Von Birgit Rudow

Am traditionellen Bergfeuer haben die Schliebener Weinbauern den Saisonausklang begossen und ihren Weinberg in den Winterschlaf verabschiedet. Die Traubenlese ist schon einige Wochen her und mit dem Verfestigen der Anlage mit Mutterboden sind auch die letzten größeren Arbeiten erledigt. Was jetzt noch zu tun ist, sind lediglich Kleinigkeiten, ehe der Lange Berg Ende Februar, Anfang März wieder zum Leben erwacht.

Dieses Weinjahr war ein durchwachsenes Jahr für die Mitglieder des Vereins zur Förderung des historischen Weinbaus in Schlieben. Nach dem bombastischen Jahr 2018 mit 4,416 Tonnen der Weißweinsorte Müller-Thurgau, 2,261 Tonnen beim Bacchus und 2,515 Tonnen bei der Rotweinsorte Regent blieben sie in diesem Jahr bei allen drei Sorten mit insgesamt 3,028 Tonnen „hängen“. „Das ist nur etwa ein Drittel des Ertrages vom vergangenen Jahr und etwa die Hälfte der durchschnittlich üblichen Jahresmenge“, sagt die Vorsitzende des Vereins, Annette Engel. Ein negativer Mengenrekord war der 2019er-Jahrgang aber dennoch nicht. Denn der stammt aus dem Jahr 2009 mit insgesamt nur 1,137 Tonnen, erklärt sie.

War es 2009 der Winterfrost von bis zu 27 Grad Celsius unter Null, so hat den Reben in diesem Jahr der Spätfrost in der Nacht vom 4. zum 5. Mai kräftig zugesetzt. Etwa zwei Drittel der zu erwartenden Ernte waren hinüber. Der Bacchus war fast komplett weggefroren, ebenso der Regent. Den etwas geschützter stehenden Müller-Thurgau indes hatte es nicht ganz so schlimm erwischt.

Die Weinbauern waren enttäuscht und traurig. „Es steckt sehr viel Herzblut in unserer Arbeit. Aber wir können die Natur nun mal nicht überlisten“, hatte Annette Engel im Mai gesagt. Und so haben sich die Schliebener die ganze Saison über Mühe gegeben, zu retten, was zu retten war. Denn ob viele oder wenige Trauben – der Arbeitsaufwand im Weinbau bleibt der gleiche.

War es im Frühjahr der Frost, so hatten die Winzer im Sommer erneut mit der Trockenheit zu kämpfen. „Wir haben am Langen Berg wieder nur sehr wenig Regen abbekommen. Regional war das Niederschlagsaufkommen sehr unterschiedlich. Hat Lebusa nebenan bei einem Gewitter 24 Liter gehabt, war es hier nur einer“, schildert Wilfried Engel die Situation im Sommer. Auch jetzt Mitte Oktober sei die Erdoberfläche nur bis zu 20 Zentimeter feucht, sagt er. Und das sei viel zu wenig. Wenn nicht ein feuchter Winter komme, sehe es mit den Voraussetzungen für das kommende Jahr nicht gut aus. Auf dem Schliebener Weinberg kann nur etwa ein Drittel der Fläche bewässert werden. Angesichts des geringen Ertrages sei aber die Bewässerung minimiert worden, denn Wasser kostet den Verein viel Geld.

Sind die Weinbauern mit der geernteten Menge in diesem Jahr nicht sonderlich zufrieden, so können sie es mit der Qualität der Trauben um so mehr sein. Da hat die Sonne ganze Arbeit geleistet. Der Regent hat eine Oechsle-Zahl von 85. Beim Rotwein sind schon 80 sehr gut. Der Bacchus hat 81, der Müller-Thurgau 80 Oechsle. Das sind Spitzenwerte. Für den Schliebener Wein wären 75 Oechsle absolut okay.

Normalerweise werden in der Kelterei in Meißen der Müller-Thurgau und der Bacchus aus Schlieben separat ausgebaut. Da es in diesem Jahr aber eine so geringe Menge ist, haben sich die Weinbauern entschlossen, beide Sorten in ein Fass zu geben und eine Cuvée – eine Komposition mehrerer Rebsorten – herzustellen. Annette Engel sieht die ganze Sache positiv. „Eine Cuvée wird bestimmt ein interessanter Wein“, macht sie die Liebhaber schon mal neugierig.