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Tausende Kilometer Abenteuer
Wenn das Rallyefieber wieder grassiert

Das ist das Team „Westafrikanische Pistenwiesel“: Gregor, Lukas, Richard (oben von links), Stephan und Martin (Mittel von links) sowie Katja und Leonard (unten von links). Gemeinsam wollen sie die 7000 Kilometer lange Strecke von Dresden bis nach Banjul (Hauptstadt von Gambia) zurücklegen.
Das ist das Team „Westafrikanische Pistenwiesel“: Gregor, Lukas, Richard (oben von links), Stephan und Martin (Mittel von links) sowie Katja und Leonard (unten von links). Gemeinsam wollen sie die 7000 Kilometer lange Strecke von Dresden bis nach Banjul (Hauptstadt von Gambia) zurücklegen. FOTO: privat
Region. Die „Pistenwiesel“ starten am Samstag in Dresden und wollen bis nach Afrika. Vor ihnen liegen tausende Kilometer Abenteuer. Sylvia Kunze

Martin Sicker  hat einschlägige Rallyerfahrungen. Bereits 2015 ist er von München nach Duschanbe in Tadschikistan 10 000 Kilometer für einen guten Zweck gefahren. Am Samstag geht es wieder los. Dann wird er gemeinsam mit sechs Freunden Richtung Gambia starten. Die Lausitzer Rundschau kam vorab mit ihm ins Gespräch:

Wer gehört diesmal zum Team?

Sicker  Zum Team gehören: Gregor Wendt, 30 Jahre, aus Elsterwerda (studierter Maschinenbauer und begnadeter Taktiker). Lukas Jörg, 31 Jahre, aus Meinerzhagen im Sauerland (erfahrener Fahrzeug­ingenieur und Floßbauer mit Erfahrungen in Sprachen und interkulturellem Fingerspitzengefühl). Richard Vetter, 30 Jahre, aus Elsterwerda (studierter Maschinenbauer mit Welt­erfahrung sowie begnadeter Koch und Kämpfer). Stephan Stange, 30 Jahre, aus Merzdorf (noch ein studierter Maschinenbauer, witzig und Ironman, der notfalls den Karren aus dem Dreck ziehen muss). Katja Hachenberg, 29 Jahre, aus Neustadt an der Weinstraße (diplomierte Mathematikerin mit einem Sinn für Zahlen und viel Abenteuerlust). Leonhard Rhode, 30 Jahre, aus Ruhland (noch ein studierter Maschinenbauer und ebenfalls ein Ironman mit Durchhaltevermögen unter widrigsten Bedingungen sowie begnadeter Grillmeister). Und Martin Sicker, also meine Person, 31 Jahre, aus Ruhland Ortsteil Arnsdorf (noch ein studierter Maschinenbauer mit Wüstenerfahrung, Allrounder und Survivor).

Wer hat welche Aufgabe?

Sicker Während der Vorbereitungen zur Rallye beteiligen sich alle gleichermaßen, die Fahrzeuge für die anspruchsvolle Strecke vorzubereiten und etwas aufzumotzen. Es müssen Dinge erledigt werden, wie beispielsweise der Aufbau belastbarer Dachgepäckträger und Wartungsreparaturen an allen Fahrzeugen (beim FIAT haben wir z.B. den Kühler erneuert). Schließlich müssen alle Fahrzeuge in einem technisch einwandfreien und verkehrssicheren Zustand sein. Damit sich der Autoinnenraum in der Wüste nicht zu sehr durch die Sonneneinstrahlung aufheizt, lackieren wir auch die Dächer weiß.

Bei der Fülle an Aufgaben für drei Fahrzeuge wäre eine einzelne Person damit einfach überlastet. Daher wirken alle gleichermaßen mit. Nach dem Start wird die Aufgabenverteilung dann ganz klar nach persönlichen Stärken ausgerichtet.

Wie kam es zur Idee, nun an dieser Rallye teilzunehmen?

Sicker Richard und ich sind ja sozusagen Wiederholungstäter. Die anderen fünf im Team sind neu und stehen erstmals vor so einer Tour. Gekommen ist es dazu, weil ich nach der Tadschikistan-Rallye einige Vorträge gehalten habe. Von den Berichten haben sich viele Freunde begeistern lassen. Als klar war, dass wir das nochmal machen, hat die anderen Fünf das Rallyefieber ebenfalls gepackt.

Wir hatten dann mehrere Routen zur Auswahl. Aber wir haben uns bewusst für die nach Gambia entschieden, weil uns die Idee, die hinter der Rallye steckt, am meisten gefallen hat. Der karitative Aspekt an dieser Aktion reizt uns alle. Solche Projekte helfen, Aufmerksamkeit auf Staaten wie Gambia zu lenken, das Bewusstsein dafür zu schaffen, warum Leute von dort flüchten und mitzuhelfen, dass Fluchtursachen aktiv bekämpft werden können. Außerdem kann die Aktion dazu beitragen, dass Dresden wieder in einem besseren Licht dasteht und als weltoffene Stadt wahrgenommen wird.

Und es ist doch auch schön, wenn so alte Autos, die bei uns keiner mehr haben will, die ja aber noch gut fahren, noch einmal ein neues Leben geschenkt bekommen.

Mit der größeren Gruppe, bei der ersten Rallye nach Duschanbe waren wir ja nur drei Personen, wird es sicher auf dem langen Weg Richtung Afrika lustiger und abwechslungsreicher, denn wir wollen unterwegs die Fahrerteams immer wieder wechseln. Womöglich wird es in bestimmten Situationen aber auch anstrengender. Aber darauf wollen wir uns alle einlassen.

Wie bereitet sich die Truppe vor? Was wird benötigt?

Sicker Unsere Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, und wir müssen noch Einiges besorgen. Beispielsweise müssen wir eine Grundausstattung der wichtigsten Werkzeuge zusammenstellen, um kleinere Schäden selbst beheben zu können. Da wir beim Rückflug auf Grund der Gepäckbestimmungen nur persönliche Dinge mit zurücknehmen, können wir nicht unbedingt alles neu kaufen.

Wer uns da unterstützen möchte, wird mit offenen Armen empfangen und kann uns gern über unsere Website oder per E-Mail kontaktieren. Für finanzielle Unterstützung haben wir auch ein Crowdfunding ins Leben gerufen. Mehr dazu finden Interessierte auf der Internetseite: www.visionbakery.com/Westafrikanische-Pistenwiesel.

Ansonsten sind die Vorbereitungen ähnlich wie schon bei der Tour nach Tadschikistan. Diesmal müssen wir uns allerdings nicht so sehr im Vorfeld um Visa kümmern. Die gibt es an den Grenzen. Aber es gilt, die Fahrzeuge rallyetechnisch fit zu machen. Das ist unterm Strich gesehen doch großer Aufwand.

Warum überhaupt diese Autos?

Sicker Zwei der Fahrzeuge (Opel und Fiat) sind aus Privatbesitz, und die Besitzer freuen sich, wenn die noch für einen guten Zweck eingesetzt werden. Das dritte Fahrzeug (den Golf) haben wir eigens für die Rallye erworben.

Was gehört denn zum „rallyetauglich“ dazu? Können Sie da bitte noch etwas zu sagen!

Sicker Grundlegend müssen die Fahrzeuge, auch wenn sie alt sind, den TÜV-Anforderungen entsprechen. Und wir müssen die Autos für die Wüste fit machen. Es ist zum Beispiel am Unterbodenschutz herumzubasteln, denn die Strecke wird unterwegs bestimmt abenteuerlich. Wir brauchen Ersatzkühler und einige Ersatzteile. Von den Dachgepäckträgern sprach ich ja bereits. Da kommen Hilfsgüter drauf, die wir auch noch mitnehmen wollen. Ein Fußballverein hat uns beispielsweise eine Kiste mit Trikots gesponsert. Ganz wichtig ist übrigens auch eine richtig tolle Hupe. Dann noch ein bunt beklebtes Auto - und ich sage Ihnen, da hat man unterwegs die volle Aufmerksamkeit. Bei allen Arbeiten an den Fahrzeugen erhalten wir tolle Unterstützung von einer Werkstatt aus Dresden, denn allein würden wir das in der knapp bemessenen Zeit nicht schaffen.

Im Team sind zwar viele Maschinenbauer. Aber was ist, wenn der Motor überhitzt und das Auto komplett liegenbleibt?

Sicker Ganz ehrlich? Davor habe ich wirklich echt Angst. Klar sind im Team Leute mit Autoschrauber-Erfahrung. Aber wenn gar nichts mehr geht ... Bestenfalls hilft uns wieder ein Eselgespann wie in Tadschikistan. Irgendeine Lösung wird sich schon finden — muss sich finden.

Wie finanziert sich das Vorhaben? Ist alles Geld schon beisammen?

Sicker Mal abgesehen davon, dass wir einen großen Anteil selbst tragen, angefangen bei einzelnen Ersatzteilen bis hin zur Ausstattung, die zum großen Teil in Gambia bleibt und nicht mit zurückgeht, wie ich bereits erwähnte, werden wir finanziell und materiell von Unternehmen unterstützt, auch aus dem Elbe-Elster-Kreis. Wir hoffen noch auf weitere Unterstützer. Davon kann man nie genug haben.

Was können Sie zur Tour selbst sagen?

Sicker Den genauen Weg finden wir während der Fahrt über etwa 7000 Kilometer. Dabei durchqueren wir folgende Länder: Deutschland, Frankreich, Spanien, Marokko, Westsahara, Mauretanien, Senegal und Gambia. Es geht einmal quer durch Europa und entlang der westafrikanische Küste durch Nordafrika. Dass es dabei sandig und dreckig wird, dessen sind wir uns bewusst. Begleitfahrzeuge zur Reparatur gibt es nur auf Teilstrecken, wie auch eine Zoll­eskorte durch gefährliche Gebiete. Und wie schon gesagt: Dabei geht es nicht um motorsportliche Höchstleistungen bei halsbrecherischer Fahrt, sondern um Geschicklichkeit, Orientierungssinn und Teamzusammenhalt.

Wie ist der Zeitplan?

Sicker Start ist am Samstag, 11. November, in Dresden. Am 30. November ist die geplante Ankunft im Ziel. Wir bleiben aber noch vor Ort, um die Versteigerung der Fahrzeuge zu verfolgen. Der Gewinn soll dann für lokale Projekte verwendet werden, zum Beispiel eine Krankenstation, eine Vorschule, eine Lehrtischlerei, die Armenspeisung und eine Ausbildungswerkstatt für Lkw-Mechaniker, um die dortigen Lebensbedingungen der Bevölkerung zu verbessern. Bei der Rallye und den Vorbereitungen dafür geht bei fast allen von uns der Jahresurlaub drauf.

Wie kann man die Rallye bzw. den Weg vom Team „Westafrikanische Pistenwiesel“ verfolgen?

Sicker Via Internet gibt es verschiedene Möglichkeiten: Unsere Website heißt: www.westafrikanische-pistenwiesel.de. Auf Facebook sind wir zu finden unter: https://www.facebook.com/pistenwiesel/. Informationen zur Rallye selbst findet man unter: www.rallye-dresden-dakar-banjul.dom.

⇥Es fragte Sylvia Kunze.

Die „Pistenwiesel“ beim Vorbereiten ihrer drei Teamfahrzeuge: ein Opel Kadett (Baujahr 1989), ein Fiat Cinquecento (Bj. 93) und ein VW Golf (Bj. 95).
Die „Pistenwiesel“ beim Vorbereiten ihrer drei Teamfahrzeuge: ein Opel Kadett (Baujahr 1989), ein Fiat Cinquecento (Bj. 93) und ein VW Golf (Bj. 95). FOTO: privat