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| 16:20 Uhr

Herzberg
Wechsel an der Feuerwehrspitze

Stadtbrandmeister Ralf Becker (l.) und der neue Herzberger Ortswehrführer Silvio Blumberg sind ein gutes Team. Jeden Mittwoch kümmern sie sich im Gerätehaus um alles, was bei der Herzberger Feuerwehr anliegt.
Stadtbrandmeister Ralf Becker (l.) und der neue Herzberger Ortswehrführer Silvio Blumberg sind ein gutes Team. Jeden Mittwoch kümmern sie sich im Gerätehaus um alles, was bei der Herzberger Feuerwehr anliegt. FOTO: LR / Rudow
Herzberg. Silvio Blumberg ist neuer Ortswehrführer in Herzberg. Personalstärke ist das größte Problem. Von Birgit Rudow

Seit dem 1. November hat die Herzberger Feuerwehr einen neuen Ortswehrführer. Silvio Blumberg wurde für diese Funktion von Bürgermeister Karsten Eule-Prütz (parteilos) bestellt.

Nachdem Blumbergs Vorgänger Christian Schurbert den Wunsch geäußert hatte, seine Dienstzeit nicht zu verlängern, standen mehrere Namen für den Ortswehrführerposten in Herzberg im Raum – unter anderem der von Silvio Blumberg. „Der Bürgermeister hat mit allen das persönliche Gespräch gesucht und auch mit  anderen Kameraden gesprochen. Am 19. Oktober fand die Anhörung der Wehr statt. Allen war klar, dass diese Aufgabe nicht mehr allein im Ehrenamt zu bewältigen ist“, erklärt Stadtbrandmeister Ralf Becker.

Die Entscheidung für Silvio Blumberg fiel auch aus beruflicher Sicht. Er ist im Ordnungsamt der Stadtverwaltung zuständig für den Brand- und Katastrophenschutz. Karsten Eule-Prütz ist froh über diese Lösung. „Silvio ist extrem gut ausgebildet und er ist in der Wehr anerkannt“, so der Bürgermeister. Er hat angeordnet, dass sich sowohl der neue Ortswehrführer als auch der Stadtbrandmeister, der im Bauhof der Stadt beschäftigt ist, einen Tag in der Woche (immer mittwochs) im Gerätehaus den Belangen der Feuerwehr widmen.

Langweilig wird den beiden dabei nicht. Vor allem müssen sie den bürokratischen Aufwand bewältigen –  Einsatz- und Ausbildungspläne sowie Lehrgänge vorbereiten, Konzepte für die Alarmbereitschaft oder die  Fahrzeug- und Einsatzmittelbeschaffung erarbeiten, statistische Zuarbeiten zusammenstellen und sich auch selbst weiter bilden. „Wir müssen uns zum Beispiel mit neuen spezifischen Computerprogrammen beschäftigen. Dazu bleibt sonst nur wenig Zeit“, sagt Silvio Blumberg. Manchmal sind sie auch unterwegs. In Betrieben zum Beispiel, um mit Arbeitgebern zu sprechen und für die Freistellung von „Feuerwehr-Mitarbeitern“ zu werben oder um brandschutztechnische Belange bei Bauarbeiten abzuklären.

Silvio Blumberg ist zudem Digitalfunkbeauftragter der Herzberger Wehr. Sie hat 75 Geräte, die gewartet und auf denen Updates vorgenommen werden müssen. Hinzu kommt die Schulung der Kameraden an den Geräten, wenn diese, wie in den kleineren Ortswehren, nicht allzu oft mit der Technik zu tun haben

Blumberg verfügt über alle erforderlichen Qualifikationen, eine Wehr in der Größenordnung der Herzberger zu führen. Der Feuerwehr-Werdegang des 33-Jährigen begann 1996 in der Herzberger Jugendfeuerwehr. Sein Stellvertreter als Ortswehrführer ist weiterhin René Stein. Beide waren schon als Jugendwarte in der gleichen Konstellation ein gutes Gespann. Jetzt muss es vor allem mit einem Problem klar kommen, das die meisten Feuerwehren im Elbe-Elster-Kreis haben, und das ist fehlendes Personal.

Die Herzberger Ortswehr hat gegenwärtig 34 aktive Mitglieder. Eigentlich benötigt sie eine Sollstärke von 50. „Wir müssen 22 Funktionen vorhalten wie Zugführer, Gruppenführer, Atemgeräteträger oder Maschinisten. Und diese Funktionen sollten alle doppelt besetzt sein. Das sind sie bei uns nicht. Durch die geringe Stärke ist die Belastung für die einzelnen Kameraden sehr hoch“, sagt Silvio Blumberg. Zu spüren war das in diesem Jahr besonders bei den Waldbränden, wo die Kameraden trotz der Unterstützung aus den Ortsteilen manchmal nicht ausgetauscht werden konnten.

Spezielle Probleme bereitet die Tagesbereitschaft, weil viele Kameraden im Schichtdienst oder außer­halb arbeiten. Deshalb werde bei Einsätzen in der Woche tagsüber je nach Einsatzlage sofort die Unterstützung der Wehren aus Falkenberg, Schönewalde oder Schlieben angefordert, erläutert Ralf Becker. Umgekehrt ist es genauso. „Die Zusammenarbeit mit den Wehren unserer Nachbarn klappt sehr gut“, so Silvio Blumberg. Dennoch braucht die Herzberger Wehr dringend Nachwuchs. Die Jugendfeuerwehr hat von den Bambinis bis zu den Jugendlichen zwar mehr als 30 Mitglieder, doch nur wenige bleiben nach der Schule in der Stadt und somit bei der Feuerwehr.

Aber nicht nur die personellen Ansprüche an die Kameraden wachsen, sondern auch die technischen. Die Arbeit der Feuerwehr wird immer professioneller, was ständige Weiterbildung erfordert. Silvio Blumberg nennt zum Beispiel neue Fahrzeugtechnologien, Elektrofahrzeuge oder alternativ angetriebene Fahrzeuge. Sind sie in Unfälle verwickelt, bedarf es spezieller Einsatzgeräte. Bei der Brandbekämpfung kommen immer neue Mittel zum Einsatz, Brandmeldeanlagen werden immer spezieller. Das alles müssen die Kameraden im Griff haben.

148 Einsätze hat die Herzberger Wehr in diesem Jahr bereits absolviert. Früher waren es im Durchschnitt 60 bis 80 im Jahr. „Seit etwa vier Jahren aber sind es 100 und mehr“, so Silvio Blumberg. Sein größter Wunsch ist es, die Stärke der Wehr weiter aufzustocken. „Wir freuen uns über jeden, der uns unterstützen möchte“, sagt er.