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Vier Feuerwehrmänner mit Leib und Seele

Die vier Männer gehören zu den dienstältesten Kameraden der Falkenberger Feuerwehr (v.l.): Jürgen Bahr (75 Jahre alt, seit 1959 in der Wehr), Siegfried Diehr (76 Jahre alt, seit 1957 in der Wehr), Dieter Günther (79 Jahre alt, seit 1959 in der Wehr) und Günter Lieske (81 Jahre alt, seit 1956 in der Wehr). Scherzhaft witzeln sie: Nur die alte Handdruckspritze, mit der sie schon so manches Jubiläum in der Region begleitet haben, ist noch älter als sie.
Die vier Männer gehören zu den dienstältesten Kameraden der Falkenberger Feuerwehr (v.l.): Jürgen Bahr (75 Jahre alt, seit 1959 in der Wehr), Siegfried Diehr (76 Jahre alt, seit 1957 in der Wehr), Dieter Günther (79 Jahre alt, seit 1959 in der Wehr) und Günter Lieske (81 Jahre alt, seit 1956 in der Wehr). Scherzhaft witzeln sie: Nur die alte Handdruckspritze, mit der sie schon so manches Jubiläum in der Region begleitet haben, ist noch älter als sie. FOTO: sk
Wer kann besser über Feuerwehrgeschichte sprechen als lang gediente Kameraden? In Vorbereitung des 125-jährigen Bestehens der Falkenberger Feuerwehr kam die Rundschau mit vier davon ins Gespräch.

Wie sind Sie zur Feuerwehr gekommen?
Siegfried Diehr: Anfangs wollte ich gar nicht zur Feuerwehr. Ich habe zuerst in Langennaundorf mitgemacht. Als ich dann nach Falkenberg kam, hat mich der damalige Wehrleiter Wilhelm Felkl überzeugt, Kamerad zu werden. Das Autofahren hat mich gereizt. Unvergessen bleiben die vielen Einsätze mit dem S 4000 (ein Fahrzeug/Anm.d.Red.), den ich gefahren habe. Heute ist er das älteste Fahrzeug im Depot — und sein Fahrer ist immer noch vor Ort. Ich habe übrigens von allen Autos, die ich gefahren habe, ein Foto. Die gerahmten Bilder hängen in unserer Wohnstube.

Günter Lieske: Mein Vater war schon bei der Feuerwehr, da bin ich automatisch mit reingerutscht. Als junger Bursche habe ich einige Male, wenn wir mit dem Magirus (ein Feuerwehrfahrzeug/Anm.d.Red.) ausgerückt sind, ganz oben gesessen. Das ginge heute gar nicht mehr.

Jürgen Bahr: Mein Bruder war schon Feuerwehrmann. Und weil der dienstlich nach Halle versetzt wurde, wurde ich sozusagen bestimmt, seine Stelle zu übernehmen. Wenn es nicht so gekommen wäre, wäre ich aber wohl auch ganz von selbst in die Feuerwehr eingetreten. Mir ging es um den Zusammenhalt und die Kameradschaft, die ich dort erleben konnte.

Dieter Günther: Ein guter Freund hat zu mir gesagt: Du machst jetzt mit, wir brauchen noch Leute! Dann hat es mir gefallen, und ich bin geblieben. Besonders die Kameradschaft und die Unterstützung, die man untereinander gegeben hat, waren mir wichtig. Wir haben uns zum Beispiel gegenseitig beim Bau von Eigenheimen geholfen und mehr. Wenn man Hilfe brauchte, konnte man immer auf die Kameraden zählen. Einer für alle, alle für einen — also quasi das Grundgesetz der Feuerwehr, das wird in Falkenberg gelebt. Bis heute.

Wie hat sich die Feuerwehr über die Jahre aus Ihrer Sicht am meisten verändert?
Siegfried Diehr: Heute muss man wesentlich mehr die Schulbank drücken als früher. Das Aufgabenfeld ist ja auch viel größer geworden. Ich sammle alles, was mit unseren Einsätzen zu tun hat. Da sieht man ganz deutlich, dass die technische Hilfeleistung bei Unfällen immer mehr Platz einnimmt.

Günter Lieske: Was es heute an modernen Fahrzeugen und Technik gibt, da kann man immer wieder nur staunen. Und wenn ich dann noch das tolle Gerätehaus sehe. Das sind super Bedingungen für die Kameraden.

Jürgen Bahr: Was mit einem Fahrzeug angefangen hat, ist heute schon ein kleiner Fuhrpark. Und dann das Gerätehaus! Zuvor hatten wir nicht einmal Duschen.

Siegfried Diehr: Ja, da möchte man noch mal jung sein!

Dieter Günther: Der Umzug in das neue Gerätehaus war eine richtig große Errungenschaft für alle Kameraden. Auch wenn seitdem mein Weg von zu Hause zum Depot länger ist ...

Welches Erlebnis, welcher Einsatz geht nicht mehr aus Ihrem Kopf?
Siegfried Diehr: Ein Unfall bei Marxdorf. Die Fahrt eines Pkws endete an einem Baum. Insassen darin verbrannten und waren nicht mehr zu erkennen. Ich hatte das Schneidgerät in der Hand, war also ganz nah dran.

Dieter Günther: Dieser Unfall geht mir auch nicht mehr aus dem Kopf. Da war ja nicht mehr viel übrig.

Günter Lieske: Die Unfälle bleiben überhaupt am längsten im Gedächtnis haften. Aber zum Glück war ich nie bei einer so ganz schlimmen Sache dabei ...

Würden Sie heute wieder Feuerwehrmann werden und warum?
Günter Lieske: Ja, um anderen Menschen helfen zu können. Hätte ich einen Sohn, hätte ich ganz bestimmt entsprechende Überzeugungsarbeit geleistet, dass er auch Feuerwehrmann wird.

Jürgen Bahr: Ja, weil die Kameradschaft eine ganz besondere ist. Und wer wegen des Trainings murrt, dem entgegne ich, dass man in einem Sportverein auch trainieren muss.

Dieter Günther: Ja, und ich habe auch meine Frau und meine Tochter, sie ist heute noch dabei, als aktive Mitglieder gewinnen können.

Wie standen bzw. stehen Arbeitgeber und Familie hinter Ihrem Ehrenamt?
Siegfried Diehr: Meine Familie hat immer geholfen, wo sie konnte, und wenn es nur so war, dass meine Frau schon das Fahrrad rausholte, während ich in meine Sachen stieg, um zum Einsatz zu eilen. Manchmal ging es auch gleich im Schlafanzug los. Beim Arbeitgeber war das allerdings anders. Anfangs stand auch er voll dahinter, später nicht mehr. Da erinnerte er mich darin, dass ich bei ihm angestellt bin und nicht bei der Feuerwehr.

Dieter Günther: Genau, wenn die Sirene heult, hat die Frau schon das Tor aufgemacht, damit ich noch im Schlafanzug schnell mit dem Fahrrad loskonnte. Und auch auf der Arbeitsstelle, beim Konsum in der Konditorei, hatte ich Rückendeckung von meinen Kollegen. Wenn ich Schicht hatte, haben die Kameraden mich manchmal auf dem Weg zum Einsatz direkt von dort abgeholt und es ging gleich mit den Bäckerklamotten los.

Günter Lieske: Da hat es nie Probleme gegeben.

Jürgen Bahr: Für meine Frau ist das in Ordnung. Ihr Vater war schon bei der Feuerwehr. Sie hat das gar nicht anders kennengelernt und weiß deshalb, wie Feuerwehrleute ticken.

Was möchten Sie Anfängern in den Reihen der Feuerwehr mit auf den Weg geben?
Siegfried Diehr: Mitmachen! Das fängt bei der Ausbildung an und reicht bis zum Einsatz.

Günter Lieske: Sie sollten stark sein, sowohl körperlich als auch mental, denn als Kamerad muss man einiges aushalten.

Jürgen Bahr: Wer Feuerwehrmann werden will, muss das mit Leib und Seele wollen. Man kann da nicht mal heute kommen und mal morgen nicht. Da muss man voll dahinterstehen.

Dieter Günther: Was sie brauchen, ist unter anderem auch der Wille zur Kameradschaft und die Achtung der Disziplin.

Was wünschen Sie der Wehr für die nächsten 125 Jahre?
Siegfried Diehr: Dass nicht so viel passiert, dass am besten alles ruhig ist — auch wenn Einsätze für Feuerwehrleute das Salz in der Suppe sind.

Günter Lieske: Gesundheit für die Kameraden und dass sie ohne Schaden nach den Einsätzen nach Hause kommen.

Dieter Günther: Ich sehe das auch so: wenig Einsätze und immer gesund nach Hause kommen.

Jürgen Bahr: Ich wünsche der Wehr darüber hinaus, dass der Zusammenhalt so gut bleibt und bestenfalls noch besser wird und dass noch mehr Jugendliche mitmachen.

Günter Lieske: (lacht) Und am liebsten, dass wir noch immer dabei sind!

Mit den vier Falkenberger

Kameraden sprach Sylvia Kunze.

Zum Thema:
Am Samstag, 16. September, und am Sonntag, 17. September, wird das 125-jährige Bestehen der Falkenberger Feuerwehr mit einem Festwochenende gefeiert. Höhepunkt ist ein großer Festumzug am Samstag, Start um 14 Uhr. Weitere Programmpunkte locken in die Stadt (wir berichteten bereits in der Wochenendausgabe).