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Winterdienst: Machen es die Nachbarn besser?

Tief "Dieter" sorgt am Mittwoch auch in der Berliner Straße in Finsterwalde für schwierige Fahrbahnverhältnisse. Da hilft nur Schrittgeschwindigkeit.
Tief "Dieter" sorgt am Mittwoch auch in der Berliner Straße in Finsterwalde für schwierige Fahrbahnverhältnisse. Da hilft nur Schrittgeschwindigkeit. FOTO: Heike Lehmann
Elbe-Elster. In Sachsen ist alles besser. Und auch die Straßen in Richtung Jüterbog sind außerhalb des Landkreises Elbe-Elster schneller schneefrei als bei uns. Vor allem Kommunalstraßen sind oft kaum befahrbar. Den Verantwortlichen dort "gehört mal öffentlich der Kopf gewaschen". Diese und weitere Reaktionen haben die RUNDSCHAU-Redaktionen in den vergangenen Tagen mehrfach erreicht. Grund genug, den Winterdienst mal genauer zu betrachten. Frank Claus und Sylvia Kunze

Der Winterdienst in Elbe-Elster ist im Wesentlichen klar geregelt. Die Straßenmeistereien des Landesbetriebes Straßenwesen kümmern sich um Bundes- und Landesstraßen. Die Kreisstraßenmeistereien um die Kreisstraßen, die Kommunen um die Straßen und Gehwege innerhalb der Städte und Dörfer. Mitunter gibt es Überschneidungen - immer dann, wenn Verträge regeln, dass zum Beispiel der Landesbetrieb oder die Kreisstraßenmeisterei auch innerorts das Räumschild unten lassen. Und dennoch: Frank Neumann, seit 20 Jahren beruflich als Pendler zwischen Finsterwalde und Bad Liebenwerda unterwegs, hat in der ersten Januarwoche ein "absolutes Chaos" auf der Landesstraße zwischen Doberlug-Kirchhain und Schönborn und bei Domsdorf eine "spiegelglatte, festgefahrene Eispiste" festgestellt. Günter Berthold aus Brottewitz will wissen, dass bei den Sachsen immer alles schneller beräumt ist. Und würden hier Stammtischreden zitiert, könnte man diese Kette nahezu unendlich fortführen. Wie funktioniert er also, der Winterdienst?

Landesbetrieb Straßenwesen Herzberg: "Wir betreuen 270 Kilometer Bundes- und Landesstraßen ab früh 3 Uhr mit fünf Fahrzeugen nach folgender Technologie: Wir räumen und streuen zuerst eine Seite, danach die andere Fahrbahnhälfte auf der Rückfahrt und streuen bei extremer Wetterlage notfalls noch mal die gesamte Fahrbahn bei einer anschließenden dritten Fahrt", sagt Leiter Mario Sasse. Dabei sei immer zu beachten, dass die Straßenverhältnisse auf den 270 Kilometern meist höchst unterschiedlich seien. Es gelte das Prinzip: Viel befahrene Straßen werden zuerst beräumt.

Landesbetrieb Straßenwesen Luckenwalde: LR-Leser berichten, dass in Teltow-Fläming die Straßen, zum Beispiel in Richtung Jüterbog und Landeshauptstadt, schneller schneefrei seien. Wirklich? Straßenmeister Oliver Güthling erklärt: "Wir verfahren wirklich nach einer etwas anderen Technologie. Wir schicken zuerst ein Fahrzeug los, das den Schnee aus der Mitte beider Fahrbahnen räumt. Früh geht das am besten, wenn noch wenig Verkehr ist. Diesem Fahrzeug folgt versetzt sofort ein zweites, meist ist das einer unserer Vertragspartner, der denn den Schnee an den Fahrbahnrand räumt. Wir haben gute Erfahrungen damit, denn zuerst ist es wichtig, den Schnee aus der Mitte zu holen, dann können sich keine Eispanzer bilden, die bei Überholvorgängen gefährlich werden." Für 327 Kilometer Straßen stehen ihm zwei Lkw, zwei Unimog-Räumfahrzeuge und drei Vertragspartner mit Räumtechnik zur Verfügung.

Straßenmeisterei Großenhain: "In Sachsen ist alles besser? Das erzählen unsere Leute hier ganz anders und verweisen auf Brandenburg", sagt Wolfgang Keßler und kann über diese quälende Debatte nur noch sarkastisch lächeln. In seinem Bereich betreut er 380 Kilometer Bundes-, Staats- und Kreisstraßen mit vier eigenen Großfahrzeugen, einem Multicar und drei Großfahrzeugen von Vertragspartnern. "Von Vorteil ist für uns, dass wir in Riesa einen Stützpunkt mit drei Großfahrzeugen, einem Multicar und drei vertraglich gebundenen Fahrzeugen haben." Geräumt werde nach dem ähnlichen Prinzip wie in Brandenburg.

Landesbetrieb Straßenwesen Elsterwerda: Für 270 Kilometer stehen Straßenmeisterin Andrea Arndt fünf Fahrzeuge zur Verfügung. Sie wisse um die Kritik, die mitunter aus Mühlberg kommt. "Nach den Bundesstraßen versuchen wir schnell, die Straßen zwischen Bad Liebenwerda und Mühlberg und zwischen Fichtenberg über Koßdorf bis zur B 183 in den Griff zu bekommen. Richtung Torgau sieht es auf Sachsenseite dort so gut aus, weil ein Mitarbeiter das Fahrzeug mit nach Hause nimmt und fast von der Landesgrenze früh starten kann."

Kreisstraßenmeisterei Elsterwerda mit Außenstellen in Finsterwalde und Herzberg. Leiterin Annette Winter stehen für 235 Kilometer Kreisstraßen je zwei Großfahrzeuge an jedem Standort und ein Ersatz-Lkw zur Verfügung. "Unsere Leute machen einen Knochenjob. Sie sind doch die ersten, die auf ungeräumten Straßen zum Dienst fahren." Der Winterdienst habe die Pflicht zu räumen, nicht zu streuen. Im Winter hätte sich eben jeder Verkehrsteilnehmer den Fahrbahnverhältnissen anzupassen. Sie ärgere, wenn Räumfahrzeuge gerade durch sind und Anwohner den Schnee von Fußwegen wieder auf die Fahrbahn schippen. "Das ist gefährlich. Ein Streifen zum Gehen reicht doch, da muss nicht der gesamte Gehweg schwarz sein."

Kommunalstraßen: Bad Liebenwerda hatte Mühe, in diesem Jahr überhaupt Firmen für den Winterdienst zu finden. Auch im Bereich Schlieben sind erst in einem zweiten Anlauf im Vorjahr Firmen gefunden worden, die den Winterdienst übernehmen. "Der ist außerdem in allen Orten runtergeschraubt worden", berichtet Steffen Lehmann aus dem Ordnungsamt des Amtes Schlieben. Grund dafür sei die "Pflicht, die Winterdienstgebühren nun auf die Bürger umzulegen. Deshalb wird generell weniger gemacht als in den Vorjahren, um die Bürger nicht so sehr zu belasten", berichtet er. Was vor Ort in den Dörfern dennoch für Frust sorgen kann. So hat sich zum Beispiel Peter Radunz aus Polzen am Reportertelefon über eine ungeschobene, glatte Straße beschwert. "Geräumt wird jetzt erst aber Schneedecke von mindestens fünf Zentimetern, und gestreut nur dann und dort, wo es unbedingt nötig ist", erläutert Kremitzaue-Bürgermeister Reinhard Claus die neue Festlegung.