Anfang dieser Woche stand der 20-Jährige in der RUNDSCHAU-Redaktion aus einem weniger schönen Anlass, doch einer um so besseren Geschichte.
1996 ist Sebastian Rzepka mit seiner Mutter von Weißwasser nach Herzberg gezogen. Hier ging er in die Clajus-Schule und machte 2002 seinen 10.-Klasse-Abschluss. Die Berufsvorstellungen waren vage. Doch etwas Handwerkliches sollte es sein - vielleicht Fliesenleger. Sebastian hatte einen Freund, der bereits im Westen lernte. Also wurde der Versuch, einen Ausbildungsplatz zu bekommen, gleich weit südlich von Herzberg, im Raum Essen gestartet. Der Freund half bei den Bewerbungen, und die Bemühungen hatten Erfolg. Sebastian bekam gleich eine Lehrstelle als Fliesen-, Platten- und Mosaikleger in dem kleinen Betrieb des Esseners Wolfram Schmitz. „Es war aber von Anfang an klar, dass dieses kleine Unternehmen mich nach Abschluss der Ausbildung nicht übernehmen wird“ , erzählt Sebastian.
Das erste Jahr war schwer für den Jungen. Oft hatte er Heimweh und wollte zurück. Doch da war die Mutter, die mahnte, die Ausbildung ordentlich zu Ende zu bringen. Wie viele hätten erst gar keine Lehrstelle. Heute ist er seiner Mutter dankbar für deren Hartnäckigkeit.
Sebastian kam in Essen immer besser zurecht und schloss seine Lehre mit ausgezeichneten 86 von 100 möglichen Punkten ab. „Das war ganz knapp an einer eins vorbei“ , sagt er stolz.
Für einen Job dort reichte es aber nicht. „Auch in Essen sieht es leider nicht sehr rosig aus. Kurz bevor ich mit meiner Ausbildung fertig war, ist erst ein großer Fliesenlegerbetrieb krachen gegangen“ , erzählt Sebastian. So führte sein Weg im August zurück nach Herzberg, wo er sich eine kleine Wohnung nahm. Das Arbeitslosengeld, meint er, reicht gerade für Wohnung, Essen und die laufenden Ausgaben.
Er möchte es bei der Bundeswehr versuchen, sich für acht Jahre verpflichten. Fallschirmspringer will er werden Am 28. November geht es dafür zur Musterung nach Berlin.
Vorher hat Sebastian aber noch einen anderen wichtigen Termin. Das heißt, er hätte ihn gern. Denn er weiß noch nicht, wie er ihn finanziell bewerkstelligen soll. Vor ein paar Tagen bekam er Post von der Handwerkerschaft Essen. Am 20. November findet in Essen die Lehrlingsbestenehrung der Handwerkerschaft Essen statt. Und Sebastian Rzepka ist mit dabei. Er war nämlich der beste Prüfling des Innungsbereiches Fliesenleger. Seine Mutter ist darauf besonders stolz. „Und es kann doch auch mal in der Zeitung stehen, wenn ein Herzberger in der Fremde so gute Leistungen zeigt“ , sagt sie. Das Problem ist nur, dass Sebastian das Geld nicht hat, um nach Essen zu fahren. Um die Übernachtung kümmert sich sein ehemaliger Chef. „Doch die 100 Euro, die ich für die Fahrt bräuchte, habe ich nicht“ , sagt er. Seine Mutter als Hartz IV-Empfängerin kann ihm nicht helfen. Ergebnislos waren auch die Bemühungen bei der Arbeitsagentur. Für solche Dinge gebe es keinen Topf. Fahrkostenzuschüsse könnten nur bei Reisen zu Vorstellungsgesprächen gezahlt werden, erfuhr von dieser Stelle auch die RUNDSCHAU.
Sebastian Rzepka und seine Mutter hoffen nun auf eine Art Sponsor. „Auch wenn wir uns nicht viel Hoffnung machen, vielleicht kann die Zeitung ja doch etwas bewirken“ , meint Sebastian. Denn zu gern würde er in Essen bei der Auszeichnungsveranstaltung dabei sein. Unter Handy ist er auf der Nummer 0162 9719218 zu erreichen.