ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:37 Uhr

Großeinsatz findet kein Ende
In der Heide brennt es den vierten Tag in Folge

Feuerwehrleute, im Bild Marc Ruthkowski aus Prettin, bekämpfen auch am Montag noch Brandnester und sichern den spärlichen Brandschutzstreifen.
Feuerwehrleute, im Bild Marc Ruthkowski aus Prettin, bekämpfen auch am Montag noch Brandnester und sichern den spärlichen Brandschutzstreifen. FOTO: Sven Gückel
Annaburger Heide. Schwere Räumtechnik soll in der Annaburger Heide zum Einsatz kommen. Kreisbrandmeister geht inzwischen von Brandstiftung aus. Von Sven Gückel

Den vierten Tag in Folge brennt es in der Annaburger Heide. Große Flammen schlagen derzeit nicht aus, aber immer wieder entdecken Feuerwehrleute kleinere Schwelbrände, die, wenn man sie nicht löscht, sich durchaus zu einem neuen Flammenmeer entwickeln können.

Wenn Roland Karthäuser, Kreisbrandmeister des Landkreises Wittenberg und Einsatzleiter bei der Bekämpfung des Feuers in der Annaburger Heide, nach seiner Einschätzung der Lage gefragt wird, kommt er schnell zu einem Schluss: „Wir sind körperlich am Ende, haben keine Leute mehr, die wir einsetzen können“, betont er. Er müsse daher seine Kameraden schützen. „Was wir hier betreiben, ist ein Kampf gegen Windmühlen. Es braucht Alternativen“, appellierte er an Bundesforst und Bundeswehr. Deren Vertreter, René Bruschke als Betriebsleiter der Bundesforst in der Annaburger Heide und Oberst Mario Herzer als zuständiger Militär für das Areal, pflichten Karthäuser bei, zumal sie wissen, dass spätestens am Dienstagvormittag die letzten Feuerwehrkameraden vor Ort abgezogen werden sollen.

Freitag und Samstag waren jeweils 150 Männer und Frauen im Einsatz, Sonntag 120 und am Montag noch einmal 80. Die meisten von ihnen gehen einer Arbeit nach, stehen damit kaum noch zur Verfügung. Auch die Fliegerhorstfeuerwehr schickte am Montag noch einmal einen Löschtanker mit 8000 Liter Wasser an Bord. Doch der allein kann es auf Dauer nicht richten.

Die Lösung könnte der Einsatz von Lösch- und Schanzenpanzern sein. Sie sollen an entsprechender Stelle angefordert werden, so das Ergebnis einer Beratung Montagvormittag, wenige Meter von dem Ort entfernt, wo das Feuer am Wochenende noch wütete. „Um hier das Feuer bis auf den Grund zu löschen, bedarf es schwerer Räumtechnik“, unterstrich Bruschke. Denn die Glutnester liegen zum Teil bis zu einem halben Meter unter der Erde, zehren vom Wurzelwerk der Bäume. Ein Panzer mit Schiebeschild etwa könnte tiefer ins Erdreich greifen und dabei gleichzeitig einen Brandschutzstreifen um die noch glimmenden Gebiete ziehen. Den Rest könne man nur kontrolliert abbrennen lassen. „Die Bundesforst hat heute einen entsprechenden Antrag an das Landeskommando Sachsen-Anhalt gestellt. Demnach wird das Pionierbataillon in Havelberg umgehend beauftragt, einen Pionierpanzer Typ ‚Dachs’ in die Annaburger zu entsenden. Die Kosten hierfür trägt die Bundeswehr”, gab Mario Herzer gegen Mittag bekannt.

Die Brandbekämpfung deckte gleichsam ein Problem auf, das weder neu noch unlösbar ist. Im gesamten Areal ist so gut wie kein Handybetrieb möglich. Der Bau eines entsprechenden Funkmastes sei längst beantragt, die Telekom selbst hat sich in der Heide schon am geplanten Standort umgesehen. Nur passiert ist eben noch nichts. Wie es heißt, müsse zuvor eine Stromleitung hin zum Mast verlegt werden. Dahingegen hat das Land Sachsen-Anhalt der Bundesforst die Montage einer zusätzlichen Kamera zur Feuerüberwachung angeboten. Das Problem dieser Geräte ist aber, dass sie das menschliche Auge nicht ersetzen. Auch die ersten Rauchsäulen am Freitag nahmen die aktiven Kameras nicht wahr. „Wenn sich der Qualm mit zu wenig Kontrast vom Hintergrund nicht klar abzeichnet, löst das keinen Alarm aus“, ergänzte Revierförster Norbert Hildebrandt. Nicht wenige Forstleute trauern daher der alten Feuerwache durch Manpower nach.

Den Schaden des Feuers zu beziffern, wird noch Wochen dauern. Froh ist man erst einmal nur, dass es keine Verletzten unter den Einsatzkräften gab und die Technik alles gut überstand. Auch zur Brandursache kann man sich noch nicht genau äußern. Allerdings gehe man inzwischen von Brandstiftung aus. „Sowohl die Entstehung, als auch der Fortlauf des Brandes werfen einige Fragen auf“, so Kreisbrandmeister Karthäuser. Vorsorglich habe man deshalb Anzeige gegen Unbekannt gestellt, zudem patrouillieren die Feldjäger derzeit verstärkt in der Heide.