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Vom Stolz, ein Teil der politischen Wende gewesen zu sein

In der Aula des neuen Verwaltungsstandortes wurde am gestrigen Sonntag an die friedliche Revolution vor 25 Jahren erinnert.
In der Aula des neuen Verwaltungsstandortes wurde am gestrigen Sonntag an die friedliche Revolution vor 25 Jahren erinnert. FOTO: sk
Falkenberg. Bürgermeister Herold Quick (parteilos) und Stadtverordnetenvorsteher Dr. Jörg Reibig (CDU) haben am gestrigen Sonntag Vertreter aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft begrüßt, um gemeinsam an historisch bedeutsame Tage und Stunden vor 25 Jahren - insbesondere auch in ihrer Heimatstadt Falkenberg - zu erinnern. Sylvia Kunze

Für die Einladenden ist klar: So ein bedeutsamer Tag wie vor 25 Jahren, als die Stimme des Volkes gehört wurde und die Grenze zwischen Ost und West aufhörte zu existieren, darf nicht vergessen werden. Bürgermeister Quick resümiert, dass es sich gelohnt hat, damals auf die Straße zu gehen und danach "gemeinsam etwas aufzubauen und zu investieren". Das Heute sei das Ergebnis der Menschen, die sich vor Ort engagieren.

Einer von ihnen ist Dr. Jörg Reibig. Er gehörte auch vor 25 Jahren mit zu jenen, die den Prozess der politischen Wende maßgeblich mit voranbrachten. Noch heute ist er emotional so fest mit den Geschehnissen von damals verbunden, dass Tränen in seinen Augen stehen, wenn er von damals spricht. Grenzenlose Freude bemächtigt sich seiner. Immerhin haben die Ereignisse vor 25 Jahren für eine wahrhafte Grenzenlosigkeit gesorgt.

Sein Blick geht nicht nur zurück. Angekommen im Jetzt schlägt Reibig nachdenkliche Töne an. Erinnert an die große Forderung nach freien und geheimen Wahlen und an die aktuelle Realität, wo nicht einmal die Hälfte der Bürger dieses Recht für sich in Anspruch nimmt. "Die Euphorie von damals ist verloren gegangen", bedauert Dr. Jörg Reibig und mahnt, das Miteinander erneut aufzugreifen: "Lasst uns wieder zusammenwachsen und neue Ideen entwickeln für unsere Stadt und die Kurstadtregion!"

Dr. Wolfgang Möbius, der 1989 ebenfalls mit an der Spitze der Falkenberger stand, die sich für Veränderungen im Land einsetzten, ist wichtig, dass nicht in Vergessenheit gerät, "welch Unrecht einem Volk angetan wurde". Das sei damals sein Anliegen gewesen und auch heute noch, bekräftigt er. Rückblickend ist er mit dem bisher Erreichten sichtlich zufrieden. Demokratie, Reise- und Pressefreiheit, eben das, was vor 25 Jahren eingefordert wurde, seit heute Teil des normalen Lebens im Land. Traurig stimme ihn jedoch, dass viele Menschen der mittleren Jahrgänge, eben jene, die die Träger der friedlichen Revolution waren, danach durch Arbeitslosigkeit einen Selbstwertverlust erfuhren.