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| 02:42 Uhr

Von der Kaiserzeit bis zum Mauerfalljubiläum

Die Kahlaer Orgel wird nach langem Stillstand am morgigen Sonntag wieder eingeweiht. Orgelbaumeister Andreas Voigt (46) aus der Südbrandenburger Orgelwerkstatt Bad Liebenwerda hat in dieser Woche mit den Stimm- und Intonationsarbeiten die letzten Feineinstellungen vor dem großen Festakt erledigt.
Die Kahlaer Orgel wird nach langem Stillstand am morgigen Sonntag wieder eingeweiht. Orgelbaumeister Andreas Voigt (46) aus der Südbrandenburger Orgelwerkstatt Bad Liebenwerda hat in dieser Woche mit den Stimm- und Intonationsarbeiten die letzten Feineinstellungen vor dem großen Festakt erledigt. FOTO: Rösler
Kahla. 1990 war die Orgel in der Kahlaer Kirche eingeweiht worden, sie hat Kriege und die DDr-Zeit überlebt, aber dann war sie altersschwach und der Orkan Kyrill hatte sie vollends verstummen lassen. Nun erstrahlt sie in neuem Glanz, und am Sonntag wird sie auch wieder erklingen. Veit Rösler

Kaiser Wilhelm II. war Staatsoberhaupt in Deutschland, Theobald von Bethmann Hollweg Reichskanzler, viele berühmte Opern wie Don Quichotte und Macbeth wurden uraufgeführt, und in Kahla wurde im Jahr 1910 die Orgel der Dorfkirche eingeweiht. Sie hat den Ersten- und Zweiten Weltkrieg überstanden und sich auch über die kirchenfeindliche DDR-Zeit hinweggerettet.

Großer Festakt mit Konzert

An diesem Wochenende wird es in Kahla einen weiteren regionalen Eintrag in die Geschichtsbücher geben, der parallel zur Weltgeschichte verläuft. Am 9. November 2014 und damit am 25. Jahrestag des Mauerfalls wird die Orgel nach langem Stillstand wieder in Betrieb genommen. Orgelbaumeister Andreas Voigt (46) aus der Südbrandenburger Orgelwerkstatt Bad Liebenwerda hat in dieser Woche mit den Stimm- und Intonationsarbeiten die letzten Feineinstellungen vor dem großen Festakt erledigt. Die Wiedereinweihung soll am Sonntag ab 14 Uhr mit einem Konzert innerhalb eines Festgottesdienstes und mit einer Führung durch die technischen und geschichtlichen Hintergründe der Orgel veranstaltet werden.

Der Zahn der Zeit, die auch im Innern der Kirche wirkende Witterung sowie Tiere wie Spinnen und Mäuse hatten der Orgel immer mehr zugesetzt. Nachdem der Orkan Kyrill am 18./19.Januar 2007 über Kahla und die Kirche gezogen war, bedeutete das auch das vorläufige Ende der Orgel.

Kirchgemeinde sammelte Geld

Die Kahlaer Kirchgemeinde hat mit vielen Veranstaltungen und Konzerten seit mehreren Jahren auf rührende Weise versucht, Geld für die Wiederinstandsetzung der Orgel zusammenzutragen. Dabei gab es zum Teil erhebliche Einzelspenden. Für das Festkonzert am Sonntag zur neuerlichen Einweihung wurde nun sogar extra ein Gospelchor gegründet.

Die Orgel selber hat in den vergangenen Wochen eine wahre Sisyphusarbeit über sich ergehen lassen. Seit drei Monaten arbeitet Andreas Voigt an, in und über der Orgel der Kahlaer Kirche. In dieser Zeit wurde die Orgel von Grund auf saniert und gereinigt. Die alte Voigt-Orgel hat sechs Register und damit 297 Pfeifen. Bei den Arbeiten wurden sämtliche Holz- und Metallpfeifen ausgebaut, gereinigt überarbeitet und deren Spünde neu eingedichtet. Zu kurz geschnittene Holzpfeifen wurden neu angelängt und lose Stimmvorrichtungen befestigt. Daneben wurden die Metallpfeifen an den Pfeifenmündungen nachgelötet. Bei der Restaurierung der Pneumatik mussten zum Beispiel alle Membranen aus feinstem Kalbnappaleder nach altem Vorbild neu angefertigt werden.

Im Zuge von Bauarbeiten auf dem Dachboden war die alte Gebläseanlage demontiert worden. Diese wurde nun von Andreas Voigt wieder aufgestellt und dabei an die neue Bodenbeschaffenheit angepasst. Bei der Überarbeitung des Spieltisches mussten sämtliche Hubmembranen im Spieltischinneren ausgetauscht und daneben neue Rückschlagventile hergestellt werden. Zudem kam es zu einer teilweisen Neuverrohrung des Spieltisches mit neuem Bleirohr, da das alte stark deformiert war. Bei der Nach intonation der gesamten Orgel ist die Klangvorstellung des Erbauers berücksichtigt worden. Die Stimmung der Orgel erfolgte in vorgefundener Stimmtonhöhe.