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Wehrhain: Diesmal verliert die Mühle den Kampf

Nach Aussage des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege kann der Landkreis Elbe-Elster auf eine der besten Mühlenkulturen in ganz Deutschland verweisen. Paltrockwindmühlen sind in Brandenburgs südlichem Landstrich ebenso zu finden wie Wassermühlen, Bockwindmühlen oder Holländermühlen. Letztere werden heute landläufig als Königsmühlen bezeichnet, da es der preußische König Friedrich war, der ihre wirtschaftliche Bedeutung frühzeitig erkannte und sie flächendeckend aufstellen ließ. Um so mehr schmerzt es die Denkmalpfleger, nur noch zwei Erdholländermühlen vorweisen zu können – in der Prignitz und in Wehrhain. Beide befinden sich in einem desolaten Zustand. Von Sven Gückel

Es waren die Weiten Spaniens, die Miguel de Cervantes einst für seinen Romanhelden Don Quijote als Kampf gegen die Mühlen ausgesucht hatte. Aufopferungsvoll und doch aussichtslos kämpfend, musste sich der Landadlige letztlich den Riesen geschlagen geben. Ganz ähnlich fühlen sich im Moment die Denkmalpfleger des Landes Brandenburg. Dr. Matthias Baxmann, Gebietsreferent im Dezernat Praktische Denkmalpflege, versucht nach eigenen Aussagen seit vielen Monaten, die Mühle in Wehrhain vor dem endgültigen Verfall zu retten.
Doch wie schon Don Quijote wird wohl auch er scheitern. Als Grund führt er die Tatsache an, dass es trotz intensiver Bemühungen seitens der Denkmalpfleger bislang zu keiner Einigung mit den Besitzern des Mahlwerks kam. „Wir haben wirklich alles versucht, die Mühle zu erhalten“ , betonte Dr. Matthias Baxmann.
Bereits im September 2003, so sagt er, wurde die Mühle Wehrhain durch die Denkmalspfleger unter vorläufigen Schutz gestellt. Dem folgte im Juni 2004 der Eintrag in die Denkmalliste des Landkreises. Als Begründung für diesen Schritt wurden unter anderem die technikgeschichtliche, die städtebauliche sowie die regional wirtschaftsgeschichtliche Bedeutung der Mühle angeführt. „Dieser spezielle Typ einer Holländerwindmühle ist nur noch sehr selten zu finden.“ 15 Meter streckt sich das Gebilde in die Höhe. Drei Geschosse, die Holzfachbauweise und eine drehbare Kappe gelten als Markenzeichen des sich nach oben verjüngenden Achteckbaus. Für Wehrhain und den Denkmalschutz Brandenburgs sei die Mühle deshalb ein absoluter Glücksfall, ergänzte der Fachmann. Auch die Mühlenvereinigung Berlin-Brandenburg wisse um die Bedeutung des Objektes, weshalb sie bereits eine Inventarisierung durchgeführt hat.

Eigentümer lehnen Beteiligung ab
Besonders interessant ist dabei, dass die Wehrhainer Mühle nach der Umrüstung von Wind auf Diesel in den 30-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts aus Ermangelung des Kraftstoffes während des Zweiten Weltkriegs bereits zehn Jahre später auf Elektromotorenantrieb umgestellt wurde.
Um die Mühle, die mittlerweile von einem Sturmschaden schwer gezeichnet ist, zu erhalten, erklärte sich auch der Landkreis Elbe-Elster dazu bereit, eine erhebliche Summe zur Bestandssicherung bereit zu stellen. Einzige Bedingung war, dass die privaten Besitzer einen Eigenanteil leisten. Doch diese lehnten vehement ab. Auch einen Alternativvorschlag der Denkmalbehörde, die Mühle auf eigene Kosten abzubauen, einzulagern und gegebenenfalls an anderer Stelle (im Gespräch war unter anderem der Weinberg in Schlieben) wieder aufzustellen, stieß auf Ablehnung. Stattdessen stellte der Besitzer einen Abbruchantrag, der wiederum behördlicherseits verweigert wurde. Im Widerspruchsverfahren wurde dem Antrag zwar nun stattgegeben, jedoch mit der Auflage, auf Kosten des Eigentümers eine Bestandsdokumentation durchzuführen.

Akuter Handlungsbedarf
Das Amt Schlieben, die Untere Denkmalbehörde des Landkreises und das Brandenburgische Landesamt - auch geschlossen scheint es ihnen nicht möglich zu sein, der Mühle Wehrhain eine echte Chance als Denkmal zu ermöglichen. Zu hart ist der für sie unerklärliche Widerstand der Eigentümer.
Sabine Heyde, Tochter des letzten Müllers von Wehrhain und Besitzerin des Streitobjektes, betont, keinerlei eigenen Nutzen aus der Mühle ziehen zu können und lehnt deshalb weiter ab, sich finanziell an der Bestandssicherung zu beteiligen. Zudem verweist sie darauf, schon mehrfach den Kontakt zum Amt Schlieben gesucht zu haben, um eine einvernehmliche Lösung zu erzielen. Bislang erfolglos. Ob sich die verhärteten Fronten einmal aufweichen lassen, dürfte somit fraglich sein. Dabei bleibt kaum Zeit für lange Diskussionen. Denn der baulich desolate Zustand der Mühle erfordert akuten Handlungsbedarf.