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Vom Messerbrett zum Management

Edith Krämer ist Zirkusdirektorin vom Traumzauberzirkus "Rolandos". Foto: Rüdiger Hofmann
Edith Krämer ist Zirkusdirektorin vom Traumzauberzirkus "Rolandos". Foto: Rüdiger Hofmann FOTO: Rüdiger Hofmann
Cottbus. Die Artisten, Tiere und Dompteure stehen ab heute im Zirkuszelt "Rolandos" auf dem Cottbuser Viehmarkt wieder im Rampenlicht. Die gute Seele bleibt aber meist im Hintergrund: Edith Krämer, die Direktorin des bunten Familienunternehmens. Um 17 Uhr feiert der Zirkus Premiere. Rüdiger Hofmann

An ihre gefährlichste Nummer erinnert sich Edith Krämer noch genau: "Das war eine Messerwurfdarbietung. Ich habe am Brett gestanden und mir eine Zeitung vors Gesicht gehalten. Mein Mann warf aus einiger Entfernung mehrere Messer in meine Richtung. Die Klingen schlugen durch die Zeitung hindurch und landeten alle neben meinem Gesicht." O ja, das sei schon eine waghalsige Nummer gewesen. Angst habe sie dabei nicht gehabt. "Das würde das Publikum sofort merken", sagt Edith Krämer und nennt es stattdessen Respekt.

Das war in den 80er-Jahren. Edith Krämer tourte damals als Artistin unter dem Namen "Miss Tamara" durch die Lande. "Groß geworden bin ich beim Zirkus. Dort habe ich die Artistik von der Pike auf gelernt", erzählt die gebürtige Österreicherin. Edith Krämer besuchte eine Artistenschule und war zunächst viel im Ausland unterwegs. 1979 lernte sie dann in der Schweiz ihren Mann Roland Krämer kennen. 1982 siedelte sie zu ihm in die DDR über. Gemeinsam traten sie unter dem Künstlernamen "Die Rolandos" auf. Auf dem Programm standen vor allem Hunde- und Affenrevuen und natürlich die spektakuläre Messershow.

1986 wurde der Varietézirkus "Rolandos" gegründet. "Ein Zirkus ist wie jeder andere Betrieb auch", sagt Edith Krämer. "Es geht nur miteinander, wenn sich alle aufeinander verlassen können." Alles muss wirtschaftlich durchdacht werden und ein erhebliches Maß an Organisationstalent sei nötig, um den Betrieb auf rollenden Wagen durch sicheres Fahrwasser zu führen. "Ich bin über viele Jahre in den Manegen dieser Welt unterwegs gewesen. Irgendwann aber ist Schluss. Jetzt habe ich das komplette Management übernommen", sagt die 54-Jährige.

Der aus dem Varietézirkus hervorgegangene Traumzauberzirkus "Rolandos" wird von den verschwägerten Zirkusfamilien Edith und Roland Krämer sowie Carmen und Andreas Leyseck geführt. Auftritte im "Kessel Buntes" und Filme mit Gojko Mitic verbesserten den Bekanntheitsgrad dieser Zirkusdynastie.

Neben den eingestellten Artisten sicherten die Familien selbst den Nachwuchs. Virginia (18) und Scarlett Krämer (14) sowie Roxana (13), Angelique (17) und John (19) Leyseck heißen ihre Kinder, die derzeit im Zirkus aktiv sind: Sie seien die Zukunft in der Manege. Edith Krämer bildet ihren Nachwuchs selbst aus und gibt Tipps. "Unsere Virginia hat gerade das Jonglieren mit einer 50 Kilogramm schweren Kugel gelernt", sagt die Direktorin. "Die Darbietung habe ich vor 16 Jahren aufgeführt." Neben Virginia und Scarlett haben die Krämers noch zwei weitere Kinder. "Die Großen sind im Schaustellergewerbe unterwegs." Grundsätzlich ist Zirkus für Edith Krämer immer Familie. "Gemeinschaftsgefühl und Vertrauen sind oberste Prinzipien." Und man brauche ständig neue Ideen fürs Programm, denn "das Publikum wird immer anspruchsvoller."

In der aktuellen Show des "Traumzauberzirkus" führen Roland Krämer als Zauberer und Tochter Scarlett durch das Programm. "Wir haben den einzigen deutschen Kunstreiter in den Reihen, der einen Salto rückwärts vom Pferd schafft", sagt Roland Krämer stolz.

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Der Zirkus "Rolandos" gastiert von der Premiere am heutigen Mittwoch ab 17 Uhr bis zum Ostermontag, 9. April, in Cottbus auf dem Viehmarkt. Vorstellungen laufen wochentags um 17 Uhr, samstags um 15 und 18.30 Uhr, sonntags und am Ostermontag um 10 und 15 Uhr.