können, dass es da Grenzen gibt. Deshalb bin ich froh, dass alljährlich auch viele Eltern helfend zur Seite stehen. Das gilt für die Messetage gleichermaßen wie für die regelmäßigen Unternehmungen unserer Arbeitsgemeinschaft. Längere Ausflüge, wie wir sie alljährlich unternehmen, wären sonst nicht zu realisieren. Sie sind nach dem Messewochenende für die Kinder und Jugendlichen ebenfalls ein wichtiger Höhepunkt im Vereinsleben und sehr beliebt. Bei denen wollen meist alle mit. Also sind Betreuer nötig. Das ist noch einmal ganz viel Ehrenamt.

Was bestärkt Sie in Ihrer Arbeit?
Die Kinder. Ihre Begeisterung für die Arbeit mit den Tieren. Ihre Entwicklung. Diese begleiten und in bestimmte Bahnen lenken zu können, das ist eine ganz tolle Sache.

Werfen wir mal einen kurzen Blick auf die Arbeitsgemeinschaft.
Wir sind eine Kinder- und Jugendgruppe mit Mitgliedern im Alter von 7 bis 24 Jahren, die es nun schon seit 1998 gibt. Aktuell finden sich regelmäßig Mädchen und Jungen aus sechs Schulen der Region (Falkenberg, Uebigau, Wahrenbrück, Bad Liebenwerda, Elsterwerda, Herzberg) in ihrer Freizeit zusammen. Unser AG-Alltag ist sehr abwechslungsreich. Wir unternehmen mehrere Tagesexkursionen mit aquaristischem oder terraristischem Hintergrund im Jahr sowie als besonderes Highlight die bereits erwähnte Mehrtagesfahrt in den Ferien.

Wir haben feste AG-Zeiten (montags von 15.30 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 12 Uhr). Darüber hinaus muss natürlich abgesichert sein, dass regelmäßig jemand nach den Tieren schaut - auch in den Ferien.

Welche Bedeutung hat das Messewochenende für die Arbeitsgemeinschaft?
Abgesehen von der enormen Arbeit, die im Vorfeld, am Wochenende selbst und beim Abbauen zu leisten ist, eine ganz große. Alle, ob Kinder, ob Jugendliche, sind begeistert dabei und wollen helfen. Da muss klug und ordentlich koordiniert werden, damit jeder dort zum Einsatz kommt, wo er am besten, seinem Alter und seinen Fähigkeiten entsprechend, helfen kann.

Und der andere, genau so wichtige Aspekt: Die Messe bringt Nachwuchs, weil sie auf unsere Arbeit aufmerksam macht. Im Nachgang wird immer wieder von neuen Interessierten signalisiert, dass sie gern bei uns mitmachen möchten.

Welche Zukunft sehen Sie für die Arbeitsgemeinschaft und die Messe?
Der Erfolg "zwingt" uns zum Weitermachen. Und mit der Messe verdienen wir schließlich auch unseren Unterhalt. Um das Hobby zu finanzieren, braucht es einiges an Geld. Wir haben in unseren AG-Räumen inzwischen mehr Becken stehen, als in manchen Zoo-Fachgeschäft. Da laufen zum Beispiel regelmäßig Strom-, Futter- und Wasserkosten auf. Allein die jährliche Überprüfung der Geräte ist eine Ausgabe, die nicht zu verachten ist und um die wir nicht umhinkommen. Und dann wollen wir ja noch Geld übrighaben, um zu unseren Ausflügen starten zu können.

Um die stetigen Kosten perspektivisch senken zu können, streben wir aktuell an, die Aquarien auf LED-Technik umzurüsten. Dafür müssen wir zwar jetzt erst einmal in die Tasche greifen, aber langfristig erhoffen wir uns davon einen deutlichen Einspareffekt beim Strom.

Mit Jens Helemann

sprach Sylvia Kunze

Zum Thema:
Kennen auch Sie Persönlichkeiten, die etwas zu sagen haben? Dann schlagen Sie uns Gesprächspartner vor: Lausitzer Rundschau, Straße der Jugend 54, 03050 Cottbus oder per E-Mail an die Adresse: redaktion@lr-online.de

Zum Thema:
Veranstaltungsort:Falkenberg im Haus des Gastes Geöffnet:22. Oktober: 13 bis 18 Uhr23. Oktober: 10 bis 17 Uhr Eintritt:Tagesticket 4 Euro, Wochenendticket 6 Euro,Kinder ermäßigt Vorträge:22. Oktober, 14 Uhr: "Südindien - spektakuläre Wasserpflanzen in beeindruckenden Biotopen" von Christel Kasselmann22.Oktober, 16 Uhr: "Zwergbuntbarsche Boliviens" von Robert Guggenbühl23. Oktober, 11 Uhr: "Wabi Kusa - Zimmerpflanze 2.0" von Frederic Fuss 23. Oktober, 14 Uhr: "Makropoden - Arten, Zucht und Haltung auch im Gartenteich" von Wolfgang Heller Hingucker:22. Oktober, 14 Uhr: Workshop "Aquascaping" mit Dominik Lenk und Frederic Fuss (die dabei entstehenden Komplettaquarien werden Samstag- und Sonntagabend versteigert)23. Oktober, 13 Uhr: Workshop "Die alte Schule der Aquariengestaltung" mit Chris Helemann www.aquaristik-falkenberg-elster.de