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Weitgereiste Gäste der Vogelwelt auf dem Kiebitzer See

FOTO: Dieter Lehmann
Falkenberg. Nördlich von Falkenberg/Elster liegt der Kiebitzer See - eine Oase der Erholung aber auch der Natur. Im Jahr 1922 hatte Wilhelm Ziegler, seinerzeit Direktor des Falkenberger Überlandwerkes, zur Herstellung von Kalksandsteinen die "Hartsteinwerk GmbH" gegründet. Dieter Lehmann/dlh1

Der für die Produktion benötigte Sand wurde zunächst manuell, später jedoch mittels Schaufelradbagger aus einem Feld- und Waldgebiet nahe des Ortsteils Kiebitz gewonnen. Nachdem am 8. Dezember 2000 die Produktion von Kalksandsteinen im Kalksandsteinwerk eingestellt worden war, hat der Kiebitzer See heute eine Wasserfläche von 47,375 Hektar und eine Uferlänge von insgesamt rund 3600 Metern.

Die Verantwortlichen der Stadt Falkenberg hatten bereits 1967/1968 erkannt, dass wirtschaftliche Entwicklung, Naherholung und der Schutz von Natur und Landschaft möglichst sinnvoll miteinander in Einklang gebracht werden müssen. Deshalb wurden auf Antrag der Stadtverwaltung am 1. Mai 1968 der Kiebitzer Baggerteich und umliegende Landschaftsteile durch den Rat des Bezirkes Cottbus unter Landschaftsschutz gestellt. Als Schutzzweck des LSG "Kiebitzer Baggerteich" - mit einer Gesamtgröße von 181 Hektar - sah man in erster Linie die Erholung in der Natur als vorrangig an. Dieser Zielstellung folgend, wurde im Jahr 1988 im Falkenberger Flächennutzungsplan rechtlich geregelt, dass die südliche Hälfte des Kiebitzer Sees für den Badebetrieb und die Naherholung genutzt wird, während die nördliche Hälfte für den Biotop- und Artenschutz zu entwickeln ist. Im Jahr 2000 wurde dies auch im Landschaftsplan der Stadt schriftlich fixiert.

Ein See, der im Sommer intensiv als Badegewässer genutzt wird, stößt natürlich in "Sachen Natur" an bestimmte Grenzen. Sobald die Sonne die tiefblauen Fluten des Sees erstrahlen lässt, lagern bade-hungrige Menschen zu Hunderten auf den Sandstränden und grasbewachsenen Liegewiesen. Sie plantschen im flachen Wasser der ausgedehnten Uferlinien oder überqueren schwimmend den See. Hinzu kommen verschiedenartige Wasserfahrzeuge: Gummi- und Ruderboote, Wassertreter.

Unter solchen Bedingungen haben es Vogelarten, die am oder auf dem Wasser leben, natürlich schwer, ihren Nachwuchs aufzuziehen. Trotzdem brüten im Uferbereich und auf den drei Inseln des Kiebitzer Sees Stockenten, Haubentaucher, Uferschwalben, Drossel- und Teichrohrsänger und sogar Rohrweihen. Seit 2009 gab es in jedem Jahr, außer 2014, auch eine Brut der Graugänse.

Seit 2010 haben sich sogar Nilgänse angesiedelt. Woher kommt diese Art? Wie der Name schon vermuten lässt, stammen die Nilgänse aus Afrika. Sie haben den "Sprung" über das Mittelmeer seit etwa zwei Jahrzehnten geschafft und brüten in Spanien, Frankreich, den Niederlanden und in England. In Deutschland gab es 2004 die ersten Ansiedlungen; im Land Brandenburg 2005. Im Jahr 2012 brüteten die Nilgänse erstmals auf dem Kiebitzer See. Sie sind allerdings sehr aggressiv und streitlustig gegenüber anderen Wasservogelarten. Ich habe das vielfach beobachten können - vor allem während der Brutzeit, wobei die Nilgänse vorwiegend mit den Graugänsen im lautstarken Streit liegen.

Im Frühjahr und im Herbst versammeln sich zahlreiche, manchmal auch weitgereiste Gäste der Vogelwelt auf dem See. Mit einem guten Fernglas kann man dann ungewöhnliche Beobachtungen machen. Schell-, Löffel-, Tafel-, Reiher-, Knick- und Knäkenten, Grau- und Bleßgänse schwimmen oft scharenweise auf dem See. Auch Kormorane, Flussregenpfeifer, Flussseeschwalben, Lach- und Sturmmöwen sind zu sehen. Seltener können Eisvögel, Fisch- und Seeadler beobachtet werden, wie sie auf Beutejagd gehen. Zuweilen sind auch seltene Arten darunter. So konnte ich in diesem Jahr am 11. Februar 15 Gänsesäger auf dem Kiebitzer See bestaunen. Diese Art ist der größte Vertreter in der Gattung der Säger, die in Mitteleuropa als Durchzügler und Wintergast zu beobachten sind.