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| 23:41 Uhr

Nach jahrelangem Warten
Wieder kein Geld für die Kegelhalle

Ein Bild aus dem Jahr 2012. Schon damals machten sich die Herzberger Kegler Hoffnung auf eine Sanierung der maroden Kegelbahn. Bis heute liefen alle Finanzierungsversuche ins Leere.
Ein Bild aus dem Jahr 2012. Schon damals machten sich die Herzberger Kegler Hoffnung auf eine Sanierung der maroden Kegelbahn. Bis heute liefen alle Finanzierungsversuche ins Leere. FOTO: Dieter Müller
Herzberg. Herzberg kann 200 000 Euro Eigenmittel nicht aufbringen und wird Förderantrag wohl nicht stellen. Von Birgit Rudow

Das Kapitel Kegelbahn wird in Herzberg so langsam zum Albtraum. Wie es aussieht, wird die Stadt auch diesmal die Förderung für eine Sanierung nicht beantragen. Es fehlt einfach das Geld für die Eigenmittel.

Bis zum 30. November können Kommunen, Vereine und kleine Unternehmen Projektvorschläge für die 8. Auswahlrunde der Leader-Förderung beim Regionalmanagement der LAG Elbe-Elster einreichen. In der aktuellen Auswahlrunde stehen dafür 4 Millionen Euro im Landkreis zur Verfügung. Schon mehrmals hätte Herzberg Geld aus diesem Topf für die Sanierung der Kegelbahn erhalten können. Doch das Vorhaben ist bisher immer gescheitert.

Aufgeschlagen wurde das Kapitel Kegelbahn im Juli 2011 mit dem Beschluss eines Sportstättenkonzeptes für Herzberg durch die Stadtverordnetenversammlung. Es beinhaltet auch die Sanierung der 1958 gebauten Kegelhalle. Nach langer Diskussion hatte man sich konkret auf eine 400 000 Euro teure Variante geeinigt, für die Fördermittel gefunden werden mussten. Mitte 2015 hatten sich die Herzberger Kegelvereine Lok und Medizin sowie die Abteilung Kegeln des VfB Herzberg unter dem Dach des VfB zusammengetan, um ihre Kräfte zu bündeln – auch für den geplanten Umbau der Anlage.

Ende 2015 kündigte Herzbergs damaliger  Bürgermeister Michael Oecknigk an, noch im November einen Bauantrag stellen zu wollen. Im September 2016 hatte der VfB einen Antrag auf Förderung vorbereitet. Vom Bürgermeister hieß es damals, dass Haushaltsmittel (für den Eigenanteil) zur Verfügung stünden. Doch die Stadt hat den Fördermittelantrag zurückgestellt, weil nun doch keine Eigenmittel (in der Summe etwa 200 000 Euro) da waren. Der nächste Anlauf folgte 2017. Auch da hätte die Stadt Leader-Mittel beantragen können. Der Antrag ging aber gar nicht erst raus. Begründung: Der Haushalt war nicht genehmigt. Deshalb habe es die Kommunalaufsicht abgelehnt, den Investitionsumfang um die 200 000 Euro zu erweitern.

Nun steht wieder die Frage, ob die Stadt einen Antrag auf die Leader-Förderung stellen soll oder nicht. Der Hauptausschuss sollte sich dazu kürzlich positionieren. Die Ausgangslage ist die gleiche wie 2017. Im Haushalt sind keine Mittel für die Kegelhalle drin. Stadtkämmerer Mathias Krüger erklärte, dass die Kommunalaufsicht auch diesmal mit den zusätzlichen 200 000 Euro für eine freiwillige Aufgabe nicht mitgehen würde. Anett Heppner von der Kommunalaufsicht antwortete auf eine entsprechende RUNDSCHAU-Anfrage, dass es zur Thematik Kegelhalle keine aktuelle Positionierung der Kommunalaufsichtsbehörde gab und gebe. Nach ihrer Kenntnis stelle sich die Frage nach einer Berücksichtigung derartiger Projekte in der Investitionsplanung der Stadt zur Zeit nicht. Sie wisse aus Vorgesprächen, dass die Finanzierung des Grundschulanbaus (voraussichtliche Kosten etwa 5 Mio. Euro) derzeit noch nicht gesichert ist. Darüber hinaus gebe es Investitionsbedarf für Straßenbaumaßnahmen, seien Eigenmittel für die Städtebauförderung aufzubringen und der neue Busbahnhof abzusichern. Dazu hätte sich die SVV im Rahmen der mittelfristigen Investitionsplanung bereits mit dem Haushalt 2018 bekannt. Zudem gebe es erheblichen Sanierungsbedarf im Bereich der kommunalen Kindertagesstätten.

Vor diesem Hintergrund sei eine Sanierung der Kegelhalle jetzt unrealistisch, so Mathias Krüger im Hauptausschuss. Die Abgeordneten wollten dennoch weder ja noch nein zu der Fördermittelantragstellung sagen. Sie nahmen die Ansicht der Verwaltung lediglich zur Kenntnis. Sandra Nauck (SPD) brachte es auf den Punkt: „Warum sollen wir der Buh-Mann sein?“, fragte sie.

Den Stadtverordneten ist es augenscheinlich mittlerweile peinlich, die Kegler nun schon seit Jahren vertrösten zu müssen. Doch deshalb dem Kreis den schwarzen Peter zuschieben? Nein, so Bürgermeister Karsten Eule-Prütz. Erst mal müsse die Stadt ihre Hausaufgaben machen, sagt er und meint damit vor allem die ausstehenden Jahresabschlüsse. Derzeit würde ein Förderantrag wieder ins Leere laufen. „Das hat aber überhaupt nichts mit dem Schwimmbad zu tun und geht schon gar nicht gegen die Kegler“, sagt er.

Die allerdings seien so langsam der Meinung, dass man in der Stadt gar keine sanierte Kegelhalle wolle. Sie seien sehr enttäuscht, zumal es wohl jetzt die vorerst letzte Möglichkeit ist, an ausreichend Leader-Mittel für die Sanierung zu gelangen, so der Chef der Kegel-Sparte des VfB Kersten Franke. Auch VfB-Präsident Frank Hamann macht sich keine Illusionen. Man müsse nach anderen Möglichkeiten suchen, die Sanierung zu finanzieren, sagt er.