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| 16:41 Uhr

Herzberg
Wie weiter in Herzbergs Kita-Landschaft?

Bauamtsleiter Rüdiger Bader (r.) gibt Hinweise zum Haus II des ehemaligen Gymnasiums. Es zur Kita umzubauen wird aber eher nicht infrage kommen.
Bauamtsleiter Rüdiger Bader (r.) gibt Hinweise zum Haus II des ehemaligen Gymnasiums. Es zur Kita umzubauen wird aber eher nicht infrage kommen. FOTO: Rudow / LR
Herzberg. Die Stadtverordneten haben sich Einrichtungen angesehen. Überall besteht Investitionsbedarf. Die Verwaltung macht kühne Vorschläge. Von Birgit Rudow

Gut dreieinhalb Stunden haben sich die Abgeordneten des Bauausschusses und des Bildungsausschusses in Herzberg am Dienstag Zeit genommen, und drei Kindereinrichtungen in der Stadt sowie das Haus II des ehemaligen Gymnasiums besichtigt. Die Stadt muss endlich eine Grundsatzentscheidung treffen, wie die Kita-Landschaft künftig aussehen soll. Die „Rundreise“ sollte den Abgeordneten einen Überblick vor allem über die bauliche Situation in den Kindertagesstätten verschaffen.

Die Ausgangslage: Der Bedarf an Kita-Plätzen steigt. Einige Einrichtungen wie das  „Spatzennest“ haben Wartelisten. Hinzu kommt ein immenser Platzbedarf für den Hort in der Elsterlandgrundschule. Hier soll ein Anbau erfolgen. Seit etwa drei Jahren arbeitet die Stadt an einem Kita-Konzept. Die bauliche Situation ist aufgelistet, der Investitionsbedarf umrissen. Was noch fehlt, ist die konkrete Ermittlung des Finanzbedarfs und die Abschätzung, ob eine Sanierung oder eher ein Neubau erfolgen soll. Geplant war auch, eventuell das Haus II vom Kreis zu erwerben und in die Kita-Landschaft mit einzubeziehen.

Der Rundgang: Das Haus II ist ein Schulgebäude. Es hat zwar viele Räume, ist für eine Kita nach Ansicht der Stadt aber nicht geeignet. Ein entsprechender Umbau würde die einmal veranschlagten 800 000 Euro weit überschreiten. Die Kita „Märchenland“ (Träger ist die Intawo) in der Ludwig-Jahn-Straße besuchen derzeit 100 Kinder. Sie ist 1988 gebaut worden. Ausgelegt ist sie für 160 Kinder. Da die Kita aber eine Integrationskita ist, benötigt sie viel Platz für Therapeuten und Förderpädagogen. Baulich ist sie in einem sehr schlechten Zustand. Wirklich behindertengerecht ist hier kaum etwas. Große Probleme bereitet die Innenentwässerung. Eine Sanierung wäre äußerst aufwendig und kostspielig.

In die „Kita Flax und Krümel“ (Träger Volkssolidarität, Baujahr 1982) in der Karl-Liebknecht-Straße hat die Stadt erst kürzlich einiges investiert. Völlig marode Leitungssysteme wurden ausgetauscht, Sanitäranlagen und Fußböden erneuert. Um die Kita flott zu machen, war das aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Auch hier besteht weiterhin hoher Sanierungsbedarf. Die Kita bietet keine Hortbetreuung mehr an, ist mit fast 100 Kindern aber auch ausgelastet. Mit 51 Krippen- und 70 Kita-Kindern ist die Kita „Spatzennest“ an der Grundschule (Baujahr 1978, Träger ist die Stadt) am Limit. Für ihr neues Konzept der teiloffenen Arbeit ist eine offenere Raumanordnung notwendig. Das gesamte Grundleitungssystem ist marode, die Innenentwässerung ein ständiges Problem.

Fazit: Alle drei Kitas und das Haus II sind sanierungsbedürftig. Steht die Frage, ob Neubauten nicht die bessere Lösung wären. Zu beachten ist auch, dass während der Arbeiten für den Anbau an der Elsterlandgrundschule, die etwa zwei Jahre dauern könnten, eine Ausweichmöglichkeit für die Unterbringung des Hortes benötigt wird.

Wie weiter? Abgeordnete und Stadtverwaltung haben sich Dienstag nach dem Rundgang im Bürgerzentrum zusammengesetzt. Bürgermeister Karsten Eule-Prütz (parteilos) hat Ergebnisse einer intensiven Diskussion in der Verwaltung dargelegt. Er betonte aber ausdrücklich, dass es sich dabei lediglich um erste Überlegungen handelt, die noch lange nicht ausdiskutiert sind.

Grundsätzlich sollen alle drei Kitas erhalten bleiben. Die Stadt könnte sich vorstellen, dass die Wohnungsbaugesellschaft in Herzberg eine komplett neue Kita baut. Auf dem Gelände der Kita „Spatzennest“ wäre platzmäßig ein Neubau durch die Stadt möglich. Die Kita „Märchenland“ könnte vorerst in die neue WBG-Kita ziehen, bis ein Neubau oder eine Sanierung an ihrem jetzigen Standort fertig wäre. Dann könnte „Flax und Krümel“ in die WBG-Kita und der komplizierte Standort in der Liebknecht-Straße würde ganz aufgegeben.

Das alles geht nicht von heute auf morgen. Zumal auch die finanzielle Situation der Stadt derzeit völlig unklar ist. Einen Überblick darüber wird es erst geben, wenn bis Jahresende die Haushalte bis 2013 geprüft sind. Auch ist noch keine konkrete Übergangslösung für den Hort im Gespräch. Schul- und Hortleitung sind von einen zeitweisen Umzug  in das Haus II nicht begeistert. Die Stadt will für die kurze Zeit kein Geld in einen Umbau stecken. Und was soll sie danach mit dem Haus anfangen?  Die Abgeordneten begrüßten die ergebnisoffene Diskussion mit der Stadt. „Welchen Weg wir auch einschlagen, wir müssen Schritt für Schritt Lösungen hinbekommen“, so Gerd Rothaug (CDU).

Die Kita „Märchenland“ ist eine Integrations-Kita. Bei den baulichen Voraussetzungen ist davon nicht viel zu spüren.
Die Kita „Märchenland“ ist eine Integrations-Kita. Bei den baulichen Voraussetzungen ist davon nicht viel zu spüren. FOTO: Rudow / LR