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| 02:37 Uhr

Wetterrückblick: 2015 war warm und ausreichend nass

Herzberg. Wie bereits in den zurückliegenden Jahren war auch 2015 ein gewisser Wandel im Ablauf der Jahreszeiten erkennbar. Wir erlebten in einigen Monaten Wetterabläufe, wie sie uns bisher nicht begegnet waren. ksi9

Recht deutlich lässt sich das an der Temperaturkurve des Winters erkennen. Alle drei Monate (Dezember 2014 bis Februar 2015) waren durchschnittlich um 1,6°C zu mild. Auffallend viele atlantische Tiefdruck-Gebiete waren Wetter beherrschend. Durch starke Bewölkung gab es lediglich 259 Sonnenstunden (32 Prozent des Möglichen). Nur im Februar waren es 47 Prozent. Die Niederschlagsbilanz entsprach mit 130 l/qm zwar dem Langzeitmittel, die Verteilung war aber ungleichmäßig. So war der Februar mit nur 11 l/qm extrem trocken. Aufgrund der hohen Temperaturen fiel kaum Schnee, der dann als Wasserreservoir für die Vegetationsperiode fehlte.

Rückblickend ist auffällig, dass seit 2000 die Temperaturmittel der Monate Dezember und Januar elfmal über ihren Langzeitmitteln lagen, für Februar war das siebenmal der Fall. Dadurch ist auch die Schneefallhäufigkeit rückläufig; dagegen stieg die Zahl der Winterstürme auf 24 in dieser Periode (ab Stärke 6).

Der meteorologische Frühling begann ebenfalls stürmisch; erinnert sei an "Mike" und "Niclas" mit 105 km/h. Im März verursachten wechselhafte Bewölkung und Kaltluftzufuhr große Temperaturschwankungen mit nur 142 Sonnenstunden und häufigen Nachtfrösten. Im April herrschte dagegen überwiegend sonniges Wetter mit nur geringen Niederschlägen. Durch die in diesem Monat häufige Zufuhr trockener Kaltluft blieb auch er zu kühl. Das Maiwetter erschien statt "wonnig" nur mäßig warm trotz 251 Sonnenstunden. Die während der "Eisheiligen" anhaltende Kaltluftzufuhr (um 0°C) trug dazu bei. Der Mai als letzter Frühlingsmonat blieb zu trocken.

Insgesamt waren die drei Frühlingsmonate zwar mit 651 Sonnenstunden recht freundlich, aber wegen häufiger Kaltlufteinbrüche und Stürme (16 mal) nur durchschnittlich warm (0,4°C über dem Langzeitmittel) und sie blieben um 34 l/qm zu trocken.

Der meteorologische Sommer startete gleich mit einer Serie subtropischer Temperaturen (33,5°C) und Trockenheit. Die dann folgenden Niedrigwerte (bis 4,5°C) während der in diesem Jahr sehr langen "Schafskälte" mit Schauerwetter drückten jedoch das Monatsmittel auf nur 17,5°C und 203 Sonnenstunden. Es war erneut ein Niederschlagsdefizit von 18 l/qm entstanden. Der eigentlich als wechselhaft und eher kühl bekannte Juli begann mit einer langen Periode tropischer 30 bis 39°C, die erst durch stürmische Gewitter mit 105 km/h und Temperatursturz um 16°C kurzzeitig abriss. Die erwartete "Schafskälte" war ausgeblieben. Mitte Juli folgte eine zweite Hitzewelle mit Gewittern und Starkregen. Die heißen, trockenen Luftmassen und 265 Sonnenstunden bewirkten ein Julimittel von 1,4°C über normal. Den Höhepunkt dieses Sommers erlebten wir im August mit 18 Tropentagen bis 39,2°C sowie neun Sommertagen. Daraus ergab sich das bisher höchste Monatsmittel von 22,5°C für Herzberg. Nur acht Regentage, darunter der größte bisher hier gemessene Starkregen mit 52,7 l/qm ergaben zusammen mit den Regenmengen des Juni und Juli eine ausgeglichene Sommerbilanz von 204 l/qm. Mit insgesamt 749 Stunden war es ein recht freundlicher Sommer 2015, dessen Temperaturmittel den Durchschnittswert um 2,25°C übertraf.

Der Herbst begann Anfang September mit einem Temperatursturz um 20°C. Danach folgte ruhiges, wechselhaftes Wetter mit ausgedehnten Wolkenfeldern und häufigen, aber wenig ergiebigen Regenfällen (nur 33,8 l/qm). Dadurch war für die Sonne wenig Platz (nur 128 Stunden). So entsprachen die September-Temperaturen nur dem Langzeitmittel. Der "Goldene Oktober" enttäuschte, denn er war zu kühl, sonnenarm und zu nass. Sein Temperaturmittel war um 1,6°C zu gering und es gab nur 102 Sonnenstunden. 13 Niederschlagstage, darunter zwei Starkregen verringerten das Niederschlagsdefizit. Die erste große Überraschung im Herbst erlebten wir mit dem wärmsten November seit Aufzeichnungsbeginn. Durch anhaltende Warmluftzufuhr aus SW-SO stieg das Monatsmittel auf bisher einmalige 8,0°C. Die darin mitgeführte Luftfeuchte lieferte 64,9 l/qm Regen, fast 50 Prozent über dem Langzeitwert. So hatte die Sonne mit nur 90 Stunden wenig Chancen. Es war ein wechselhafter Herbst mit 320 Sonnenstunden.

Die zweite große Überraschung lieferte zum Jahresende der frühlingshafte Dezember mit 7,1°C als bisher höchsten Mittelwert des Monats und 134 Sonnenstunden.

Insgesamt haben wir also 2015 einige bisher nicht für möglich gehaltene Wetterabläufe erlebt. Das Jahr gehört mit 10,86°C als Mittelwert zu den vier wärmsten in Herzberg seit 2000. Es war mit 1979 Sonnenstunden recht freundlich. Die Jahresniederschlagssumme betrug 580,4 l/qm, womit 2015 statistisch zu den nassen Jahren zählt (Langzeitmittel: 570 l/qm). Die größer gewordene Anzahl von 49 Sturmtagen in 2015 zeigt den verstärkten Einfluss atlantischer Tiefs auf unser Wetter.