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| 02:42 Uhr

Welpen im Wald bei Prösen ausgesetzt

Schulpraktikantin Annemarie Küster aus Lübben (r.) und Susann Viol präsentieren die muntere "Bande".
Schulpraktikantin Annemarie Küster aus Lübben (r.) und Susann Viol präsentieren die muntere "Bande". FOTO: Foto-Zahn
Prösen/Langengrassau. Wer macht so etwas nur? Sechs niedliche junge Welpen einfach so im Wald aussetzen? "Zwischen fünf und acht Wochen sind die Tiere alt", sagt die Leiterin des Tierheimes in Langengrassau, Helga Druschke (68). Ihre Rasse lässt sich noch nicht genau bestimmen. fc

"Da stecken wohl Schäferhund und Berner Sennenhund mit drin", vermutet die erfahrene Tiermutter mit Blick auf die Pfoten und das Fell der fünf "Jungs" und des einen "Mädchens".

Eine Nacht waren die Hundewelpen schon Polizeihunde, denn in der Elsterwerdaer Wache ist ihnen Nachtquartier bis zum Sonntag gewährt worden. Am Sonntagmorgen hat sie Gerhard Druschke (70) aus Elsterwerda abgeholt und erst da mitbekommen, dass es gleich sechs Tiere sind. "Mach den großen Käfig frei", hat er seine Frau noch während der Heimfahrt aus dem Auto informiert. Vermutlich sind sie erst am Morgen des Fundtages ausgesetzt worden. Ein Spaziergänger hatte sie bemerkt, als sein Hund anschlug. Die Polizei ermittelt jetzt wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Wer seinen Hund aussetzt, verstößt gegen den Paragrafen 17 des Tierschutzgesetzes. Eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren und ein Bußgeld von bis zu 50 000 Euro droht für dieses Delikt. Tierschutzorganisationen kritisieren, dass dies in der Praxis fast nie durchgesetzt wird.

Die bei Prösen ausgesetzten Tiere sind inzwischen entwurmt und gegen Durchfall geimpft. "Ihnen geht es gut", sagt Helga Druschke und ist trotzdem stinksauer. "Es vergeht jetzt kaum ein Tag, an dem wir nicht irgendwo Tiere abholen, meist einfach so ausgesetzt. In der vergangenen Woche waren wir in Senftenberg, Saalhausen und Klinkmühl", berichtet sie. Und noch etwas bereitet ihr Sorgen: "Wir holen immer mehr Tiere aus verwahrlosten Wohnungen. Oft sind sie in sehr schlechtem Zustand." Dazu macht Helga Druschke seit Jahren einen üblen Trend aus: "Immer kurz vor Weihnachten werden ältere Tiere ausgesetzt, um sich auf den Gabentisch neue, junge zu legen." Die sechs Welpen bleiben jetzt auf jeden Fall bis nach Weihnachten im Tierheim. "Als schnelles Geschenk mal so zum Fest, das kommt bei mir nicht infrage", sagt sie und lässt nur eine Ausnahme zu: "Wenn wir die Leute kennen, wissen, dass die Tiere gut aufgehoben sind, entscheiden wir auch schon mal anders. Oder wenn Menschen allein sind und ihr Lieblingstier verloren haben." Mehr als 100 Tiere vom Kaninchen bis zu Hund, Katze, Pony und sogar Affen sind im Tierheim untergebracht. Auch die Zahl der Exoten nimmt zu. "Heute darf doch jeder alles halten, und wenn sie dann nicht mehr klarkommen, werden die Tiere einfach vor die Tür gesetzt", schimpft Helga Druschke. Ihr Heim darf sie aufnehmen, weil ihre Tochter Susann Viol (35) ausgebildete Zootierpflegerin ist.

Und was, wenn sich jetzt jemand vor Weihnachten für einen der sechs Welpen interessiert? "Dann stellen wir maximal einen Gutschein aus und reservieren ein Tier. In aller Ruhe wollen wir dann aber erst einmal wissen, wie der Hund künftig untergebracht ist", sagt Helga Druschke. Etwa 150 Euro wird ein Welpe kosten.

Drehen wir den Spieß mal um: Sie haben einen Hund und plötzlich sechs Welpen. Wie reagieren Sie?

Ganz sicher setzt die ganz große Mehrheit diese Tiere nicht einfach irgendwo aus. Die meisten fragen bei Freunden und Nachbarn, ob Interesse besteht. Und wenn nicht?

"Dann im Veterinäramt oder im Tierheim nachfragen", rät Helga Druschke und sagt: "Die meisten Tierheime nehmen Welpen sogar gratis ab." Wer sich von einem älteren Tier trennen muss, zahlt im Hundehotel meist eine Aufnahmegebühr für die Pflege. Und Helga Druschke zeigt sich sogar besonders sozial: "Wenn wir sehen, dass einer wirklich Mühe hat, sein Tier weiter zu unterhalten: Wir helfen schon." Oft hat sie sogar zwischenzeitlich Futter mitgegeben.

Also: Tiere aussetzen muss nicht sein. Die leichteste Investition ist ganz simpel: Einfach mal zum Hörer greifen und nachfragen, Tel. 035454 532.

Frank.Claus@lr-online.de