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| 14:24 Uhr

Wenig Zeit: Facebook-Kandidat macht sich rar

Uebigau-Wahrenbrück. Nur noch eine Woche bis zur Wahl des Bürgermeisters in Uebigau-Wahrenbrück. Während andere Parteien den Schlussspurt einläuten, suchen die Grünen für ihren Facebook-Kandidaten noch nach einer Strategie. Von Alexander Dinger

Gerald Heisig hat ein Problem. Er wohnt in Eberswalde - 142 Kilometer entfernt von Uebigau-Wahrenbrück. Der Stadt, in der Heisig Bürgermeister werden möchte. Weil er kein Auto hat, die Zugfahrt in den Elbe-Elster-Kreis drei Stunden dauert und Heisig parallel zu seinem Studium noch einen Nebenjob hat, war er bis jetzt seltener vor Ort als eigentlich geplant. Während sich der Sprecher der Elbe-Elster-Grünen, Christoph Wunnicke, über das mediale Echo freut, das die Kandidatenkür ausgelöst hat, ist Grünenverbandschef Klaus Peschel enttäuscht. Er habe sich von Heisig mehr Bürgernähe gewünscht.

Zur Vorgeschichte: Der 46-Jährige Ökolandbau-Student ist der bundesweit erste Bürgermeisterkandidat, der über die Internetplattform Facebook ausgewählt wurde. Weil der Kreisverband (neun Mitglieder) selbst keinen geeigneten Kandidaten aufstellen konnte, hatte Verbands-Chef Peschel den vakanten Posten auf Facebook ausgeschrieben. Elf ernsthafte Bewerbungen aus der ganzen Republik waren beim Kreisverband eingegangen. Den Zuschlag hatte Öko-Landbauer Heisig erhalten - trotz Entfernung.

"Diesmal reden wir ein Wörtchen mit", sagte Verbands-Chef Klaus Peschel damals. Der Aufwand schien sich gelohnt zu haben: Nach der RUNDSCHAU hatten deutschlandweit mehr als 80 Zeitungen, darunter auch der Spiegel und die Süddeutsche Zeitung, über die Grünen und die kuriose Wahlkampf-Idee berichtet. Nun ist das mediale Interesse abgeflaut, die Grünen scheinbar auf dem Boden der Realität gelandet. "Ich habe gedacht, dass Gerald Heisig öfter herkommen würde", sagt Peschel der RUNDSCHAU.

Dreimal sei Heisig bisher in Uebigau-Wahrenbrück gewesen. Diesen Pessimismus kann Grünen-Sprecher Christoph Wunnicke nicht verstehen. "So ein großes Medieninteresse hat uns überrascht. So oft war der Elbe-Elster-Kreis noch nie in den Medien", sagt er. "Nach wie vor sind wir der Außenseiter. Aber das wussten wir vorher."

Die Statistik gibt Wunnicke recht: Bei der vergangenen Kreistagswahl 2008 hatten die Grünen 1,3 Prozent erhalten. Bei der Bundestagswahl 2009 waren 3,5 Prozent der Zweitstimmen drin. Grüne Wählerschichten? In Elbe-Elster offenbar Fehlanzeige. Obwohl der Medienrummel enorm war, hat es den Grünen außer Aufmerksamkeit kaum etwas gebracht. "Der Kreisverband hat leider immer noch neun Mitglieder", sagt Wunnicke. Doch Heisig stört das nicht. "Ich wäre wirklich gern öfter vor Ort, denn ich mag Uebigau-Wahrenbrück und den Landkreis", sagt er.

Studium und der Nebenjob in einem Altenpflegeheim lassen regelmäßige Besuche aber noch nicht zu. Doch kommende Woche will Heisig noch einmal alles in Sachen Wahlkampf geben. Höhepunkt: Das von der RUNDSCHAU organisierte Wahlforum am Dienstagabend in der Gaststätte "Zu den drei Rosen" in Winkel. Die vier Kandidaten treffen dort erstmalig aufeinander. Heisig: "Ich hoffe, dass viele Bürger zum Forum kommen."

Entgegen den Einschätzungen seines Sprechers sieht Heisig sich noch im Rennen. "Ich möchte Bürgermeister von Uebigau-Wahrenbrück werden", sagt er. Auf die Frage, ob er sich erneut bewerben würde, sagt er: "Ich würde es genauso wieder machen."

Zur Bürgermeisterwahl in Uebigau-Wahrenbrück am 19 Juni treten an: Mario Sandmann (41 Jahre, aus Uebigau, FDP), Andreas Claus (48 Jahre, aus Wildgrube, parteilos), Dittgard Hapich (54 Jahre, aus Beiersdorf, Linke) und Gerald Heisig (46 Jahre, aus Eberswalde, Bündnis 90/Die Grünen).