| 02:43 Uhr

Wahlkampf geht in den Endspurt

FOTO: Montage
Elbe-Elster. Der Wahlkampf um den Bürgermeisterposten in Herzberg geht in den Endspurt. Die Herzberger haben bisher ein Ringen um die Wählergunst der etwas anderen Art erlebt. Birgit Rudow / Herzberg

Drei Herzberger (Herren im besten Alter) möchten neuer Bürgermeister der Stadt werden. Die Wähler können sich in knapp zwei Wochen zwischen Karsten Eule-Prütz (48), Mario Lehmann (38) und Ulf Lehmann (44) als Stadtoberhaupt entscheiden. Alle drei sind parteilos. Und alle drei sind eher ruhige und sachliche Zeitgenossen. Ein lautstarkes Hauen und Stechen war in ihrem Wahlkampf nicht zu erwarten. Was aber nicht zwangsläufig Langeweile bedeuten musste. Es geht auch anders. Die Anwärter haben sich weniger mit ihren Gegenspielern befasst, als mit denen, für die sie sich künftig ins Zeug legen wollen — mit den Herzbergern. "Es haben sich drei Kandidaten gefunden, die allesamt wählbar, parteiunabhängig und sehr zielstrebig sind. Niemand hatte die Rückendeckung einer Partei, jeder musste aus eigener Kraft und ohne professionelle Wahlkampferfahrung seine Strategie organisieren und selbst umsetzen", meint Ulf Lehmann.

Alle drei haben ein erstaunliches Wahlkampfpenusm absolviert (und tun es noch). Sie waren dabei durchaus kreativ und haben sich nicht nur bei den Bürgern in den Ortsteilen und in der Kernstadt persönlich vorgestellt. Karsten Eule-Prütz hat Facebook und Internet, Postkarten und Wahlplakate genutzt oder Vereine, Parteien und Organisationen besucht. Für Aufsehen haben seine Schwimmaktionen gesorgt. Ulf Lehmann hat zu thematischen Gesprächsrunden eingeladen, Unternehmer-, Vereins-, Eltern- und Ortsteilstammtische organisiert oder "Praktika" in Schule, Landtag und der Altenpflege absolviert. Mario Lehmann hat die Bürger per Postkarten befragt, den Verein "Zukunft für Herzberg" gegründet, Gespräche auf der Bürgerbank auf dem Markt geführt, Radtouren und Arbeitseinsätze organisiert oder Vor-Ort-Gespräche in Kitas, Sozialverbänden, Firmen, Vereinen, beim Landkreis und Bürgermeistern im Umkreis geführt.

Und was haben sie aus ihren vielen Begegnungen mit den Leuten mitgenommen? "Flächendeckend wird von den Bürgern mehr Mitwirkung gefordert. Künftig müssen Anliegen, Ideen und Wünsche ernst genommen und als Chance für Herzbergs Entwicklung geschätzt werden. Faire, durchschaubare Spielregeln zwischen Verwaltung und Bürgern müssen selbstverständlich werden", meint Ulf Lehmann. Das belastete Redeklima bei den übergeordneten Verwaltungsebenen habe Herzberg Nachteile eingebracht. Besonders wichtig sei den meisten, dass Herzberg den Anschluss nicht verpasst, sagt er. Viele Kommunen in der Nachbarschaft hätten sich gut und mit Tempo entwickelt und nutzten Veränderungen zu ihrem Vorteil. Das wollen die Herzberger auch, so Ulf Lehmann.

Mario Lehmann zieht aus seinem Wahlkampf als erstes Fazit, dass "Herzberg aufgewacht ist. Es wird wieder über die Zukunft diskutiert, neue Ideen entstehen und eine Dynamik, wie ich sie schon lange nicht mehr gespürt habe. Die Bürger wollen wieder ernst genommen werden. Sie haben den Wunsch nach positiver Veränderung und dabei wollen sie mitgenommen werden", so Mario Lehmann. Erfand es toll, wie offen und aufgeschlossen die Bürger ihm gegenüber waren und sind, sagt er.

Die schönste Erfahrung, die Karsten Eule-Prütz gemacht hat, war die, dass "es viele Interessierte gibt, die sich sachlich und mit viel Interesse mit den Belangen der Stadt auseinandersetzen wollen. Insofern denke ich, dass, wenn sich diese Menschen alle einbezogen fühlen, ein nächster Bürgermeister auf die Unterstützung vieler bauen kann", sagt er. Besonders das Verhältnis Stadtverwaltung - Bürger habe sich als Problem gezeigt, was aus seiner Sicht aber unproblematisch gelöst werden könne. Hier gehe es um Kommunikation und die gefühlte fehlende Information, so Karsten Eule-Prütz. Er habe den Eindruck, dass die Bürger gern mehr mitgestalten und sich beteiligen wollen, dass die Stadt wieder "ihre" Stadt sein soll, sagt er.

Jetzt geht der Bürgermeister-Wahlkampf in den Endspurt. Die Kandidaten haben bisher keine Mühe, Kraft, Zeit (und auch kein Geld) gescheut, sich bei und mit den Wählern ins Gespräch zu bringen. Bisher haben sie das jeder für sich bewältigt. Am morgigen Dienstag besteht beim RUNDSCHAU-Wahlforum ab 19 Uhr im Bürgerzentrum die Möglichkeit, allen Dreien gemeinsam auf den Zahn zu fühlen. Die Herzberger sollten dieses Angebot nutzen.