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"Wir geben unser letztes Hemd”

Bei Alexander Fröschke sind die meisten Pakete gesammelt und an den Ministerpräsidenten verschickt worden.
Bei Alexander Fröschke sind die meisten Pakete gesammelt und an den Ministerpräsidenten verschickt worden. FOTO: Dieter Babbe
Münchhausen. Gegen Quittung sind am Dienstagvormittag 230 Pakete aus Sonnewalder Ortsteilen im Potsdamer Landtag abgegeben worden. Der Inhalt: "Unsere letzten Hemden", wie Axel Eckert, Sprecher der Bürgerinitiative Abwasser Sonnewalde erklärt. Ein Protest gegen die hohen Abwasseranschlussbescheide. Dieter Babbe

"Wir geben unser letztes Hemd für den WAV”, sagt Alexander Fröschke aus Münchhausen. Er ist einer der Initiatoren einer Protestaktion, mit der Einwohner aus seinem Dorf und anderen Sonnewalder Ortsteilen auf die hohen Abwasseranschlussbescheide reagieren, die sie kürzlich vom Wasser- und Abwasserverband zugeschickt bekommen haben.

Etwa 230 Päckchen, gepackt mit persönlichen Kleidungsstücken, sind in dieser Woche an den Ministerpräsidenten verschickt worden. In den beigelegten persönlichen Anschreiben teilen viele mit, dass sie die hohen Anschlusskosten nicht aufbringen können und sich hoch verschulden müssten.

Familie Fröschke zum Beispiel soll fast 40 000 Euro bezahlen, weil sie eine entsprechend bebaubare Grundstücksfläche hat.

"Wenn unsere Landesregierung uns das letzte Hemd ausziehen will, soll sie es auch bekommen", heißt es verbittert in einer Stellungnahme der Bürgerinitiative an den Ministerpräsidenten.

Vor wenigen Tagen erst haben zahlreiche Breitenauer in einem symbolischen Flüchtlingstreck mit ihren Habseligkeiten, Koffern und Handwagen ihr Dorf verlassen. Das war ebenfalls ein stiller Protest gegen die hohen Abwasseranschlussbescheide. Max und Waltraud Wienigk hat es in Breitenau am härtesten getroffen: "Wir müssen 31 000 Euro für den Abwasseranschluss zahlen. Wir wissen nicht, wie es weitergehen soll.”

Die Übergabe der Päckchen in Potsdam hat Axel Eckert so kommentiert: "Liebe Landesregierung, das war erst der Anfang. Wir lassen erst locker, wenn Gerechtigkeit herrscht! Wir wünschen unserem Ministerpräsidenten viele neue Erkenntnisse, beim Lesen unserer beigelegten Briefe."