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| 19:07 Uhr

Schönewalde
Was wird aus den „Lindenwürmchen“?

Werden die Kinder auch im nächsten Jahr noch in der Kita „Lindenwürmchen“ in Knippelsdorf spielen?
Werden die Kinder auch im nächsten Jahr noch in der Kita „Lindenwürmchen“ in Knippelsdorf spielen? FOTO: Dieter Müller
Schönewalde. Freie Trägerin hat Betreibervertrag gekündigt. Diakonie ist an einer Trägerschaft interessiert. Von Birgit Rudow

Schönewalde hat ein Problem, und das heißt Kita „Lindenwürmchen“ im Ortsteil Knippelsdorf. Die Knippelsdorfer Kita ist die einzige der vier Einrichtungen im Stadtgebiet, die sich in privater Trägerschaft befindet. 2004, nachdem die Stadt die Kita in Knippelsdorf wie auch die in Jeßnigk, Brandis, Wildenau und Grassau geschlossen hat, hat Simone Grulich die Kita „Lindenwürmchen“ als Trägerin übernommen und einen Betreibervertrag erhalten. Die Kita, die nach dem Kneipp-Konzept arbeitet, hat eine Betriebserlaubnis für 30 Kinder und ist mit 28 Kindern sehr gut ausgelastet. Etwa die Hälfte der Steppkes kommt aus Teltow-Fläming. Für deren Betreuung bekommt die Stadt Schönewalde vom Nachbarkreis eine Umlage.

Am 17. August hat Simone Grulich die Stadtverwaltung in einem Gespräch darüber informiert, dass sie den Betreibervertrag zum Jahresende kündigen wird. „Ich bin Trägerin, Leiterin und Erzieherin in einer Person. Das schaffe ich gesundheitlich nicht mehr“, sagte Simone Grulich am Donnerstag zur RUNDSCHAU. Für die Stadt sei die Kündigung durch Frau Grulich zum Jahresende sehr kurzfristig gewesen, so Schönewaldes Bürgermeister Michael Stawski (parteilos). Man habe sich deshalb auf den 28. Februar 2019 geeinigt.

Jetzt steht die Frage, was mit der Kita wird. Am Mittwochabend war sie Gegenstand der Schönewalder Stadtverordnetenversammlung, zu der auch Eltern von Kindern der Einrichtung zahlreich vertreten waren. Michael Stawski erläuterte aus Sicht der Stadt noch einmal die Ereignisse der vergangenen Wochen. Im September hätten sich der Kultur- und Bildungsausschuss bzw. der Hauptausschuss mit der Kita beschäftigt. Dabei hätten die Eltern den Wunsch geäußert, dass die Kita weiter betrieben wird, egal ob unter einem neuen Träger oder als kommunale Einrichtung, sagte er. 400 Unterschriften sind laut Simone Grulich für den Erhalt der Kita gesammelt worden. Sie habe einen Brief an die Abgeordneten der Stadt geschrieben. Freie Träger seien angesprochen worden. Der ASB Herzberg habe eine Übernahme abgelehnt, so der Bürgermeister. Mit dem ASB Dahme stehe am 12. Oktober ein Gespräch an. Simone Grulich hat Kontakt zum Verein Diakonisches Werk Elbe-Elster e.V. aufgenommen. Dessen Tochtergesellschaft Evangelische Schulgemeinschaft Niederlausitz gGmbH betreibt bereits mehrere Kindereinrichtungen und Schulen.

Geschäftsführer Stefan Branig zeigt Interesse an der Kita in Knippelsdorf. In der Stadtverordnetenversammlung legte er seine Vorstellungen dar. Am Dienstag hätten die Eltern der Diakonie Elbe-Elster einstimmig ihr Vertrauen ausgesprochen, sagte er. Das Betreiben der Einrichtung durch die Diakonie würde die Stadt jährlich 32 000 Euro für technische Kräfte, Bewirtschaftung und Verwaltungsumlage kosten, so Stefan Branig.

Bisher hat die Stadt laut Bürgermeister jährlich 8000 Euro für Betriebskosten an die Kita-Trägerin gezahlt. Weitere Gelder seien nicht beantragt worden. Die Stadt wollte dafür Haushaltsabrechnungen sehen, die die Kita nicht vorgelegt habe, so Stawski. Simone Grulich sagt hingegen, sie habe selbst um die 8000 Euro bitten müssen.

Die Stadt hat nach ihr bisher vorliegenden Angaben zur Kita auch eine Rechnung aufgestellt, was sie die Kita in kommunaler Trägerschaft kosten würde. Dabei ist sie auf eine Summe von 24 000 Euro gekommen, wobei hier eine Verwaltungskostenpauschale nicht zur Anwendung kommt. Abzüglich der 8000 Euro Betriebskosten wäre das ein Mehraufwand von 16 000 Euro.

Neben den Kosten betrachtet die Stadt auch die Auslastung ihrer anderen Einrichtungen im Stadtgebiet. Während die Dubroer Kita mit 34 Kindern komplett ausgelastet ist, sind in der Kita „Regenbogen“ in Schönewalde nur 41 von 70 Plätzen belegt. Die Krippe „Pusteblume“ in Ahlsdorf ist mit 23 Kindern bei einer Kapazität von 50 gerade mal zur Hälfte ausgelastet. Für Schönewalde als hochverschuldete Kommune mit einem nicht genehmigten Haushalt sind diese Fakten zur Wirtschaftlichkeit nicht unerheblich.

Die Stadtverordneten diskutierten das Thema mit gemischten Gefühlen. So zeigte Holger Kliebisch (CDU) Verständnis für die emotionale Diskussion. Man habe nicht vor, die Kita zu schließen, er sehe aber keine Möglichkeiten, in Schönewalde noch weiter zu sparen, sagte er. Klaus Wagner (CDU) schlug sogar vor, Einsparungen aus einer Kreditumschuldung und einen Teil der Abgeordnetendiäten für den Erhalt der Kita einzusetzen. Klaus Ullrich (Nachhaltige Zukunft) forderte einen deutlichen Willen, die Kita zu erhalten und Gerwin Hinrich (Ländliche Fraktion) mahnte zu überlegen, wo das Geld für eine freie oder kommunale Trägerschaft herkommen solle.

Der Bürgermeister forderte am Mittwochabend alle Beteiligten auf, jetzt erst einmal durchzuschnaufen. In den nächsten Ausschüssen und in der SVV am 4. November werde man weiter reden, sagte er. „Wir als Verwaltung sind bemüht, alle Fakten auf den Tisch zu legen und eine Lösung zu finden, die man auch in zwei, drei Jahren noch vertreten kann“, sagte er der RUNDSCHAU am Donnerstag am Telefon.

Simone Grulich zeigte sich bei einer Nachfrage der RUNDSCHAU am Donnerstag vom Verlauf der Stadtverordnetenversammlung enttäuscht. „Man konnte das Gefühl bekommen, dass man uns gar nicht will“, sagte sie.