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Stadtentwicklung
Wie geht es weiter in Herzberg,Herr Bürgermeister?

Seit 100 Tagen ist Herzbergs neuer Bürgermeister Karsten Eule-Prütz im Amt.
Seit 100 Tagen ist Herzbergs neuer Bürgermeister Karsten Eule-Prütz im Amt. FOTO: privat
Herzberg. Die 100-Tage-Schonzeit für Karsten Eule-Prütz ist vorbei. Er ist offen für ein Gespräch. Von Birgit Rudow

Wenn es am Donnerstag, dem 19. April, ab 18.30 Uhr im Herzberger Bürgerzentrum heißt „LR vor Ort“ , dann ist der neue Bürgermeister der Stadt Karsten Eule-Prütz genau 102 Tage im Amt. Die obligatorischen 100 Tage Einarbeitung, volkstümlich auch Schonzeit genannt, sind vorbei. Und die Lausitzer Rundschau möchte den Herzbergern die Möglichkeit geben, dem Bürgermeister zu allem zu befragen, was sie in Sachen Stadtentwicklung auf dem Herzen haben. Karsten Eule Prütz zur Seite stehen Amtsleiter aus der Verwaltung, wie der Chef des Bauamtes Rüdiger Bader oder Kulturamtsleiterin Karin Jage.

Die RUNDSCHAU hat Karsten Eule-Prütz in der vergangenen Woche besucht und ist auf einen (nach dem Osterurlaub) ruhigen und aufgeräumten aber auch nachdenklichen Bürgermeister getroffen.

Ist der Neustart nach dem Job in der Verwaltung bei der Polizeidirektion Süd in Cottbus gelungen? Doch, meint er, das meiste sei so verlaufen, wie er es erwartet und erhofft hatte. „Es macht Spaß, so viele interessante Themenfelder zu beackern. Ich habe allerdings nicht damit gerechnet, dass man dabei so viel reden muss. Das kann auch sehr anstrengend sein“, sagt er.

In den ersten Wochen seiner Amtszeit war Karsten Eule Prütz viel unterwegs. Er hat Unternehmen und Vereine besucht, Veranstaltungen des Landkreises, des Städte- und Gemeindebundes oder des Städtebundes Elbe-Elsteraue wahr genommen und hat sich mit Amtskollegen getroffen.

Der neue Chef hat auch seine Verwaltungsmitarbeiter kennengelernt. „Wir passen uns gerade aneinander an. Auch ich muss das tun, vor allem, wenn ich mal wieder gleich zu viel will“, so Eule-Prütz. Einige Veränderungen wird er nach seinen Vorstellungen noch vornehmen. So will die Stadt eine Stelle für Stadtmarketing/Tourismus und Öffentlichkeitsarbeit besetzen. „Die Stelle ist eigentlich vorhanden, aber momentan macht es keiner. Dabei ist es dringend nötig, unsere Stadt besser darzustellen und zu vermarkten. Im Landkreis macht man dazu eine gute Arbeit, aber wir als Kreisstadt hängen uns da nicht ran, weil sich niemand intensiv damit beschäftigt“, so Eule-Prütz.

Was dem Bürgermeister noch unter den Nägeln brennt, ist die Kinder- und Jugendarbeit. „Die liegt praktisch völlig brach. Da müssen wir unbedingt etwas machen“, sagt er. Junge Leute, die nach Herzberg ziehen möchten, würden zuerst nach Kita-Plätzen, Schulen und Bauland fragen.

Wichtig sei auch herauszufinden, was Kinder und Jugendliche eigentlich möchten. „Ein Jugendclub allein macht es nicht“, so Eule-Prütz. Die Stadt brauche junge Leute mit neuem Schwung und Ideen. Kitas, Grundschule und Freizeitmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche stehen bei ihm deshalb ganz oben auf der Liste.

Der nächste große Berg, der vor der Stadtverwaltung steht, sind die Baumaßnahmen, die in diesem Jahr anstehen oder zumindest begonnen werden sollen. Dazu zählen der Anbau an die Grundschule, der Neumarkt, der neue Busbahnhof, der Abbruch des alten Busbahnhofes, oder die Vorplanungen für die Karl-Liebknecht-Straße.

Für die BMX-Strecke am Sportkomplex ist der Fördermittelantrag gestellt. Auch mit dem Botanischen Garten will sich der Bürgermeister beschäftigen. Ebenso mit dem Energiemanagement für die Stadt und mit der weiteren Digitalisierung. „Da haben wir noch großen Nachholbedarf. Wir könnten uns an Projekten und Wettbewerben beteiligen. Nicht, um sie zu gewinnen, sondern um einen Fuß in die Tür zu bekommen“, sagt er.

Doch alle diese Vorhaben kosten auch Geld. Herzberg hat noch keinen Haushalt für 2018. Auch fehlen noch die geprüften Jahresabschlüsse für alle Haushalte ab 2010. „Wir haben uns die Eröffnungsbilanz noch einmal angesehen und haben für 2010 einen groben internen Überblick“, so der Bürgermeister.

Er räumt aber auch ein, dass es trotz der Zusammenarbeit mit dem Rechnungsprüfungsamt des Kreises nicht zu schaffen sein wird, die Abschlüsse bis 2012 bis zum Juni prüfen zu lassen. Ziel bleibe es aber, bis Jahresende einen geprüften Jahresabschluss für 2013 vorzulegen. „Damit wir endlich wissen, was mit der HWAZ-Umlage ist“, so der Bürgermeister. Parallel muss aber auch der 2018er Haushalt aufgestellt und ab Herbst möglichst schon am Haushalt 2019 gearbeitet werden. Dass der 2018er Haushalt genehmigungsfähig ausfallen wird, bezweifelt Karsten Eule-Prütz. „Wir müssen uns aber so schnell wie möglich aus der Abhängigkeit des Landkreises befreien“, sagt er.

Das alles klingt nach sehr, sehr viel Arbeit. Was ihm Mut mache, seien  die Begegnungen mit den Herzbergern. Er habe noch keine schlechten Erfahrungen gemacht. „Man kann mit allen reden und sich vernünftig austauschen“, sagt er. Und genau das möchte die RUNDSCHAU auch bei ihrem LR vor Ort-Termin. Die Herzberger sind herzlich eingeladen.

LR vor Ort 4c
LR vor Ort 4c FOTO: LR