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| 02:40 Uhr

"Wichtig wird die Steigerung des Wir-Gefühls"

Seit einem Jahr ist Andreas Polz Amtsdirektor im Amt Schlieben. Es ist an der Zeit, ihn um ein erstes Resümee zu bitten. Die vielen ehrenamtlichen Helfer haben ihn jedenfalls positiv überrascht.

Erst Amtsausschussvorsitzender, dann Amtsdirektor — war es wirklich nur ein Seitenwechseln? Welche neuen Erfahrungen haben Sie im ersten Jahr "auf der anderen Seite" gesammelt?
Es war eher eine Fortsetzung der als Amtsausschussvorsitzender mitbegonnenen Arbeiten, denn Amtsausschuss und Amtsverwaltung gehen einen gemeinsamen Weg. Neue Erfahrungen habe ich weniger gesammelt, es haben sich eher die bereits gewonnenen Erfahrungen bestätigt. Die Finanzausstattung der Kommunen verschlechtert sich im Vergleich zu den übertragenen Aufgaben ständig. Die Vergabe von Förderungen wird komplizierter und ist für kleine Kommunen mit hohen Risiken verbunden.

Was hat Sie positiv überrascht?
Positiv überrascht hat mich, dass es so viele ehrenamtliche Helfer gibt, die sich um das Gemeinwohl sorgen und sich immer wieder aktiv bemühen und einbringen.

Welche unerfreulicheren Herausforderungen waren zu meistern?
Weniger erfreulich ist es Forderungen umzusetzen, die den Bürger zusätzlich belasten und dazu noch den Verwaltungsaufwand erhöhen, wodurch für den Bürger eine Doppelbelastung entsteht (z.B. Winterdienst-, Straßenreinigungsgebührensatzung).

Über welches realisierte Projekt/Vorhaben freuen Sie sich am meisten?
Da gibt es mehrere Projekte. Einige befinden sich noch in der Umsetzung und werden erst in Zukunft positive Auswirkungen zeigen (die Übertragung der Kitas auf das Amt, die Neuregelung des innerstädtischen Straßenverkehrs in Schlieben usw.).

Bei abgeschlossenen Sachen sind es eher unspektakuläre Maßnahmen, weil der Bürger davon nichts oder nur wenig bemerkt, beispielsweise die öffentlich-rechtliche Vereinbarung zu den Standesämtern, die Erweiterung des Rechnungsprüfungsamtes sowie des Aufgabenfeldes des Bürgerbüros um zusätzliche Aufgaben der Zulassungsstelle.

Sie waren und sind sicher noch immer Stolz auf die Zusammenarbeit im Schliebener Land? Ist es gelungen, diese weiter voranzutreiben?
Die Zusammenarbeit im Schliebener Land ist eines der Hauptfelder meiner Arbeit. Es ist wichtig, alle Akteure miteinander zu vernetzen und Unterstützung zu fördern. Ziel ist es, dass wie in einer großen Familie gedacht und gehandelt wird. Die politischen Grenzen des Amtes sollten dabei keine Rolle spielen. Viele gute Beispiele sind auch in der überregionalen Tätigkeit und der Teilhabe an Projekten auf Kreisebene zu nennen. Ich halte dies auch für den besten Weg, den negativen Entwicklungen des demografischen Wandels entgegenzuwirken.

Für Sie stand aber auch Zusammenarbeit über Amtsgrenzen hinweg gleich von Anfang an als ein Schwerpunkt Ihrer Arbeit? Welche Schritte wurden da schon gegangen? Welche stehen darüber hinaus noch an?
Wichtigster Schritt ist die Zusammenarbeit mit der Stadt Schönewalde. Hier sind Michael Stawski und ich in ständigem Kontakt, was machbar und was in bestimmten Zeitschienen realistisch und sinnvoll ist. Ab 01.01.2016 beginnt die Prüftätigkeit des Rechnungsprüfungsamtes (RPA) Schlieben für die Stadt Schönewalde und dies wird mit Sicherheit nicht das letzte gemeinsame Projekt gewesen sein. Vielleicht wird auch Schönewalde nicht der letzte neue Partner aus dem Landkreis in unserem RPA-Verbund sein.

Sie haben sich bei Dienstantritt noch mit einer großen Aufgabenliste zurückgehalten, wollten erst einmal überall Fuß fassen. Inzwischen dürfte sich die Liste gefüllt haben? Was steht aktuell drauf?
Aktuell steht auch für Schlieben die Flüchtlingsproblematik mit ganz oben auf der Liste. Hier geht es aber genauso um die Ängste der Bürger und die innere Sicherheit, denn diese Punkte sind für eine Lösung der Flüchtlingsproblematik ebenso wichtig wie die Unterbringung.

Aber es steht natürlich auch die weitere Konsolidierung der kommunalen Haushalte auf der Agenda ganz oben. Hier ist die Stabilisierung der Haushalte auf lange Sicht ein wichtiges Thema. Es geht nicht darum, Leistungen für den Bürger einzusparen, sondern solidarische Einspareffekte zu schaffen.

Was wird 2016 aus Ihrer Sicht auf Amts- und Kreisebene wichtig?
Wichtig wird 2016, sowohl auf Amts- als auch auf Kreisebene, die Steigerung des Wir-Gefühls sein, denn dies beinhaltet auch, für die bestehenden Verwaltungsstrukturen zu kämpfen. Es hat 20 Jahre gedauert, dass wir uns alle als Elbe-Elster gefühlt, agiert und engagiert haben und dies auch noch sehr erfolgreich. Da gilt es weiterzumachen und nicht wieder neue Verwaltungskonstellationen zu schaffen, die kein Bürger mehr versteht.

Mit Andreas Polz sprach

Sylvia Kunze

Heute, Dienstag, ab 18 Uhr Neujahrsempfang in Schlieben