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| 01:34 Uhr

Vom einstigen großen Ölsee zur kleinen Pfütze

Tröbitz.. Wer noch den großen Ölsee, die gespenstisch anmutende riesige Kloake, wo der Schlamm metertief stand und regelrecht zum Himmel stank, in Erinnerung hat, der ist jetzt überrascht: Der Giftsee in der Tröbitzer Schadstoffdeponie ist vergleichsweise zu einer Pfütze geschrumpft. Dennoch: Die Zeitbombe ist noch nicht entschärft. In der östlichen Ecke des Ölsees ist – anders als bisher immer behauptet – nun doch ein „Fenster zum Grundwasser“ entdeckt worden, wie es Alfons Sonntag, der kreisliche Umweltamtsleiter, formulierte. Soll heißen: Hier versickert Öl in den Boden. Von Dieter Babbe

Die Stelle ist vor etwa vier Wochen entdeckt worden: „Beim Ausbaggern stießen wir auf Kies, der einfach nicht sauber wurde. Das signalisierte uns: Während sonst unter dem Ölsee eine dicke Tonschicht ein Versickern der Schadstoffe in den Boden unmöglich macht, ist an der Stelle ein Leck“ , informierte am Donnerstag Peer Lichtenberger, Bauingenieur von der zuständigen Sanierungsgesellschaft, am Donnerstag, als der kreisliche Ausschuss für Umwelt und Landwirtschaft sich auf der Schadstoffdeponie ein Bild von den Sanierungsarbeiten machen wollte. Amtsleiter Sonntag sieht allerdings keinen Grund, jetzt Alarm zu schlagen. Zunächst gehe es darum, „an den Herd zu kommen, den Schaden einzukreisen und den genau zu analysieren“ . Weiterhin soll verhindert werden, dass Regenwasser weiter in den Ölsee nachfließt. Eine Entscheidung, wie das Loch im Boden geschlossen werden kann, stehe allerdings noch aus. Eine Gefahr bestehe nicht, weder für Theisa noch für Tröbitz, versicherte Sonntag: Schadstoffe bewegten sich nur sehr langsam dem Grundwasser zu, die Schadstofffahne drehe sich im Kreis und entferne sich nicht mehr als 500 Meter von der Tröbitzer Deponie. Sorge bereitet der Kreisverwaltung offensichtlich die zusätzliche Finanzierung des Schadens. „Die Gesamtsanierung wird mit vier Millionen Euro zwar dreimal billiger, als zuletzt geschätzt wurde - aber mehr Geld ist nicht da“ , stellt Sonntag klar - versicherte jedoch: „Die Behörde wird es nicht zulassen, dass ein Restrisiko bleibt.“
Die Kreistagsabgeordneten konnten sich indes von einem raschen Fortgang der Sicherungsarbeiten überzeugen: Die Feststoffkippe ist bereits mit einem Gemisch aus Kraftwerksasche abgedichtet und einer 2,5 Millimeter starken Folie, die bis zu 300 Jahre nicht reißen soll, überspannt sowie einer dicken Bodenschicht abgedeckt worden. Eine Drainage sichert, dass entstehende Gase entweichen und mögliche Flüssigkeiten abgeleitet werden können. 22 000 Kubikmeter von der Brühe aus dem großen Ölsee sind bisher abgepumpt und gereinigt worden, 24 000 Kubikmeter Schlamm hat man „konditioniert“ - also mit Asche vermischt, dabei „so fest wie Stein“ verdichtet und somit unschädlich gemacht.
Es wird damit gerechnet, dass die aufwändige Sanierung der Tröbitzer Schadstoffkippe, wo zu DDR-Zeiten seit den 60er Jahren bis zu 300 Betriebe unkontrolliert - aber genehmigt - etwa 100 000 Tonnen mitunter hochgiftige Industrieabfälle in die ehemalige Grube „Louise“ kippten, noch in diesem Jahr abgeschlossen werden kann.
In der Öffentlichkeit wird vom Fortgang der Arbeiten offensichtlich wenig Notiz genommen. „Die Leute regt das nicht mehr auf“ , musste auch Klaus Höhne feststellen. Er war einer von nur zwei Tröbitzern, die am Donnerstag zum öffentlichen Abgeordnetentreff auf die Schadstoffkippe kamen. Höhne hat in der Grube „Louise“ , die bis Anfang der 50er Jahre Kohle für die gleichnamige Brikettfabrik in Domsdorf förderte gelernt und als Reparaturschlosser gearbeitet. Nach der Wende gehörte Klaus Höhne zu den vielen hundert Menschen aus der ganzen Region, die die sofortige Schließung der Tröbitzer Schadstoffdeponie forderten. Bis hier tatsächlich auch damit begonnen wurde, die größte Umweltbombe des Elbe-Elster-Kreises wirkungsvoll unschädlich unschädlich zu machen, dauerte es über ein Jahrzehnt.