Ihre gute Vorarbeit hatte sich ausgezahlt, denn nach dem Start brauchten sie „nur“ noch ihrer Wunschroute folgen. Zu Hilfe nahmen sie täglich eine ausgearbeitete Liste, die im Nachhinein auch gut als Tagebuch diente. Auf dem Zettel standen die Stationen mit Adressen und Telefonnummern, im Notfall auch die von Tierärzten und Hufschmieden. „Zum Glück mussten wir nicht einmal krankheitsbedingt einen Stopp einlegen. Auch die Hufeisen haben gehalten“ , zeigte sich Anne Eggeling erleichtert. Vor Antritt der Reise hatten die beiden Freundinnen ihre Vierbeiner und natürlich sich selbst durchchecken lassen.
Die erste Nacht verbrachten die Fünf, denn auch Mischlingshündin „Nebel“ war dabei, in Wehrenzhain. Weitere Übernachtungen folgten in Waltersdorf, Briesensee, Mochow, Schneeberg und in einem anderen Herzberg, wo natürlich ein Foto vor dem Ortseingangsschild entstand. Außerdem führte der Weg über Glienicke, Spreenhagen, Wesendal nach Schmachtenhagen, wo eine Cousine besucht wurde. Die letzten Stationen hießen dann unter anderem Liebenwalde, Storkow und ganz speziell die Schleuse Kannenburg bei Hammelspring.
Einen Abstecher gab es dann sogar noch nach Templin. „Wir sind viel im Forst geritten. Die brandenburger Wälder mit den alten Eichen und zum Teil riesigen Buchenwäldern sind einfach wunderschön“ , schwärmte die 38-jährige Schleswig-Holsteinerin. Ihr gefielen vor allem auch die langen Reitwege fernab jeglicher Großstädte. Froh waren die beiden aber, dass sie nicht unbedingt nach Landkarte reiten mussten, sondern ein Navigationsgerät zum Reisegepäck gehörte. So konnten sie schnell wieder den rechten Weg finden.
Bei Waltersdorf hatten sie sogar Gelegenheit, Kraniche zu beobachten, und am Schwielochsee ritten beide eine kurze Strecke durch das Wasser. Um ihre Route abzuarbeiten, spielte das Wetter bestens mit. Täglich Sonnenschein pur, den hatten sich die beiden Reiterinnen gewünscht und bekamen ihn auch. Nur an einem Vormittag regnete es, so konnte das Frühstück mal ein wenig verlängert werden.
Das Tagespensum lag bei 20 bis 30 Kilometern, die längste Strecke notierten sie mit 36 Kilometern. Geschlafen wurde meist auf der Isomatte im Schlafsack. Als Bett diente Heu oder Stroh - eben für Wanderreiter ganz urig und dicht bei den Pferden. Günstige Quartiere mit Stall und sauberen Waschgelegenheiten gab es genügend. „Nach dem Aufwachen haben wir immer zuerst unsere Pferde gefüttert, in Ruhe gefrühstückt, gepackt, aufgesattelt und gegen 11 Uhr ging es weiter“ , erzählte Anne Eggeling.
Toll fand die Herzbergerin auch, dass sie unterwegs viele Reiter kennen lernten, die sich am liebsten angeschlossen hätten. Zu ihrem schönsten Urlaubserlebnis in diesen zwei Wochen zählte die Überquerung des Templiner Kanals. „Es war eine schwimmende Holzbrücke. Sie senkte sich wie eine Wippe. Doch keiner von uns wusste etwas davon“ ", gab die 26-Jährige zu. „Erst einmal drauf, gab es kein zurück mehr. Wir schafften es alle Fünf.“ Die Autobahnüberquerung sei da viel leichter gewesen.
So sammelten Pferd und Reiter gemeinsam Erfahrungen auf der insgesamt 300 Kilometer langen Strecke. Nur kurze Abschnitte davon führten die beiden Frauen ihre Pferde zu Fuß. Hündin „Nebel“ rannte wohl ein paar Kilometer mehr, denn streckenweise jagte sie rechts und links im Wald umher. Die Rücktour allerdings erfolgte per Auto. Carsten Eggeling holte die Fünf von der Schleuse Kannenburg in der Nähe Templins ab.
Ein einmaliges Erlebnis soll dieser gemeinsame Ausflug hoch zu Ross nicht bleiben. Mittlerweile haben beide Reiterinnen jeweils rund 900 Kilometer auf dem Rücken ihrer Pferde hinter sich und Lust auf einen neuen Ritt. Den wird es dann wahrscheinlich im nächsten Jahr geben.