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Falkenberg
In Sorge um die Generationen nach ihr

Viola Simon ist die neue Vorsitzende des Falkenberger Naturschutzvereins. Sie hofft in den nächsten Jahren auf junge Mitstreiter.
Viola Simon ist die neue Vorsitzende des Falkenberger Naturschutzvereins. Sie hofft in den nächsten Jahren auf junge Mitstreiter. FOTO: Sylvia Kunze / LR
Falkenberg. Viola Simon ist die neue Vorsitzende des Falkenberger Naturschutzvereins „Elsteraue“. Sie stellt sich einer „undankbaren Aufgabe“. Von Sylvia Kunze

Eins steht fest: Sie ist in die Funktion ohne Illusionen eingestiegen. „Arbeit für den Naturschutz ist eine undankbare Aufgabe, denn da macht man sich nicht immer überall nur Freunde“, weiß Viola Simon. Und steht sozusagen sofort mittendrin im Getümmel. Denn: Der Falkenberger Naturschutzverein hat die zurückliegenden vielen Osterfeuer zum Anlass genommen, diese aus Sicht der Umwelt zu betrachten. „Wir haben nichts gegen Traditionsfeuer, aber seien wir doch mal ehrlich. Was da in der Mehrzahl lodert, sind grüne Müllhaufen aus dem Garten. Drumherum stehen ein paar Hanseln. Das hat aus unserer Sicht nichts mit Bewahren von Traditionen zu tun, sondern ist Luftverschmutzung“, ärgern sich Viola Simon und viele der Falkenberger Vereinsmitglieder. Sie haben sich in einem Schreiben an Bürgermeister und Landrat gewandt und fordern das Unterbinden solchen Tuns. In Falkenberg wird darüber schon gestritten. „Und das ist längst noch nicht zu Ende diskutiert“, sagt die Vereinsvorsitzende.

Dabei ist es ja nicht so, als wäre sie auf Krawall gebürstet. Was sie treibt, ist die Sorge um nachfolgende Generationen. „Wir wollen sensibilisieren. Wir wissen, dass man längst nicht nur umweltgerecht leben kann, Das funktioniert heute nicht mehr. Aber wir können uns bemühen“, ist ihr Antrieb dabei. Viola Simon ergänzt: „Naturschutz ist nicht nur Sprücheklopfen, das steckt auch viel Arbeit dahinter.“ Und ist damit beim Problem Nummer eins für den Verein.

Der besteht nämlich in der Hauptsache nur aus älteren Mitgliedern im Rentenalter. Junge Mitstreiter sind rar und auch in den zurückliegenden Jahren nur spärlich nachgekommen. „Das Bewusstsein für die Umwelt kommt meist erst später. Junge Menschen denken da erst einmal wenig darüber nach. Und wenn sie dann soweit sind, fehlt ihnen die Zeit, sich für die Umwelt zu engagieren“, versucht Viola Simon zu erklären.

Sie selbst ist ja auch erst später dazugestoßen, dabei hat die Landschaftsgärtnerein das „Grüne“ sozusagen bereits inhaliert. „Als ich im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme das Baumkataster für die Stadt Falkenberg erstellt habe, begann ich mich intensiver mit dem zu beschäftigen, was uns hier unmittelbar umgibt. Ich wurde dafür sensibilisiert, was wir haben und was zum Beispiel durch Baumaßnahmen unwiederbringlich verschwindet. Das hat mich bewogen, Naturschutzarbeit zu unterstützen“, erzählt die Rehfelderin, die mit der Übernahme des Vorsitzes das Weiterleben des Vereins gesichert hat. Hätte sich für dieses Amt keiner gefunden, und zwischenzeitlich sah es schon einmal fast so aus, hätte das das Aus des Vereins bedeutet.

„Auch wenn wir nur ein kleines Licht sind, verstehen wir uns doch Gehör zu verschaffen und für die Umwelt zu streiten“, so Viola Simon, die als „Grüne“ mit den Grünen selbst nicht viel am Hut hat. Jedenfalls was die Partei betrifft. „Ich weiß, dass uns viele Menschen mit der auf eine Ebene stellen. Aber das ist eine politische Partei, die weit hinter dem zurückbleibt, was ich von Grün erwarte“, kritisiert sie.

Statt Politikmachen will Viola Simon mit den „Elsteraue“-Mitgliedern lieber ganz konkret vor Ort was bewegen. „Wir haben gerade einen Appell an die Landwirte der Region rausgeschickt, Blühstreifen anzulegen und sind gespannt, wie die Reaktionen sein werden“, hofft sie auf einen regen Austausch und nachfolgenden Taten. Die Vereinsmitglieder selbst wollen sich z.B. weiter dem Beobachten der Zug- und Brutvögel in der Region widmen, wollen beim anstehenden Baumaßnahmen im Sinne der Umwelt ein Auge draufhaben und viele Gespräche führen, denn „von Angesicht zu Angesicht findet man viel eher gemeinsame Lösungen, als wenn man alles über den Postweg ausdiskutiert“.