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| 15:26 Uhr

Schmieden für den Frieden
Herzbergs besonderer Weihnachtsmarkt

Die Schmiede Alfred Bullermann (l.) und Tom Carstens (r.) gemeinsam mit Schauspieler Heinz Hoenig beim Schmieden der Friedensnägel.
Die Schmiede Alfred Bullermann (l.) und Tom Carstens (r.) gemeinsam mit Schauspieler Heinz Hoenig beim Schmieden der Friedensnägel. FOTO: Rico Meißner / LR
Herzberg. Schauspieler Heinz Hoenig und Wandergesellen bringen Handwerksflair in die Stadt. Schmieden für den guten Zweck. Von Rico Meißner

Es ging im wahrsten Sinne des Wortes „heiß her“ auf dem diesjährigen Weihnachtsmarkt in Herzberg. Acht Schmiede und der Schauspieler Heinz Hoenig hatten zwischen Rathaus und Kirche viele Eisen im Feuer. Was entstand, ist dreißig Zentimeter lang und hat eine eingeprägte Friedenstaube in der Kuppe – die Friedensnägel. Die durchnummerierten Unikate mit Zertifikat fanden für einen Preis von einhundert Euro durchaus ihre Abnehmer. Wohl auch in dem Wissen, dass das Geld für soziale, regionale Projekte verwendet wird. Zwanzig Prozent gehen in die Kinderstiftung von Heinz Hoenig, der Rest verbleibt in Herzberg. „Damit wird zum Beispiel das nächste Kinderfest im Herzberger Schwimmbad unterstützt“, freute sich Metallgestalter Denni Ludwig. Die Nägel mit der Friedenstaube seien symbolisch zu sehen. „Nägel können zusammenhalten und zusammenfügen.“

Ähnlich sieht das auch Heinz Hoenig, der selbst gelernter Betriebsschlosser ist: „Es gibt soviel Krieg auf der Welt, da kann Frieden immer gebraucht werden. Seit wir mit ,Schmieden für den Frieden’ angefangen haben, schlägt es Wellen. Es kommen immer mehr Schmiede dazu.“ Jeder Schmied auf der Welt sei eingeladen, sich zu beteiligen. „Die Sache geht immer weiter und wird immer größer“, so der Schauspieler. Unter anderem war schon Kalifornien Schauplatz der Aktion, demnächst geht es nach Holland.

Auf die Frage, welchen Satz man denn am meisten von den Besuchern höre, antwortete Schmied Tom Carstens lachend: „Mein Opa war auch Schmied.“ Viele Besucher jeder Generation nutzen die Aktion am Samstag auch, um selbst einmal den Hammer zu schwingen.

Auch abseits des Schmiedens bot der Weihnachtsmarkt neben Leckereien und Glühwein vielfältige Unterhaltung, die auf die Zustimmung der Gäste stieß. Stefan Bendel etwa war mit seiner Familie aus Potsdam angereist. „Das hat schon Tradition“, meinte der gebürtige Herzberger. „Der Markt ist klein, aber fein. Das Tolle ist, man lässt sich hier immer viel einfallen, es gibt immer andere Ideen.“ Ähnlich sah das Rudolf Kutter aus Falkenberg. „Ich bin sehr angenehm überrascht. Der Markt ist sehr abwechslungsreich, aber nicht überladen.“ Auch die künftigen Abiturienten waren mit einem Stand vertreten. Dort war man sich einig, wie das erklärte Ziel aussah. Für den kommenden Abiball hoffe man „auf die größtmögliche Summe“.

Unter dem Dach des Rathauses präsentierte sich  derweil unter anderem die Christliche Gemeinde Herzberg. Der Erlös der verkauften Weihnachtsdekorationsartikel und anderem soll  in diesem Jahr nach Haiti gehen. „Damit unterstützen wir in Kay Latou den Neubau einer Schule, die vom letzten Wirbelsturm zerstört wurde“, erklärte Tabita Grünhard.

Einige Stockwerke darunter gab es im alten Verlies des Gebäudes Geschichten und Sagen aus vergangenen Zeiten zu hören. Die beiden Elfjährigen Amelie Meier und Marian Simon-Spill, Kinderstadtführer von der Johannes Clajus Schule, ließen ihre Zuhörer souverän an der Gründungslegende der Stadt oder dem großen Brand, inklusive der  anschließenden Konsequenzen für die Urheber, teilhaben.

Herzberges Weihnachtsmarkt hatte aber auch noch weitere, besondere Gäste: Weitab von daheim sind sie unterwegs und das für mehrere Jahre – Gesellen auf der Walz. Einige von ihnen haben in diesem Jahr am Wochenende die Herzberger „Schmiedeweihnacht“ bereichert. „Durch Bekannte haben wir davon gehört und uns dafür extra hier getroffen“, erzählt die 25-jährige Tischler-Gesellin Claudia. Nachnamen werden auf der Walz abgelegt. „Es geht darum, dass niemand bevorzugt behandelt wird. Wir sind alle gleich, es gibt keine Unterschiede.“ Gemeinsam mit ihr in der Stadt sind angehende Kunstschmiede, Zimmerer und eine Holzbildhauerin.  Sie stammen unter anderem aus der Nähe von Heidelberg, Soest, Flensburg und Leipzig. Claudia selbst stammt aus Müncheberg. „Nach der Ausbildung in einem traditionellen Handwerk und dem Gesellenbrief geht es auf Wanderschaft.“ Für mindestens drei Jahre und einen Tag. Fünfzig Kilometer beträgt dabei der „Bannkreis“ rund um den Heimatort. Voraussetzungen, um auf die Walz zu gehen, sind unter anderem: jünger als dreißig Jahre, kinderlos, unverheiratet und schuldenfrei.

Die Gesellen reisen ohne moderne Kommunikationsgeräte, auch wenn ihnen die Nutzung solcher hier und da  nicht untersagt ist. Für Fortbewegung und Unterkunft darf kein Geld ausgegeben werden. „Man trampt oder man läuft“, sagt Claudia. Oft werde man mitgenommen, manchmal von Leuten eingeladen und beinahe wie ein Familienmitglied behandelt. Viel Gepäck, das getragen werden muss, haben die Gesellen nicht dabei. Einen Schlafsack, Wechsel- und Arbeitskleidung sowie Hygieneartikel. Finden sie bei einem Meister Arbeit, werden sie mit Gesellenlohn vergütet.

Das Schönste sei während dieser Zeit, dass man „extrem viele Sachen kennenlernt und viel Unterstützung erfährt“. Die größte Herausforderung indes sei die Schlafplatzsuche im Winter, meint Claudia, die jetzt seit mehr als fünf Monaten unterwegs ist, aber – „es gibt Leute, die uns einladen und was von denen kommt, dass nehmen wir dankbar und gerne an.“

Man merkt ihr an, dass sie mit der Wanderschaft zufrieden ist. „Wir reisen, um zu arbeiten und arbeiten, um zu reisen“, so umschreibt sie es. Um Geld gehe es dabei nicht. Wie Fabian, ein anderer Geselle, es ausdrückt: „Unsere Wanderschaft dient dazu, sich geistig und kulturell zu bereichern.“

Weihnachtliche Dekorationsartikel gab auf dem Rathausdachboden zu kaufen. Hier am Stand der Christlichen Gemeinde Herzberg, dessen Erlöse in ein Schulprojekt nach Haiti fließen werden. Weihnachtsmarkt Herzberg
Weihnachtliche Dekorationsartikel gab auf dem Rathausdachboden zu kaufen. Hier am Stand der Christlichen Gemeinde Herzberg, dessen Erlöse in ein Schulprojekt nach Haiti fließen werden. Weihnachtsmarkt Herzberg FOTO: Rico Meißner / LR
Wandergesellen in Herzberg: Lasse, Andreas, Claudia, Max und Fabian (v.l.). Nachnamen werden während der Wanderschaft abgelegt.
Wandergesellen in Herzberg: Lasse, Andreas, Claudia, Max und Fabian (v.l.). Nachnamen werden während der Wanderschaft abgelegt. FOTO: Rico Meißner / LR