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| 11:51 Uhr

Sicher am Steuer
Voll in die Eisen gehen bei Gefahr

 Trainer Rüdiger Karl hat immer ein wachsames Auge auf die Teilnehmer, auch hier beim Slalomfahren mit anschließender Vollbremsung.
Trainer Rüdiger Karl hat immer ein wachsames Auge auf die Teilnehmer, auch hier beim Slalomfahren mit anschließender Vollbremsung. FOTO: Rico Meißner
Herzberg. Das richtige Bremsverhalten ist am Wochenende Hauptbestandteil eines Sicherheitstrainings der Verkehrswacht Herzberg, die dazu gerne mehr Autofahrer begrüßt hätte. Von Rico Meißner

„Bitte den Rückwärtsgang rein. Und zu Karlchen kommen!“ Fahrtrainer Rüdiger Karl spricht das am Samstagmittag in sein Funkgerät und beordert so einen der Teilnehmer des Fahrsicherheitstrainings auf dem Übungsplatz zurück zu sich. Auf dem Programm steht gerade Slalom fahren und anschließendes Abbremsen bis zum Stillstand des Fahrzeuges. Der Trainer analysiert jeden einzelnen Fahrer, gibt Tipps und Hinweise, korrigiert mögliches Fehlverhalten.

Der Slalom ist dabei nur ein Teil des Lehrgangs am Wochenende. Dazu gehört auch unter anderem das Einschätzen des Bremsweges, das Ausweichen mit und ohne Bremsen und das Beherrschen des Autos auf einem gleitenden Untergrund, vergleichbar in etwa mit einer festgefahrenen Schneedecke.

Für die Teilnehmer beginnt das alles zunächst mit einer theoretischen Einführung, gefolgt von der Inaugenscheinnahme der Fahrzeuge. Dabei geht es nicht nur beispielsweise um Ladungssicherung im Kofferraum, sondern etwa auch um die richtige Sitzeinstellung.

Etwa zehn bis zwölf Veranstaltungen dieser Art führt die Verkehrswacht Herzberg pro Jahr durch. Die Teilnehmerzahl 2018 lag bei etwa einhundert. „Darüber hinaus bieten wir natürlich noch mehr an“, so Wolfgang Saaro von der Verkehrswacht. „Wir machen Verkehrsteilnehmerschulungen, dabei hatten wir ungefähr 2000 Teilnehmer letztes Jahr. Dazu kommen noch Verkehrserziehungen in Kindergärten und Grundschulen. Dann haben wir auch die Aktion „Fahr Rad – aber sicher!“ Neben einem Geschicklichkeitsparcours werden dort auch gleich die Fahrräder der Kinder geprüft und eventuelle kleine Reparaturen sofort vor Ort vorgenommen.“

Das Sicherheitstraining an diesem Wochenende hat einen anderen Hintergrund. „Es geht darum, das Fahrverhalten zu üben“, umreißt es Saaro. „Ganz wichtig ist das richtige Bremsverhalten. Ein Falschverhalten hier führt zu einem Großteil der Unfälle.“ Wichtig bei einer Gefahrenbremsung, wie sie hier geübt wird, sei unter anderem „nicht erst zu probieren“, sondern die Hemmnisse überwinden und den Wagen sofort zum Stehen bringen. Gerade auch bei den häufigen Wildunfällen gelte: Gefahrenbremsung, aber auf keinen Fall ausweichen.

Schön würde man es bei der Verkehrswacht finden, wenn mehr Menschen den Weg zu solchen Trainings fänden. Für eine Vielzahl von Arbeitnehmern würde beispielsweise die Berufsgenossenschaft in regelmäßigen Abständen die Kosten übernehmen, die sich ohnehin in überschaubarem Rahmen halten.

Ein anderes Beispiel sieht Saaro in dem begleiteten Fahren mit 17. „Das ist, so denke ich, schon eine Erfolgsgeschichte, aber ich glaube, dass viele Eltern auch noch die Teilnahme an einem solchen Training drauflegen könnten.“

Eine von jenen, die am Wochenende dabei sind, ist Doris Haarig: „Ich habe meinen Führerschein 1978 gemacht und mir seitdem noch keinen Punkt oder ein Bußgeld einhandelt“, berichtet sie stolz. Warum dann das Training? „Ich möchte mich selber auf den neuesten Stand bringen und meine Reaktionsfähigkeit überprüfen. Außerdem haben wir unser neues Auto noch nicht so lange, da möchte ich mich richtig damit vertraut machen.“

Nicht nur ein neues Fahrzeug sei ein Grund für die Teilnahme an den Seminaren, so Wolfgang Saaro. „Es kommen beispielsweise auch Menschen, die einen Herzinfarkt hinter sich haben und ihr Fahrverhalten testen wollen. Oder auch Leute mit Wohnmobilen. Die waren extra schon aus Berlin hier.“

Viele Teilnehmer schätzten auch noch immer den Bremsweg nicht ganz richtig ein. Der Unterschied zwischen 30 und 60 km /h liege beim Bremsweg ungefähr um das Vierfache höher. „Deshalb gilt ja Tempo 30 vor Schulen oder Kindergärten“, meint Saaro. Daran sollten wohl alle Autofahrer hin und wieder denken.