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| 19:40 Uhr

Schulneubau in Bad Liebenwerda
Viele „Baustellen“ auf der Baustelle

Die neue und die alte Oberschule Robert Reiss in Bad Liebenwerda. Die Fertigstellung des Neubaus verzögert sich.
Die neue und die alte Oberschule Robert Reiss in Bad Liebenwerda. Die Fertigstellung des Neubaus verzögert sich. FOTO: Frank Claus / LR
Bad Liebenwerda . Es gibt Bauverzug an neuer Oberschule in Bad Liebenwerda. Der Umzug erfolgt erst zu den Sommerferien. Von Birgit Rudow und Frank Claus

Bauplatz neue Robert-Reiss-Oberschule in Bad Liebenwerda: Während die Wände der Klassenzimmer verputzt sind, bestimmen in zwei der drei Etagen kahle Betonwände in den Fluren das Bild. Teilweise sind Sanitäreinrichtungen gefliest. Nur im Obergeschoss lässt sich momentan erahnen, wie die Unterrichtsräume mit Akustikdecken und Beleuchtungssystemen einmal aussehen werden. In vielen Bereichen hängen noch Kabel von der Decke, sind Monteure dabei, die Konstruktionen zur Aufnahme der Deckenplatten zu installieren. Die Heizung im Schulgebäude funktioniert noch nicht. Sehr zum Ärger der Fußbodenleger, die einfach nicht weiterkommen. Trockenbauer seien im Verzug „und wir können bei diesen Temperaturen die Beläge auch nicht verlegen“, schimpft einer der Männer. Erst am Freitag, so habe er erfahren, solle die Heizung in Betrieb gehen. Während die Dämmung an der Außenfassade dran ist, dürften die nachfolgenden Putzarbeiten in Verzug geraten, wenn jetzt, wie angekündigt, das Thermometer Zahlen um den Nullpunkt erreicht.

Nachdem die RUNDSCHAU im Juli dieses Jahres Bauverzug konstatierte und die kritische Frage „Flutscht es wirklich noch?“ stellte, beeilte sich der Bauherr, die Landkreisverwaltung, in einem Statement nicht mal zwei Wochen später zu erklären: „Bereits im vierten Quartal werden wir uns mit der Schulleitung zusammensetzen und die Umzugsplanungen vorbereiten. Der Umzug soll im Januar 2018 beginnen. Mit dem einen oder anderen Problemchen wird derzeit noch gekämpft, doch bei solch einem Großprojekt ist alles im Rahmen.“ Der Mann, der das damals sagte, rudert jetzt zurück: Im Bildungsausschuss am Montag räumte Ciro Scherff  Bauverzug ein.

Mit einer Investitionssumme von 7,2 Millionen Euro ist der Neubau der Oberschule das derzeit größte Bauvorhaben im Landkreis. Das Schuljahr 2017/18 werden Schüler und Lehrer wohl im neuen Gebäude starten können. Das ursprüngliche Ziel, den Bau im Februar fertig zu haben, ist aber nicht zu halten. Wahrscheinlich, so der Leiter des Gebäudemanagements Ciro Scherff im Bildungsausschuss des Kreistages, ist die Schule in der 18. Kalenderwoche 2018 fertig, also Anfang Mai.

Ein Umzug vom Altbau in den Neubau während des laufenden Schulbetriebes erachtet die Kreisverwaltung nicht als sinnvoll. „Wir werden in den letzten beiden Schulwochen und in der ersten Ferienwoche umziehen. Die Feierlichkeiten zum Schuljahresabschluss könnten aber schon in der neuen Schule stattfinden, sagt er.

Derzeit kämpft der Landkreis mit zwei großen Schwierigkeiten: dem Bauverzug, der mit Blick auf den nahenden Winter zum Problem werden könnte, und mit den noch nicht bewilligten Fördermitteln für die Außenanlagen. Mit dem Rohbau sei die Baustelle gut gestartet, auch den Winter 16/17 habe man gut überstanden, so Ciro Scherff. Die Probleme kamen mit Beginn des Ausbaus, als mehrere Gewerke auf der Baustelle waren. Zwei, drei Firmen hätten den Plan durcheinandergebracht, so der Gebäudemanager. „Die Marktlage auf dem Bau ist kritisch, sowohl kostenseitig als auch in der Qualität der Arbeit und bei der Termintreue“, schätzt er ein.

Probleme gab es mit der Wärmedämmfassade-Firma, die zu wenig Personal geschickt habe. Das habe die Fensterbauer behindert und das wiederum die Bodenleger. „Manchmal können die Firmen gar nichts dafür. Wenn sich die Lieferzeiten für Material zum Beispiel verzögern, ziehen sie erst mal auf andere Baustellen“, versucht Scherff etwas Verständnis zu entwickeln. Die Schwierigkeiten vor Ort aber bleiben. Aufgrund des Wetters ist der Estrich nicht wie geplant trocken geworden. Die Fußbodenleger können noch nicht loslegen. Und der Winter steht vor der Tür. An der Fassade müssen noch Dämmarbeiten erfolgen, erst dann können Putz und Elemente ran. Gelingt das nicht, ist die Fassade den Winter über offen. Es muss ab- und im Frühjahr wieder eingerüstet werden. Das kostet Zeit und Geld. „Wenn wir das nicht fertig kriegen, haben wir ein Problem“, so Scherff. Am Freitag soll die neue Heizung in Betrieb gehen, versichert er. Dann kann es beim Innenausbau vorangehen.

Die nächste „Baustelle“ sind die Fördermittel für die Außenanlagen. 485 000 Euro sind dafür veranschlagt. Im April hat der Kreis einen Fördermittelantrag über 290 000 Euro beim Bildungsministerium gestellt, gemeinsam mit einem Antrag auf vorzeiten Baubeginn. „Wegen der schwerfällige Bearbeitung beim Ministerium konnten wir die Arbeiten für den Außenbereich erst im Juni ausschreiben. Zu den Fördermitteln wissen wir immer noch nichts“, so Scherff. Das Ministerium habe die Antragsunterlagen an die ILB weitergeleitet. Vor zwei Woche sei die Information von der ILB gekommen, dass die Anträge.dort liegen. „Jetzt müssen wir noch jede Menge Unterlagen nachreichen, die eigentlich schon da waren“, so Scherff.

Für die Außenanlagen bedeutet das, dass der Kreis jetzt nur die Arbeiten beauftragt, die mit den Eigenmitteln finanziert werden können. Das sind Zuwegungen und Maßnahmen für die Barrierefreiheit. Ohne die würde die Schule keine Genehmigung für die Inbetriebnahme erhalten. Freizeitanlagen, Fahrradunterstellanlage oder Schulhof können erst gestaltet werden, wenn der Fördermittelbescheid vorliegt. Die Arbeiten an den Außenanlagen dürfen aber auch nicht dem Abriss des alten Schulgebäudes in die Quere kommen, der für die Sommerferien vorgesehen ist. „Das ist alles ziemlich kompliziert“, sagt Scherff. Und wenn man sich den derzeitigen Stand auf der Baustelle ansieht, so möchte man ihm das gern glauben.