| 19:13 Uhr

LR vor Ort
Was zählt, ist die Gemeinschaft im Ort

LR vor Ort in Hohenbucko. Bei einer Flasche Bier oder einer Apfelschorle diskutierten die Hohenbuckoer über ihren Ort. Hier die beiden Gemeindearbeiter Andre Lehmann (r.) und Axel Pilz (2.v.l.), links Wehrleiter Andreas Jahl.
LR vor Ort in Hohenbucko. Bei einer Flasche Bier oder einer Apfelschorle diskutierten die Hohenbuckoer über ihren Ort. Hier die beiden Gemeindearbeiter Andre Lehmann (r.) und Axel Pilz (2.v.l.), links Wehrleiter Andreas Jahl. FOTO: Rudow / LR
Hohenbucko. Das „gallische Dorf“ Hohenbucko kämpft um Fördermittel für die Schulsanierung und gegen Windkraftanlagen. Von Birgit Rudow

Die Hohenbuckoer bezeichnen sich selbst gern als „gallisches Dorf“. Aber was ist das eigentlich? Die RUNDSCHAU hat am Donnerstagabend ihre Zelte bei den „Galliern“ in deren Zentrale Feuerwehr aufgeschlagen, um zu erfahren, was das Leben im Ort ausmacht, ob es eventuell einen Zaubertrunk gibt und vor allem, gegen wen sie eigentlich so unbeugsam und kämpferisch zu Felde ziehen.

Bürgermeister Dennis Lürding hatte gleich die passende Antwort parat. „Gegen die Aussagen der Landesregierung, dass der ländliche Raum ausstirbt. Das stimmt nicht“, sagte er. Und in den eineinhalb Vor-Ort-Stunden haben die Hohenbuckoer dann auch von allen Seiten beleuchtet, warum das bei ihnen nicht so ist. Das hat selbst die stellvertretende RUNDSCHAU-Chefredakteurin Bettina Friedenberg begeistert, die an diesem Abend aus Cottbus nach Hohenbucko gekommen war. „Hier hat tatsächlich keiner gemeckert. Man merkt sofort, dass die Leute miteinander reden“, resümierte sie. Dennis Lürding hat aber nicht nur gesagt, wogegen seine Leute kämpfen, sondern auch wofür: um jeden Einwohner, den Nachwuchs, um die kulturellen Highlights und natürlich ums Geld.

453 Einwohner zählt die Gemeinde. 134 sind älter als 65 Jahre und 68 sind Kinder und Jugendliche. „Das ist ein guter Mix“, so der Bürgermeister. Auch einige Zugezogene sind dabei. Die würden gut in die Gemeinschaft aufgenommen. Am schnellsten gehe das bei der Feuerwehr, sagt er. Kein Wunder. Die Feuerwehr ist der Dreh- und Angelpunkt im Ort. Allein die Jugendwehr hat 40 Mitglieder. „Aber auch die älteren Kameraden unterstützen uns, wo sie können“, so Wehrleiter Andreas Jahl.

Zur Gemeinde Hohenbucko gehört auch der Ortsteil Proßmarke. Die Gemeindevertretersitzung ist pari pari besetzt. „Wir streiten nicht. Das funktioniert“, sagt der Proßmarker Silvio Wassermann. Wenn in Proß­marke Dorffest ist, dann fahren die Hohenbuckoer hin und umgekehrt, meint Dr. Armin Hoske. Und auch beim (wenigen) Geld für Investitionen werde man sich einig. Im kommenden Jahr soll in Proßmarke der Gehweg gemacht werden, damit die Kinder besser zum Schulbus kommen. Da bleibt für Hohenbucko kaum Geld übrig. Aber die Proßmarker haben auch schon für Bauarbeiten im Nachbarort zurückgesteckt.

Was die Hohenbuckoer auszeichnet, ist ihr ausgeprägter Gemeinschaftssinn. „Wir schaffen vieles selbst, weil alle mitmachen“, sagt Gemeindearbeiter André Lehmann. Die Postsäule wird selbst gepflegt, der Saal saniert oder die Bauernstube flott gemacht. Am Feuerwehrgerätehaus hätten auch Leute mitgearbeitet, die nicht in der Feuerwehr sind, sagt er. Wenn die Gemeinde Hilfe braucht, finde sich immer ein Weg. Da wirft Dietmar Winkel gleich ein, dass der Straßenplatz wieder nicht gemäht wurde. Wenn keiner was einzuwenden hätte, würde er sich darum kümmern und auch gleich den Unterwuchs an den Linden verschneiden. So ist das bei den Hohenbuckoern.

Wo sie nichts anbrennen lassen, das sind die Jungen und die Alten. Dass es im Ort noch eine kleine Grundschule mit 75 Kindern (auch aus Fichtwald und Lebusa) gibt und nebenan eine Kita mit Hort, die 47 Kinder besuchen, macht sie stolz. Daran soll sich möglichst auch nichts ändern. Am baulichen Zustand der Schule allerdings schon. Und so will RUNDSCHAU-Redakteurin Sylvia Kunze, die den Abend moderiert, wissen, wie es um die Sanierung der Schule bestellt ist. Bester Ansprechpartner dafür ist Schliebens Amtsdirektor (ebenfalls Hohenbuckoer) Andreas Polz. Er berichtet von der Fördermittelodyssee und einem nicht eingehaltenen Versprechen des Innenministers. „Wir bekommen nicht mal 100 000 Euro, um mit der Wärmedämmung beginnen zu können“, sagt er. Er hofft jetzt auf die Fortsetzung der Kommunalinvestitionsförderung für den Bildungsbereich. „Vielleicht denken sie ja auch mal an die kleinen Kommunen“, so der Amtsdirektor. Er wünsche sich, dass das Schulgebäude auch von Weitem einen attraktiven Anblick bietet.

Und die ältere Generation? Abgesehen davon, dass sich der ehemalige Bürgermeister Karl-Heinz Alexander um die älteren Hohenbuckoer kümmert und dass jeden Monat Seniorenveranstaltungen stattfinden, scheint es mit dem Vorhaben „Betreutes Wohnen“ im ehemaligen Hotel voranzugehen. „Nach einem halben Jahr ist die Bauvoranfrage genehmigt worden“, berichtet Dennis Lürding. Wohnungen für etwa 70 Menschen und 20 Arbeitsplätze seien in Aussicht gestellt. Der Berliner Investor wolle mit regionalen Firmen arbeiten. „Wir sind zuversichtlich“, so Lürding.

Zuversichtlich war Sylvia Kunze zum Ende der Veranstaltung auch, herausgefunden zu haben, was in dem Zaubertrunk des gallischen Dorfes alles drin sein muss: literweise Gemeinschaftsgeist gemixt mit einer großen Portion Hilfsbereitschaft und mehr als nur einem Spritzer Einfallsreichtum. Der schlägt vor allem bei der Kultur durch. Zum Lichter- oder zum Dorffest kann sich jeder davon überzeugen. Da kennt der Spaß keine Grenzen.

Die Hohenbuckoer wissen aber auch, wo selbiger aufhört: nämlich bei Windkraftanlagen zu dicht an den Wohngebieten. Da sind sie bereit, ihre Interessen selbst vor Gericht durchzusetzen. Wie bei den Anlagen, die eine Firma an der Waldkante bauen möchte. Die Hohenbuckoer haben ihre Rentner in die Spur geschickt, dort den Horst des Milan zu finden. Und sie haben ihn gefunden. Der ehemalige Revierförster Willi Schmidt hat alles genau dokumentiert, so Karl-Heinz Alexander. Am Donnerstag hat das Oberverwaltungsgericht Berlin den Hohenbuckoern in diesem Rechtsstreit recht gegeben. Ob der Investor der Anlagen dagegen noch in Revision gehen kann, das wusste Schliebens Bauamtsleiter Harald Kutscher am Freitag noch nicht. Die RUNDSCHAU wird nächste Woche nachfragen. Doch wie auch immer. Das gallische Dorf hat sich wieder einmal durchgesetzt.

Die Hohenbuckoer verstehen viel Spaß. Bürgermeister Dennis Lürding hat beim Dorffest Zaubertrunk verteilt.
Die Hohenbuckoer verstehen viel Spaß. Bürgermeister Dennis Lürding hat beim Dorffest Zaubertrunk verteilt. FOTO: Dieter Müller
Andreas Polz
Andreas Polz FOTO: Rudow / LR
Dr. Armin Hoske
Dr. Armin Hoske FOTO: Rudow / LR
Dietmar Winkel
Dietmar Winkel FOTO: Rudow / LR
LR vor Ort 4c
LR vor Ort 4c FOTO: LR