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| 15:02 Uhr

Rettungsdienst
Wenn wieder jede Sekunde zählt

Ein Rettungswagen im Einsatz. Nicht selten zählt dabei jede Sekunde. Der Einsatz von Blaulicht und Martinshorn ist dann ganz einfach nötig.
Ein Rettungswagen im Einsatz. Nicht selten zählt dabei jede Sekunde. Der Einsatz von Blaulicht und Martinshorn ist dann ganz einfach nötig. FOTO: Carola Vahldiek - stock.adobe.co / Carola Vahldiek/fotolia
Elbe-Elster-Kreis. Beim Einsatz von Blaulicht und Martinshorn stellt sich in jedem einzelnen Fall neu die Frage: Muss es jetzt wirklich ganz schnell gehen, oder kommt man langsamer und damit auch gleich etwas sicherer auch noch rechtzeitig ans Ziel? Von Sylvia Kunze

Gerade sind wieder die Rettungssanitäter zu einem Einsatz ausgerückt. Das Signalhorn war kurzzeitig weithin zu hören. Hans-Joachim Grunzke wohnt in Herzberg in der Leipziger Straße und bekommt so fast jeden dieser Einsätze mit, egal, ob die Fahrzeuge gerade zum Einsatz starten oder ob sie zum Krankenhaus eilen. Bis zu acht Mal in der Stunde machte er den Sirenenton schon aus. Er hat am Reportertelefon gefragt: „Warum fahren so viele Krankenautos mit Sirene über die Kreuzungen? Muss das sein?“

Diese Frage haben wir Sebastian Weiss, Werkleiter Rettungsdienst im Landkreis, gestellt. Der sagt: „Wenn es darum geht, Menschenleben zu retten und schnell gesundheitliche Schäden abzuwenden, dann sind Blaulicht und Sig­nalhorn einfach unabdingbar.“ Aber das entscheiden nicht die Ausrückenden allein, sondern das werde über den Einsatzauftrag von der Leitstelle aus angeordnet, erläutert Weiss. Er räumt ein, dass der Einsatz von Blaulicht und Martinshorn zugenommen hat. Aus mehreren Gründen.

Grund 1 ist steigendes Einsatzaufkommen. Lagen die Einsätze der Rettungswagen im Landkreis 2012 bei knapp 9000, sind sie bis 2017 auf etwas mehr als 11 500 angestiegen. Im Vergleich dazu der Notarztwagen: Der rückte 2012 rund 4000 Mal aus. 2017 waren es schon an die 4500. „Die Schwerpunkte der Notfalleinsätze sind dabei naturgemäß die Städte mit einer höheren Bevölkerungszahl. Die Top 4-Rangliste der Notfalleinsätze 2017 im Landkreis sind die Rettungswache Finsterwalde mit 2404 Einsätzen, die Rettungswache Elsterwerda mit 1751 Einsätzen, die Rettungswache Herzberg mit 1313 Einsätzen und die Rettungswache Bad Liebenwerda mit 1103 Einsätzen“, rechnet Weiss vor.

Grund 2 ist immer dichter werdender Verkehr. „Unsere Fahrzeuge kommen längst nicht mehr so gut voran wie noch vor 20 oder 30 Jahren. Zur Sicherheit, damit niemand zu Schaden kommt, wird deshalb tendenziell eher das Signalhorn eingeschaltet“, erklärt Weiss.

Grund 3 sind immer besser nach außen abgeschirmte Fahrzeuge. „Es passiert immer häufiger, dass Autofahrer den von hinten kommenden Rettungswagen gar nicht bzw. sehr spät wahrnehmen – und das trotz eingeschaltetem Signalhorn. Hauptsächlich, weil die Autos immer besser nach außen isoliert werden. Dann kommt noch dazu, dass Hindernisse den Schall schlucken. Und dann wissen die Autofahrer oft gar nicht, wie sie reagieren, wo sie hinfahren sollen um Platz zu machen“, benennt Sebastian Weiss die vielen grenzwertigen Situationen, mit denen die Rettungsdienstmitarbeiter tagtäglich im Einsatz umgehen müssen. „Manche Autofahrer reagieren gar nicht. Andere reagieren über und gehen voll auf die Bremse.“ Was am ehesten angebracht ist? „Vorausschauend fahren, bestenfalls auch für andere Verkehrsteilnehmer mitdenken und nach einer Möglichkeit suchen, wo man ausweichen und Platz machen kann. Dann blinken, rechts ranfahren - und bitte nicht so spät reagieren.“

Und noch ein wenig trockene Theorie dazu: Die Straßenverkehrsordnung erlaubt, dass Fahrzeuge des Rettungsdienstes von den Vorschriften der Straßenverkehrsordnung befreit sind, wenn höchste Eile geboten ist, um Menschenleben zu retten oder schwere gesundheitliche Schäden abzuwenden. Die Verwendung des blauen Blicklichtes zusammen mit dem Einsatzhorn ordnet in einem solchen Fall für alle Verkehrsteilnehmer an, dass sie sofort freie Bahn zu schaffen haben. Zum Sonderwegerecht der Einsatzfahrzeuge gehören dann auch solche Situationen, wie verkehrt in Einbahnstraßen fahren, falsch in den Kreisverkehr einbiegen und rote Ampeln überfahren. „Unsere Notfallsanitäter erhalten einmal im Jahr speziell dazu eine Unterweisung. Bei dieser geht es darum, wie man in bestimmten Situationen richtig reagiert, worauf alles zu achten ist, welche Neuerungen die Straßenverkehrsordnung bereithält“, so der Leiter des Rettungsdienstes Elbe-Elster.

Bei Anruf: Reporter 4c
Bei Anruf: Reporter 4c FOTO: LR / Janetzko, Katrin