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"Wir alle sind Lutherland"

In der Sortieranlage von Zwickers, wo das Obst vor der Auslieferung begutachtet wird.
In der Sortieranlage von Zwickers, wo das Obst vor der Auslieferung begutachtet wird. FOTO: Gabi Zahn/gzn1
Jessen/Herzberg. Am 31. Oktober fällt in den evangelischen Kirchen Deutschlands der Startschuss zu "365 Tage Reformationsjubiläum". Das von Christen aus aller Welt mit Spannung erwartete Ereignis tangiert auch den Städtebund Elbe-Elster aue. Gabi Zahn / gzn1

Die Mitgliedsstädte Jüterbog, Jessen, Annaburg, Schönewalde, Schlieben, Herzberg und Torgau zählen mit zum angestammten "Lutherland". Auch hier wird es zahlreiche Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum geben. Deshalb hat sich der Vorstand vom Städtebund dieser Tage in der Lounge des Schweinitzer Obsthofes Zwicker erneut beraten.

500 Jahre nach dem historischen Thesenanschlag an das Tor der Schlosskirche zu Wittenberg werden Hunderttausende Menschen aus allen Erdteilen in die Lutherstadt und das Kernland der Reformation pilgern. Hauptsächlich vom 20. Mai bis 31. Oktober 2017, wie Wittenbergs Landrat Jürgen Dannenberg (Die Linke) aufzeigt. Er sitzt aus gutem Grund diesmal mit in der Runde, denn die überdurchschnittlich großen Besucherströme stellen die Infrastruktur der Region vor besondere Herausforderungen. Um diese bewältigen zu können, habe sich der Landkreis Wittenberg "Profis" an die Seite geholt, führt Dannenberg aus.

Weltausstellung und Liederfest

Am 20. Mai werden die Weltausstellung "Reformation - Tore der Freiheit" (bis 10. September) und das Liederfest "Luther singen" (bis 18. Juni) eröffnet. Vom 24. bis 28. Mai findet zudem der Deutsche Evangelische Kirchentag in Berlin und Wittenberg statt. Logistischer Schwerpunkt werde der Abschlussgottesdienst sein, stellt Dannenberg klar. Er findet am 28. Mai auf den Elbwiesen hinter dem Brückenkopf zwischen Seegrehna und Wittenberg statt - mit Blick auf die Kulisse der Lutherstadt. "An diesem Tag gibt es einen Engpass, denn das Areal befindet sich gegenüber der Stadt auf der anderen Elbseite", bekundet er.

Die Anwesenden - darunter mit Jens Beyer und Mario Czybik (beide Oberstleutnant) zwei Führungskräfte des Bundeswehrstandortes Holzdorf - können das Sicherheitskonzept anhand einer Powerpoint-Präsentation nachvollziehen: Am 28. Mai müssen in relativ kurzen Zeiträumen große Menschenströme an das gegenüberliegende Elbufer gelangen. Dannenberg: "Wir wollen deshalb versuchen, eine zweite Elbquerung in Form einer Behelfsbrücke zu schaffen - allerdings nur für diesen einen Tag." Allerdings, so der Landrat, müssten für diesen zeitweiligen Brückenschlag noch intensive Verhandlungen geführt werden. Die Idee wird vom Städtebund dennoch für gut befunden.

Andreas Polz, Amtsdirektor Schlieben, bekundet: "Wir sind diejenigen im Städtebund, die mit am weitesten entfernt sind vom großen Spektakel. Darüber bin ich ganz glücklich. Ich beneide die Kollegen in Wittenberg nicht um diese Mammutaufgabe und bin froh, dass wir direkt vom Wittenberger Landrat einen Überblick über das Sicherheitskonzept erhalten haben." Das bekräftigt auch Annaburgs Bürgermeister Klaus-Rüdiger Neubauer (parteilos): "Dannenberg hat den Städtebund bei einigen Aufgaben um Unterstützung gebeten. Die wird er bekommen. Wir sind ja alle irgendwie ,Lutherland‘. Ich habe großen Respekt davor, dass sich der Landkreis Wittenberg dieser Verantwortung stellt."

Obstbautradition

Der Vorstand des Städtebundes Elbe-Elsteraue hatte den Obsthof Zwicker auf den Schweinitzer Bergen zum Tagungsort gewählt. Ein Fleckchen Erde, das Luther einst von Wittenberg aus auf seinen Reisen nach Schweinitz, Schönewalde, Ahlsdorf, Herzberg und Schlieben kennengelernt hat. "Wenn ich wüsste, dass morgen der Jüngste Tag wäre, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen", soll Luther gesagt haben. Gut möglich, dass der Reformator dazu im Elbe-Elster-Land inspiriert wurde, denn die Obstbautradition in Schweinitz dauert schon Jahrhunderte an. Viele Hundert Apfel- und andere Obstbäume wurden in den letzten 25 Jahren durch Familie Zwicker gepflanzt. Wie die fruchtige Ernte verarbeitet oder in hochmodernen Kühlanlagen gelagert wird, davon waren die Städtebund-Vertreter sichtlich beeindruckt. Der bei Zwickers servierte Apfelkuchen dürfte das derzeit leckerste "Städtebund-Erzeugnis" ein.

Torgaus Oberbürgermeisterin war nicht nur vom Kuchen, sondern vom gesamten Anwesen so begeistert: "Ich werde Schweinitz als Ausflugstipp in meiner Stadt publizieren." Städtebund-Geschäftsführerin Gabi Lang kommentiert: "Wir nutzen die Vorstandssitzungen, weil wir solche ,geheimen Orte‘ erkunden und regionales Engagement noch bekannter machen wollen." Im Dezember trifft sich der Städtebund in Annaburg.