| 02:38 Uhr

Voll vom Sockel, direkt in den Olymp

Im Gespräch zwischen König Eurystheus und Herakles laufen Herr Steiner ( Ronald Mernitz ) und Frau Schlögl ( Katrin Heinke) zu Hochform auf.
Im Gespräch zwischen König Eurystheus und Herakles laufen Herr Steiner ( Ronald Mernitz ) und Frau Schlögl ( Katrin Heinke) zu Hochform auf. FOTO: rmr1
Ahlsdorf. Wir haben ein Museum für Früh- und Vorgeschichte in der Krise, einen Neuling, der dort auf eine Festanstellung schielt und wir haben das Leben einer der berühmtesten Figuren der griechischen Mythologie: Herakles, Sohn des Göttervaters Zeus und der menschlichen Frau Alkmene. Dank der Leistung des Erfreulichen Theaters Erfurt passt das wunderbar zusammen, was die Puppenspieler hoch amüsant am Freitagabend bei "Herakles – voll vom Sockel" in der Remise Gut Ahlsdorf unter Beweis gestellt haben. Rico Meißner / rmr1

Aufgrund wirtschaftlicher Krise und mangelnder Besucherzahlen steht das Museum für Früh- und Vorgeschichte vor dem finanziellen Ruin. Aber Leiterin Frau Schlögl (Katrin Heinke) hat die rettende Idee: Ein "Museum mobil" muss her. "Wenn die Leute nicht ins Museum gehen, bringe ich das Museum eben zu ihnen." Als Anreiz für Besucher sollen diese nun, sozusagen live, das Leben des Herakles verfolgen können. Allein ist das schwierig und so engagiert sie den Neuling Herrn Steiner (Ronald Mernitz). Der hat von allem ein bisschen studiert und will nun ins Berufsleben einsteigen und eine Festanstellung ergattern. Was folgt, sind köstliche Dialoge, welche die Rahmenhandlung für die eigentliche Heraklesgeschichte bilden. Steiners Hauptproblem ist dabei, dass Frau Schlögl als Puppen die echten Museumsartefakte benutzt und diese auch in schöner Reihenfolge demontiert. Für beinahe jeden Lebensabschnitt des Helden muss sich Steiner nun etwas einfallen lassen.

Immer wieder gelingt es den beiden, die Zuschauer sowohl für die Heldensaga, als auch für das ungleiche Museumspaar zu begeistern. Allein die Szene, in der Herakles, befallen vom Wahnsinn, seine Kinder tötet, ist so eindringlich inszeniert, dass komplettes Schweigen den Raum erfüllt. Dann gibt es wieder jede Menge Gelächter, wenn Herr Steiner die Aufgabenliste darzustellen hat, die der Göttersohn nach dem Orakelspruch von Delphi, als Sühne für seine Taten abzuarbeiten hat. Da muss er schon mal den Nemeischen Löwen geben, der erwürgt wird oder das Ausmisten der Rinderställe von Augias improvisieren. Die Vernichtung der Stymphalischen Vögel wird als Fernsehreportage inszeniert, die Erlegung des Erymanthischen Ebers als Boxkampf. Wer all das schafft, den schreckt auch die Improvisation der Hydra oder des Höllenhundes Kerberos nicht mehr.

Die Stimmung im Publikum ist durchweg ausgesprochen positiv. Zufrieden sind auch die Ausrichter. Dr. Martin Wehner, der gemeinsam mit seiner Frau das Gut betreibt, ist erfreut über den Zuspruch. "Wir machen das zum wiederholten Male und die Besucheranzahl steigt stetig. Wir wollen diese Tradition unterstützen. Es kommen jetzt auch deutlich mehr Ahlsdorfer. Vielleicht, weil die Menschen gemerkt haben, dass das hier nichts mit Kasperletheater zu tun hat." So sieht es auch Steffen Ern, der mit seiner Familie gekommen ist: "Wir möchten einfach am kulturellen Erbe in Ahlsdorf teilnehmen." Dass die Zuschauer teilweise interaktiv in die Vorstellung eingebunden sind, darauf legten die Puppenspieler Wert.