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| 12:37 Uhr

LR vor Ort
Willkommen in einem „gallischen Dorf“

Dorffest in Hohenbucko: Bei diesem Anlass bleibt keiner zu Hause. Im Festzelt geht es rund – und wieder machen alle irgendwie mit, ob aktiv beim Programm oder tatkräftig beim Klatschen.
Dorffest in Hohenbucko: Bei diesem Anlass bleibt keiner zu Hause. Im Festzelt geht es rund – und wieder machen alle irgendwie mit, ob aktiv beim Programm oder tatkräftig beim Klatschen. FOTO: Dieter Müller
Hohenbucko. Der Hohenbuckoer Bürgermeister über das Miteinander im Ort, über eine starke Schule und viele uneigennützige Initiativen. Von Sylvia Kunze

Vor dem Besuch im Dorf hat sich die Rundschau beim Bürgermeister schlau gemacht und ist mit ihm ins Gespräch gekommen:

Herr Lürding, Sie haben jüngst einmal Ihren Ort als kleines gallisches Dorf bezeichnet. Warum?

Lürding Die Geschichte um Asterix und Obelix und ihr gallisches Dorf, das gegen die Regentschaft Roms aufbegehrte, kennt doch wohl jeder. Bei uns geht es irgendwie auch um ein Aufbegehren: insbesondere gegen Aussagen, die davon sprechen, dass die Bevölkerung im ländlichen Raum abnimmt, dass im schlimmsten Fall Leben dort nicht mehr lebenswert erscheint. Also, soviel kann ich sagen: Auf Hohenbucko trifft das nicht zu!

Wie sieht’s stattdessen vor Ort aus?

Lürding Es gibt in Hohenbucko keine freien Häuser mehr. Wir haben schon Anfragen, ob wir nicht ein weiteres Wohngebiet ausweisen, damit neue Häuser gebaut werden könnten.

Was glauben Sie, was dafür spricht, in Hohenbucko zu wohnen?

Lürding Wir lassen uns nicht totsagen, sondern nehmen unser Leben und unsere Zukunft in die Hand. Und dabei machen ganz viele Einwohner mit. Jeder ist mit Herz und Seele dabei. Jeder will was fürs Dorf leisten. Gemeinsam mit unseren Gemeindearbeitern können wir schon einige Projekte umsetzen ... in der Bauernstube oder der Errichtung unserer Feuerwehr. Probleme gibt es dabei eigentlich immer nur mit dem Geld. Das ist knapp. Und deshalb heißt es schon wieder wie zu DDR-Zeiten: Kannst Du was? Hast Du was? Es ist ganz klar das uneigennützige Engagement vieler Leute, das für unser Dorf spricht und das Leben und Miteinander letztlich lebenswert macht.

Wer sind die treibenden Kräfte?

Lürding Ganz stark ist unsere Freiwillige Feuerwehr. Wir haben im Dorf auch nur diesen einen Verein. Die Kameraden sind bei allem dabei, was sich im Ort bewegt und machen großartige Nachwuchsarbeit. Die ist von Anfang bis Ende durchorganisiert und man kann vor dem Engagement der Leute nur den Hut ziehen. Es rundet unser Angebot in dem Komplex Schule, Hort, Kita, Jugendclub und Turnhalle ab. Gleich daneben noch der Feuerwehrplatz – das ist die perfekte Kombination. Noch zentraler geht es nicht.

Gerade an der Schule ist in den letzten Monaten einiges passiert.

Lürding Stimmt. Und darüber bin ich sehr froh. Die Sanierung der Fenster im Vorjahr hat uns richtig weitergebracht. Jetzt hoffen wir, bald Fördermittel für die geplante energetische Sanierung zu bekommen. Die ist dringend nötig, damit wir die  hohen Heizkosten endlich reduzieren können. Die würden sogar noch höher ausfallen, wenn unsere Gemeindearbeiter nicht ständig darauf achten würden, welcher Heizkörper wann ab- bzw. angestellt werden muss. Besonders in der Turnhalle ist es abhängig von der Belegung und immer wieder wichtig hinzuschauen. An dieser Stelle möchte ich ein herzliches Dankeschön an meine beiden Gemeindearbeiter aussprechen. Es ist gut, dass wir sie haben. Sie wissen, was zu machen ist. Ich kann mich stets auf sie verlassen.

Wie steht es überhaupt um die Schule?

Lürding Aus momentaner Sicht kann es besser kaum laufen. Wir haben ja nur eine sogenannte kleine Grundschule. Aber die ist aus meiner Sicht ganz groß, denn sie ist der Dreh- und Angelpunkt unseres dörflichen Lebens. Unser erklärtes Ziel ist es deshalb, die Schule auch perspektivisch definitiv nicht aufgeben zu wollen.

Soweit ich weiß, machen sich Unternehmer aus dem Ort und der Lions Club in besonderer Weise stark für die Schule.

Lürding Ja, die Gemeinde ist in Zusammenarbeit mit dem Lionsclub Bad Liebenwerda/Elsterwerda Pate für das Projekt „Klasse 2000“. Das Projekt zielt auf Gesundheitsförderung und Prävention in Grundschulen ab. Seit 2015 ist es Teil des Unterrichts an unserer Schule. Die Lehrer freuen sich über das zusätzliche Unterrichtsmaterial, das sie dabei zur Verfügung gestellt bekommen. Die Unterstützung betrifft die Klassen 1 bis 4. Wir haben jetzt übrigens auch eine Zertifizierung als Schule „Klasse 2000“ beantragt.

Welche Aufgaben stehen noch im Dorf an?

Lürding Da fällt mir sofort die Dachsanierung vom Saal ein. Außerdem wollen wir zum Saal hin Barrierefreiheit schaffen, denn dort treffen sich regelmäßig die Senioren des Dorfes. Er ist neben Schule und Feuerwehr der dritte zentrale Punkt im Ort. Aber wir kommen da nicht voran. Weil es am Geld hapert. Auf der einen Seite sagt uns die Kommunalaufsicht, dass das Vorhaben bei aktueller Finanzlage nicht genehmigungsfähig ist, weil wir uns damit im freiwilligen Aufgabenbereich bewegen. Andererseits ist der Finanzrahmen der Gemeinde Hohenbucko, zu der neben Hohenbucko ja auch Proßmarke gehört, so eng gesteckt, dass dafür auch kein Geld vorhanden ist. In diesem Jahr steht eine Investitionssumme von nur 15000 Euro zur Verfügung. Das sind die Eigenmittel für den Gehwegbau in Proßmarke. Fertig. Nix mehr mit Wunschliste. So schnell wie in diesem Jahr war eine Haushaltsdiskussion noch nie beendet. Leider.

Aber dennoch bewegt sich so viel im Dorf!?

Lürding Eben, um wieder zum Ausgang unseres Gesprächs zurückzukommen, weil so Viele uneigennützig etwas für das Leben und das Miteinander in unserem gallischen Dorf tun.

Dennis Lürding, Bürgermeister in Hohenbucko
Dennis Lürding, Bürgermeister in Hohenbucko FOTO: Agentur
LR vor Ort - Logo 4c
LR vor Ort - Logo 4c FOTO: LR