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Kriminalitätsentwicklung 2017
Weniger Kriminalität in Elbe-Elster

Die Fälle von Diebstahlskriminalität im Elbe-Elster-Kreis sind 2017 zurückgegangen. Dennoch machen sie 41,1 Prozent aller Delikte aus.
Die Fälle von Diebstahlskriminalität im Elbe-Elster-Kreis sind 2017 zurückgegangen. Dennoch machen sie 41,1 Prozent aller Delikte aus. FOTO: Gerhard Seybert / fotolia
Herzberg. Deutlich zugenommen haben aber Gewaltstraftaten. 14,7 Prozent aller Tatverdächtigen sind Ausländer. Von Birgit Rudow

Sie wird ein jedem Jahr mit Spannung erwartet: die Statistik zur Kriminalitätsentwicklung im Elbe-Elster-Kreis. Der Landkreis gilt als einer der sichersten in Brandenburg. Das konnte der Leiter der Polizeiinspektion (PI) Elbe-Elster Thomas Ballerstaedt auch für das Jahr 2017 behaupten, als er am Freitag vor Bürgermeistern und Amtsdirektoren die Zahlen vorlegte und erläuterte. Nur Potsdam-Mittelmark habe gemessen zur Einwohnerzahl weniger Straftaten vorzuweisen.  Insgesamt wurden 2017 im Landkreis 5875 Straftaten verübt. Damit ist ihre Zahl weiter gesunken und der  positive Trend setzt sich fort, schätzt Ballerstaedt ein. 2016 gab es in EE 6282 Delikte, 2012 waren es 7116. Die Aufklärungsquote lag 2017 bei 53,8 Prozent. Die meisten Straftaten ereigneten sich in den Städten Finsterwalde (1615), Doberlug-Kirchhain (646), Bad Liebenwerda (599), Elsterwerda (592) und Herzberg (555).

Der größte Teil der Straftaten sind laut Statistik mit 41,1 Prozent (2451)  Diebstahlshandlungen. „Ein Viertel der Diebstähle konnten wir aufklären. In vielen Fällen ist die Aufklärung schwierig, weil es keine Zeugen und kaum verwertbare Spuren gibt“, so der PI-Leiter. Aber auch bei den Diebstählen ist die Anzahl im Vergleich zu 2016 um 138 Fälle zurück gegangen.

22,5 Prozent der Delikte betrafen 2017 so genannte sonstige Straftaten. Dazu zählen zum Beispiel Sachbeschädigungen oder Brandstiftung. 15 Prozent entfallen auf Rohheits- und zwölf Prozent auf Vermögensdelikte. 1,3 Prozent waren Straftaten gegen das Leben und 1,3 Prozent Sexualdelikte. Deutlich zugenommen hat die Gewaltkriminalität in Elbe-Elster. Zu verzeichnen waren 218 Fälle (2016 waren es 188 und 2015 „nur“ 130). „Zur Gewaltkriminalität zählt alles von Körperverletzung bis zum Raub. Hier ist die Tendenz deutlich steigend. Das ist auch ein Zeichen der Verrohung der Gesellschaft“, so Ballerstaedt.

Eine Steigerung ist ebenfalls bei der Rauschgiftkriminalität zu verzeichnen. Hier gab es 2017 insgesamt 328 Fälle, 72 mehr als im Jahr zuvor. 96,3 Prozent wurden aufgeklärt. In Elbe-Elster habe man es fast ausschließlich mit Cannabis und Crystal zu tun. Die hohe Zahl der Aufdeckungen sei vor allem den zahlreichen Kontrollen zu verdanken, sagte der Polizeichef. Jugendliche unter 21 Jahren seien 18,5 Prozent aller Straftaten zuzurechnen. Diese Zahl ist leicht angestiegen, sei aber mit Sicht auf die Zunahme junger Menschen in der Bevölkerung keine ausgesprochen besorgniserregende Tendenz, so Ballerstaedt. 83 politisch motivierte Straftaten waren im vergangenen Jahr in Elbe-Elster zu verzeichnen. 57,8 Prozent davon waren der rechten Szene zuzuordnen.

Einen breiten Raum nahm in der Auswertung der Statistik die Kriminalität durch Ausländer im Landkreis ein. Danach waren von insgesamt 1994 ermittelten Tatverdächtigen 14,7 Prozent Ausländer. Diese Zahl habe sich in den letzten beiden Jahren verdoppelt. 2015 lag der Anteil bei 7,6 Prozent, so Ballerstaedt. Besonders hoch ist die Zahl von ausländischen Tatverdächtigen dort, wo sich  Gemeinschaftsunterkünfte oder besonders viele Unterkünfte für Flüchtlinge befinden. So liegt der Tatverdächtigenanteil in Doberlug-Kirchhain (Erstaufnahmeeinrichtung) bei 34,5 Prozent, in Elsterwerda bei 19,3 Prozent, im Amt Kleine Elster bei 16,2 Prozent, im Amt Plessa bei 16,9 Prozent und in Herzberg bei 16,2 Prozent. In Schraden hingegen gab es 2017 überhaupt keinen ausländischen Tatverdächtigen. In Bad Liebenwerda betrug der Anteil lediglich 3,2 Prozent.

Detailliert aufgeführt werden in der Statistik die Straftaten am Standort der Erstaufnahmeeinrichtung Doberlug-Kirchhain.  2017 gab es dort 95 Fälle, 60 mehr als im Jahr zuvor. 37 Mal kam es zu Körperverletzungen, zwölf Mal zu Sachbeschädigungen und zehn Mal zu Bedrohungen. Eine Straftat betraf die sexuelle Selbstbestimmung. Thomas Ballerstaedt informierte über die Aktivitäten des Innenministeriums. „Unsere Polizisten werden in Doberlug-Kirchhain von sechs Kollegen unterstützt“, sagt er.

Zur Personalsituation in der Polizeiinspektion führte er aus, dass man mittlerweile bei der Soll-Zahl von 160 Mitarbeitern angekommen sei. Allerdings würden 2018 drei und im kommenden Jahr elf Beamte in den Ruhestand gehen. An der Zahl der Revierpolizisten wolle er aber auf jeden Fall festhalten, so der Leiter der Inspektion.

Thomas Ballerstaedt, Leiter der Polizeiinspektion Elbe-Elster (Mitte), hat am Freitag die Polizeistatistik für den Landkreis 2017 vorgestellt.
Thomas Ballerstaedt, Leiter der Polizeiinspektion Elbe-Elster (Mitte), hat am Freitag die Polizeistatistik für den Landkreis 2017 vorgestellt. FOTO: Rudow / LR