| 02:34 Uhr

Warum in Polzen immer Weihnachten ist

Das Handwerksmuseum im Gut "Ulmenhof" in Polzen sorgt ganzjährig für Beschäftigung. Aktuell wird weihnachtlich dekoriert.
Das Handwerksmuseum im Gut "Ulmenhof" in Polzen sorgt ganzjährig für Beschäftigung. Aktuell wird weihnachtlich dekoriert. FOTO: sk
Polzen. Dörfliches Leben, Ruhe und Abgeschiedenheit als Medizin und Therapie zum Heilen. Aber nicht abgeschottet, sondern mittendrin. Die Miteinander gGmbH setzt diese Maßgabe in der Einrichtung im Gut Polzen um. Schwerpunkt ist dabei das stetig wachsende Handwerksmuseum. Sylvia Kunze

Im Gut "Ulmenhof" herrscht schon jetzt geschäftiges vorweihnachtliches Treiben. Das Handwerksmuseum wird herausgeputzt. 500 liebevoll mit Geschenkpapier umhüllte Päckchen sind dekorativ zu verteilen, an die 1500 Sterne anzuhängen und bis zu 3000 Schneeflocken zu drapieren. Um nur einen Teil der anstehenden Arbeiten zu nennen. "Aber eigentlich ist bei uns immer Weihnachten. Das gesamte Jahr über", verrät Lydia Hoppe, Geschäftsführerin der Miteinander gGmbH, die das Gut in Polzen mit 16 stationären Plätzen betreibt. Weitere Einrichtungen dieser Art unter dem Dach der Gesellschaft befinden sich in Cottbus und Forst. "Und alle finden in Polzen zusammen", berichtet die Chefin.

Das 2013 in einer Scheune des Ulmenhofes eröffnete Handwerksmuseum, das wie eine Dorfstraße gestaltet ist, ist dabei der Dreh- und Angelpunkt. "Es verschafft uns die Flexibilität, für jeden unserer Bewohner und Klienten eine Aufgabe zu finden", begründet Lydia Hoppe. Teilhabe an gesellschaftlichem Leben könne aktiv gelebt und jeder nach seinen Fähigkeiten eine Arbeit leisten, die gesellschaftliche Anerkennung finde.

Konkret sieht das so aus, dass das gesamte Jahr über für das Museum und im Museum gearbeitet wird. Anfang des Jahres heißt es dort erst einmal, die umfangreiche Weihnachtsdeko zu entfernen. Später dann geht es an die Weiterentwicklung des Angebots. Seit der Eröffnung, bei der es sieben Werkstätten gab, ist deren Anzahl auf 16 angewachsen. In 15 kleinen Fachwerkhäuschen und einem Umgebindehaus gibt es Einblick in verschiedene alte Handwerke, zum Beispiel Holzschuhmacherei, Musikinstrumentenbau, Wagnerei und Stellmacherei, Tischlerei und Spielzeugmacherei. "Es ist immer noch etwas Platz", zeigt Lydia Hoppe Handlungsspielraum auf.

Sie ist froh darüber, denn gerade das Bauen der Häuschen sei gute "Männerarbeit" für jene Bewohner, die solche durchaus noch leisten können. Wer dieser nicht mehr so gewachsen sei, finde Beschäftigung bei anderen Aufgaben, zum Beispiel beim Instand- und Sauberhalten der ausgestellten Werkzeuge oder beim Basteln der weihnachtlichen Dekoartikel. Nicht nur die Bewohner der Polzener Einrichtung werden darin eingebunden, sondern auch jene der anderen Standorte der Gesellschaft. Entweder in ihren Einrichtungen selbst oder direkt in Polzen.

Aktuell wird schon mit Hochdruck auf den Adventsmarkt und die sich daran anschließende Ausstellungszeit hingearbeitet. Wieder sind alle eingebunden. Mal fährt ein Kleinbus aus Cottbus, mal einer aus Forst vor, um Helfer zu bringen. "Das fast ganzjährig geöffnete Handwerksmuseum hat sich als Glücksfall erwiesen. Nicht nur, dass wir jetzt das gesamte Jahr über irgendwie Weihnachten haben, wir können das gesamte Jahr über echte Teilhabe ermöglichen", freut sich Lydia Hoppe.

Teilhabe übrigens auch in der Form, dass die Bewohner mitten im Leben stehen. "Wir sind im Dorf nach anfänglichen Vorbehalten zu ganz normalen Nachbarn geworden", freut sich die Geschäftsführerin. Und wo Eingliederung ins normale Leben nicht mehr funktioniere, "holen wir uns mit dem Museum die Gesellschaft sozusagen ins Haus."

Zum Thema:
Die Miteinander gGmbH ist eine brandenburgische Firma, die seit 1993 im Bereich der sozialtherapeutischen Hilfen tätig ist. Die Schwerpunkte der Arbeit liegen in der stationären und ambulanten Therapie von chronisch mehrfachgeschädigten Abhängigkeitskranken, den Hilfen zur Erziehung, der ambulanten Hilfe für psychisch Erkrankte sowie in der offenen Jugendarbeit und in der Schulsozialarbeit.Der Adventsmarkt lädt am 25. November ab 16 Uhr ein. Ab dem 1. Dezember bis zum 31. Januar kann das Handwerksmuseum als weihnachtliches Märchendorf (ohne Markt) besucht werden. Anmeldung für Gruppen: Telefon 03535 248801, E-Mail ulmenhof@lausitz.net.