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Gespannfahren
,,Waldgeist” trabt fast allen davon

Mandy Müller-Bär und ihr Mann Dietrich Max Bär aus Beiersdorf voll in Aktion bei dem Turnier in Katzow, Mecklenburg-Vorpommern. Bei dieser rasanten Geländefahrt mit Wasserhindernis in der mittelschweren Klasse belegten sie in der Prüfung Platz 2 und gewannen die kombinierte Wertung.
Mandy Müller-Bär und ihr Mann Dietrich Max Bär aus Beiersdorf voll in Aktion bei dem Turnier in Katzow, Mecklenburg-Vorpommern. Bei dieser rasanten Geländefahrt mit Wasserhindernis in der mittelschweren Klasse belegten sie in der Prüfung Platz 2 und gewannen die kombinierte Wertung. FOTO: privat
Beiersdorf. Mandy Müller-Bär und Dietrich Max Bär aus Beiersdorf haben sich dem Gespannfahren verschrieben und sind damit erfolgreich. Manfred Feller

Ganz ehrlich: Gespannfahren ist nichts für Pferde-streichler. Ein paar Runden auf dem kleinen Beiersdorfer Rasenbolzplatz reichen, um im wahrsten Sinne des Wortes zu spüren, wie hart dieser Sport sein kann. Die sitzende Fahrerin und der gewichtsverlagernde, stehende Beifahrer werden auf dem robusten und nur 140 Kilogramm leichten Stahlwagen mächtig durchgeschüttelt. Und das trotz der Federung.

Gespannfahrer wie Mandy Müller-Bär und ihr Ehemann Dietrich Max Bär muten sich noch viel mehr zu. Beim Gelände- oder auch Marathonfahren innerhalb eines Wettbewerbs werden zwölf bis 15 Kilometer zurückgelegt. "Während einer Pause wird das Pferd ärztlich untersucht. Ist alles in Ordnung, geht es weiter", erläutert die Wagenlenkerin eine der strengen Regeln. Dem muskulösen, trainierten Vierbeiner würden derartige Touren nichts ausmachen. Im Gegenteil: "Waldgeist", so heißt der Haflinger, könne es stets kaum erwarten, endlich loszutraben.

Der für die Zucht zugelassene Hengst ist mit seinen elf Lenzen im besten Wettkampfalter. "Mit vier bis fünf Jahren beginnt das Training. Zwischen acht und 15 Jahren bringen diese Pferde die besten Leistungen", weiß die erfahrene Pferdesportlerin. Sie hat "Waldgeist" aufgezogen und ausgebildet.

Trainiert wird an jedem zweiten Tag, dazwischen gibt es lockeres Auslaufen. Jede Disziplin verlange eine andere Vorbereitung. Beim Dressurfahren müssen wie bei der wagenlosen Dressur die Gangarten Schritt und Trab bei unterschiedlichem Tempo sauber ausgeführt werden. Hier wiegt der Wagen etwa 180 Kilogramm. Eine akkurate Ausführung ist auch beim Hindernisfahren gefragt. Hierbei müssen Kegel mit einem Ball obendrauf ohne Berührung umfahren werden.

Wenn es um Zentimeter geht, dann ist absoluter Gehorsam gefragt. "Ich trainiere nur mit Stimme und Leine", versichert die 38-jährige gelernte Tierwirtin. "Wenn ich dem Pferd einen Klaps auf den Hintern geben würde, nähme es mir das zwei Tage lang übel."

"Pferde sind sehr intelligente Tiere", ergänzt ihr Mann. Auch er halte nichts von Gewalt gegenüber dem Huftier. "Die Peitsche ist nicht zum Schlagen da. Sie ist vielmehr der verlängerte Arm des Kutschers." Die Verbindung zum Pferd sei die Leine, beim Reiter die Zügel. "Die Leine überträgt jeden Pulsschlag, jede noch so kleine Bewegung. Das Pferd weiß, was es zu tun hat - ob langsam, schnell, links oder rechts. Wer an der Fahrleine zieht, ist ein Bauernkutscher", sagt der 64-Jährige knallhart.

Der größte Erfolg der Beiersdorfer liegt zwei Jahre zurück. 2015 wurde ein internationales Turnier in der Kategorie Einspänner Pony gewonnen. Pony deshalb, weil Haflinger "Waldgeist" eine Stock- beziehungsweise Widerristhöhe von weniger als 1,48 Meter hat - gemessen am Ansatz von Rücken zu Hals.

In diesem Jahr hatten Mandy Müller-Bär und ihr Mann sogar an einer WM-Sichtung in Bad Segeberg teilgenommen. Das war nicht in der Einsteiger- (E), Anfänger- (A) oder mittelschweren (M), sondern in der qualitativ hochwertigen schweren Klasse (S). In der kombinierten Wertung unter 25 Teilnehmern mehrerer Länder, auch ehemalige WM-Starter waren darunter, belegten die Gespannfahrer aus Elbe-Elster Platz 18. Sie vertraten in dieser Klasse als einzige das Bundesland Brandenburg. "Mit diesem Ergebnis sind wir sehr zufrieden", sagt die Beiersdorferin. Es folgte in diesem Jahr bei den Landesmeisterschaften der Vizetitel.

2018 möchte sie bei den deutschen Meisterschaften und international starten. "Leider erhalten wir keine Unterstützung vom Pferdesportverband Berlin/Brandenburg. Wir sind lediglich in den Landeskader berufen worden", bedauert sie. Nur der Nachwuchs und die Profis würden Hilfe erhalten. Deshalb werde es schwer, ohne Sponsoren die Ziele zu erreichen.

Das Paar, Mitglied im Reit- und Fahrverein Sonnewalde, betreibt nebenbei einen Zucht- und Fahrstall, züchtet seit mehr als zehn Jahren Haflinger und bildet auch fremde Tiere zu Fahrpferden aus.

Mandy Müller-Bär stammt aus Thüringen, ihr Mann aus dem Vogtland. Kennengelernt haben sie sich auf einem Reiterball. Beide vereint seit Jugendtagen die Liebe zum Pferd. In Elbe-Elster sind sie seit 2015 heimisch geworden, weil sie dort den ersehnten Hof mit Grünland drum herum gefunden haben. Sie arbeitet als Tierwirtin in der Röderland GmbH Bönitz. Er ist Teilzeitrentner und noch hin und wieder als Berufskraftfahrer im Fernverkehr unterwegs.

"Waldgeist" wird von Mandy Müller-Bär und ihrem Mann vor den Dressurwagen gespannt. Das Zaumzeug muss perfekt sitzen.
"Waldgeist" wird von Mandy Müller-Bär und ihrem Mann vor den Dressurwagen gespannt. Das Zaumzeug muss perfekt sitzen. FOTO: Kein Fotograf erkannt!
Auf dem Rasenplatz in Beiersdorf wird für die Wettkämpfe trainiert.
Auf dem Rasenplatz in Beiersdorf wird für die Wettkämpfe trainiert. FOTO: Kein Fotograf erkannt!