Uve Gliemann, auch Chef der Agrargenossenschaft Mühlberg, bescheinigt dem Gutachten eine gute Herangehensweise und gute fachliche Untersetzung. Das Konfliktpotenzial wurde herausgearbeitet, sagt er. Die Studie sei aber zu keinem Ergebnis gekommen, sie sei ein Hilfsmaterial für die vom Kiesabbau Betroffenen. Betrachtet wurde nur der Brandenburger Bereich von der Grenze nach Sachsen bis Lönnewitz, nicht der sächsische Teil.

In der Region Mühlberg wird seit 1967 Kies abgebaut. 530 Hektar landwirtschaftliche Fläche sind schon abgetragen. Sie wurden der Landwirtschaft weder zurückgegeben noch rekultiviert, so Gliemann. Zum Teil sind sie Wasserfläche. Zwei Kieswerke arbeiten in der Region. Das Werk in Altenau baut auf 112 Hektar Kies ab, eine Erweiterung auf 220 Hektar (mit Gleisanschluss) ist vorgesehen. Elbekies Mühlberg baut auf 480 Hektar ab. 30 weitere Hektar sind genehmigt. Das Genehmigungsverfahren für weitere 45 Hektar läuft. Ein weiterer Neuantrag für 360 Hektar, der noch um 300 Hektar erweitert werden kann, wird angestrebt. "Wir reden hier über weitere 600 Hektar Abbaufläche in naher Zukunft", sagt Uve Gliemann.

Vonseiten des Bergbaus wird eingeschätzt, dass im Raum Mühlberg sechs Milliarden Tonnen Kies und Kiessande lagern. In dem betrachteten Gebiet befinden sich acht Abbaufelder als Vorbehalts- und Vorrangflächen. Viele Flächenbereiche seien konfliktreich. Ein Abbau dürfte dort eigentlich gar nicht genehmigt werden, so Gliemann.

Schutzgut Boden: 50 Prozent der Fläche sind Auenböden, 50 Prozent Sandböden. 60 Prozent der Fläche werden intensiv genutzt. Bei der Ausdehnung des Abbaus würde die Landwirtschaft ihre Produktionsgrundlage und Arbeitsplätze verlieren. Klimaresistente Böden würden vernichtet.

Schutzgut Natur: In dem Gebiet gibt es drei FFH-Gebiete (Flora-Fauna-Habitat), ein Naturschutzgebiet und ein Landschaftsschutzgebiet, in dem sich ein Vogelrastplatz mit internationaler Bedeutung befindet. Durch den Kiesabbau würden 20 Hektar FFH-Gebiet, ein LSG und ein Biotop wegfallen.

Schutzgut Wasser: Flächen, die für den Kiesabbau infrage kommen, sind hochwassergefährdet. Außerdem bestehen Auswirkungen auf das Grundwasser und das Trinkwasser.

Schutzgut Erholung: Flächenmäßige Schwerpunkte im Tourismus und Radwege wären vom Kiesabbau betroffen.

Grundsätzlich sind die Menschen in der Kiesabbauregion von Lärm, Staub und Verkehr betroffen. Durch den Abbau würden Ortslagen zu Inseln. "Wenn alle acht in der Zulassung befindlichen Gebiete abgebaut werden, sind 2800 Hektar Wasserflächen", sagt Uve Gliemann.

Die Bürgerinitiative "Für eine Heimat mit Zukunft" und die Agrargenossenschaft Mühlberg halten die Studie für noch ausbaufähig, auch auf den sächsischen Raum, der sich mit den gleichen Problemen herumschlägt. Eine Betroffenheitsanalyse für die Landwirtschaft ist bereits in Auftrag gegeben. Bürgerinitiative und die Landwirte fordern räumliche Grundwasseruntersuchungen, Festlegungen zur Rekultivierung und Rückgabe von Flächen an die Landewirtschaft. Ebenso wollen sie Aussagen zum zeitlichen Zusammenhang von Abbau und Rekultivierung sowie Ausgleichsmaßnahmen innerhalb schon bestehender Abbaufelder.

Der Landkreis Elbe-Elster soll eine Stellungnahme zu den Kiesabbauplänen im Raum Mühlberg erstellen. Vertreter der vom Kiesabbau betroffenen Kommunen und der Bürgerinitiative baten den Kreis in der Sitzung des Kreisentwicklungsausschusses um Unterstützung. Dezernent Dirk Gebhardt bezeichnete die Möglichkeiten der Kreisverwaltung in dieser Hinsicht als begrenzt, weil die Überwachung beim Landesamt liege, das die örtlichen Behörden nur hinzuziehe. Man werde dem Ausschuss die Stellungnahme aber vorlegen, so Gebhardt. Der Druck müsse von der politischen Ebene ausgehen, sagte er.