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Warum die Stadt Schlieben ein "Dorf" mit Zukunft werden will

Die Stadt Schlieben hat sich gestern als ein kleiner ländlicher Ort mit Zukunft der kreislichen Jury vorgestellt. Nach einer umfassenden Präsentation im Amtshaus blieb leider nur noch Zeit für zwei "Außentermine". Ein Zwischenstopp wurde im Drandorfhof eingelegt. Danach ging es noch zur Schule.
Die Stadt Schlieben hat sich gestern als ein kleiner ländlicher Ort mit Zukunft der kreislichen Jury vorgestellt. Nach einer umfassenden Präsentation im Amtshaus blieb leider nur noch Zeit für zwei "Außentermine". Ein Zwischenstopp wurde im Drandorfhof eingelegt. Danach ging es noch zur Schule. FOTO: sk
Schlieben. Das Ortseingangsschild grüßt. Gleich nebenan wird Gras gemäht. Der würzige Duft wird vom Wind getrieben. Supernasen dürften den Geruch selbst noch im Verwaltungsgebäude des Amtes wahrnehmen, in dem die kreisliche Jury des Wettbewerbs "Unser Dorf hat Zukunft" Platz genommen hat. Sozusagen mitten in der Stadt. Bei einem Dorfwettbewerb? Sylvia Kunze

"Dem Aufruf zum 10. Landeswettbewerb ,Unser Dorf hat Zukunft' folgend sind räumlich zusammenhängende Gemeinden sowie Gemeindeteile (Ortsteile) mit überwiegend dörflichem Charakter mit bis zu 3000 Einwohnern zur Teilnahme zugelassen. Dabei sind Anmeldungen von Vereinen und Gemeindevertretungen möglich", erläutert Pressesprecher Torsten Hoffgaard mit Blick auf den bei dieser Frage wichtigsten Passus der Ausschreibungsunterlagen.

Und weiter: "In der Anlaufberatung zum 10. Landeswettbewerb wurde seitens des Ministeriums für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft signalisiert, dass auch die Bürger aus dünnbesiedelten Gebieten, deren Orte und Ortsteile die 3000er-Einwohnergrenze einhalten, die Gelegenheit bekommen sollten, ihren Heimatort mit seinen Eigenarten, seiner Entwicklung und auch seinen Problemen öffentlich vorzustellen. Ortslagen mit Stadtrecht sollten sich nicht scheuen, am Wettbewerb teilzunehmen, soweit sie die Einwohnerzahl von 3000 nicht überschreiten. Auch hier werden besondere Entwicklungspotenziale gesehen, die gerade den dünn besiedelten äußeren Entwicklungsraum nachhaltig prägen." Genau das hat Schlieben getan. Es hat sich nicht gescheut, denn mit Verlaub gesagt und ohne den Schliebenern zu nahe treten zu wollen, ist der Ort auch nicht mehr als ein größeres Dorf - nur eben mit Stadtrecht. 1600 Einwohner zählt es gerade mal, rechnet man die eingemeindeten Dörfer dazu, käme man auch nur auf 2500. "Wir sind ländlich geprägt, und deshalb wagen wir uns in den Wettbewerb", sagt Amtsdirektor Andreas Polz, der die beruflich verhinderte Bürgermeisterin Cornelia Schülzchen vertritt. Dann zählt er sie auch schon auf: die vielen Pluspunkte, die belegen, dass Schlieben auf jeden Fall ein Ort mit Zukunft ist und dass sich hier in den vergangenen Jahren viel getan hat und weiter bewegt wird. Er berichtet vom Boom in den Kindereinrichtungen, die sicher auch dank des Bundesprogrammes KitaPlus, an dem sich das Amt Schlieben beteiligt, für Eltern, die spezielle Betreuungszeiten für ihren Nachwuchs benötigen, besonders attraktiv sind. Er skizziert das Modell Schule, Hort und Bibliothek unter einem Dach und verweist darauf, dass es Vorbild für die Entwicklung von Schulzentren in Brandenburg sei. Polz spricht außerdem von den 18 Vereinen und ihren Aktivitäten, die das Gemeinschaftsleben immens bereichern. Außerdem ist die Rede von aktiven Senioren, von einem historischen Stadtkern (seinen Möglichkeiten ebenso wie seinen Problemen hinsichtlich Barrierefreiheit), und wie Bürger ihre Sorgen schnell an die Verantwortlichen von Stadt und Amt herantragen können.

Am Ende wird die Zeit knapp. Im Eiltempo geht es noch zu wirklich nur sehr kurzen Abstechern zum Drandorfhof und zur Schule. Zur Kellerstraße und zu den dort befindlichen 34 Weinkellern schafft man es nicht mehr, denn die Jury muss weiter. Sie wird in einer halben Stunde in Züllsdorf und danach noch in Gräfendorf erwartet. Heute ist sie in Schraden und in Werenzhain. Bereits am Montag stand Martinskirchen auf dem Plan.