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Weg zum Bus in den Ort ist kreuzgefährlich

Auge in Auge mit den Brummis warten Andy, Tobias und Stephan (v.l.) darauf, in einem günstigen Moment die Straße überqueren zu können. Ihr Schulweg wir somit jeden Tag zu einem Abenteuer.
Auge in Auge mit den Brummis warten Andy, Tobias und Stephan (v.l.) darauf, in einem günstigen Moment die Straße überqueren zu können. Ihr Schulweg wir somit jeden Tag zu einem Abenteuer. FOTO: Sven Gückel
Roland Kluge aus Wiederau freut sich immer, wenn in der Region etwas Neues entsteht und sich Dinge zum Guten wenden. Auch darüber, dass der Radwegebau im Raum Schönewalde voranschreitet oder die Bundesstraße zwischen seinem Heimatort und Herzberg dreispurig ausgebaut wird. Nur um das Problem der Wiederauer, die in den fünf Häusern etwas außerhalb, auf der linken Seite an der B 101 hinter dem Ortsausgangsschild in Richtung Langennaundorf wohnen, scheint sich niemand mehr zu kümmern. Und das ärgert ihn. Von Birgit Rudow

„Wir wohnen direkt an der Bundesstraße. Bis in den Ort sind es ein paar hundert Meter. Wenn unsere Kinder früh zum Schulbus in den Ort gehen, müssen sie auf der Bundesstraße laufen. Das ist lebensgefährlich. Ab halb 7 rollt der Berufsverkehr auf der 101. Auch die älteren Leute, die hier draußen wohnen und zum Bus oder zum Friedhof wollen, müssen auf der Straße lang. Seit der Wende fordern wir immer wieder, dass hier ein Radweg gebaut wird. Aber es passiert nichts“ , schimpft Roland Kluge.
Seit 1993, als sein Sohn auf der Bundesstraße angefahren wurde, ist die Geschwindigkeit in dem Abschnitt, in dem besagte Häuser stehen, auf 70 km/h beschränkt. „Doch das ist keine ausreichende Sicherheit für diejenigen, die auf der Straße gehen müssen“ , meint der Wiederauer. Er fordert einen sicheren Weg. „Warum kann man nicht den Wirtschaftsweg, der nach Langennaundorf führt und den Radweg, der an der Badstraße in Wiederau beginnt, einfach verbinden„“ , fragt der Familienvater
Die Nachfragen der RUNDSCHAU in verschiedenen Ämtern hat ergeben, dass das Problem nicht unbekannt ist, dass vor Jahren auch schon mal ins Auge gefasst wurde, die Ortsdurchfahrt Wiederau auszubauen, was jedoch aufgrund fehlender finanzieller Mittel scheiterte.
Angela Reiniger, Leiterin des Bauamtes der Stadt Uebigau-Wahrenbrück, ist der Meinung, dass das Straßenbauamt Cottbus dafür zuständig sei, da sich die Häuser außerhalb der Ortsbeschilderung befinden. Ein Geh- oder Radweg auf der anderen Straßenseite im Flurneuordnungsverfahren sei angedacht gewesen. Die Leute hätten aber auf die andere Straßenseite gemusst. „Über eine Mittelinsel haben wir uns mit dem Landesbetrieb in Cottbus nie einigen können“ , so die Bauamtsleiterin. Auch ihr liegt viel daran, dass dieses Problem wieder zur Sprache kommt und eine Lösung gefunden wird. „Das ist hier sehr gefährlich“ , sagt die Bauamtsleiterin. „Vielleicht wäre es ja erstmal auch eine Möglichkeit, das Ortseingangsschild zu versetzen, so dass im Bereich der betroffenen Häuser wenigstens eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 km/h gilt“ , sagt sie.
Frank-Dieter Manteufel vom Landesbetrieb Straßenwesen in Cottbus ist ebenfalls bekannt, dass ursprüngliche Planungen für eine bauliche Lösung in diesem Bereich vor Jahren im Ansatz gescheitert waren. „Und momentan sind dafür auch keine Mittel eingestellt. Das Problem wurde uns vom Kreis nicht als vordringlich gemeldet. Die Gemeinde hat den Wunsch nach einem Radweg an dieser Stelle aktuell nicht formuliert“ , sagt er. Für einen Radweg sei das Landesamt zuständig. Für einen Gehweg im Ort, zu dem diese Häuser gehörten, die Kommune. „Wenn die Kommune an uns herantritt, müssen wir sehen, was man da machen kann“ , so Manteufel.
Ähnlich sieht es auch Klaus Oelschläger, Sachgebietsleiter Kreisentwicklung bei der Kreisverwaltung. „Wir haben im Kreis viele solche Situationen wie in Wiederau“ , sagt Oelschläger. „Der konkrete Bedarf muss von der Kommune an uns herangetragen werden. Dann kann man mitunter mit ganz einfachen Mitteln etwas regeln, einen Fußweg anlegen zum Beispiel. Das muss man sich aber mit Fachleuten an den örtlichen Gegebenheiten genauer ansehen.“
Und wie verhält es sich mit der „Vorverlegung“ des Ortseingangsschildes“ Ulrike Tschirner vom Straßenverkehrsamt des Kreises erklärt, dass sich damit die Ortsdurchfahrt für die Gemeinde verlängern würde und dies mit Kosten, zum Beispiel für die Straßenunterhaltung, verbunden sei. „Die Frage ist, ob das im Ansinnen der Gemeinde ist“ , sagt sie. Man müsse prüfen, inwieweit eine Verlegung des Schildes erforderlich sei. Dabei spielten mehrere Faktoren eine Rolle. „Dass in diesem Bereich möglichst mehr Sicherheit für die Bürger geschaffen werden muss, sehe ich aber auch“ , so Ulrike Tschirner.