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Viel vor Ort geschafft, aber Stillstand soll es trotzdem nicht geben

Uwe Dannhauer, Vorsitzender des Vereins Gedenkstätte KZ-Außenlager Schlieben-Berga, bei einer seiner vielen Touren durch das Gedenkstättengelände (hier mit Blick auf ein Teil der Außenanlagen).
Uwe Dannhauer, Vorsitzender des Vereins Gedenkstätte KZ-Außenlager Schlieben-Berga, bei einer seiner vielen Touren durch das Gedenkstättengelände (hier mit Blick auf ein Teil der Außenanlagen). FOTO: svg
In diesen Tagen jährt sich die Befreiung des einstigen KZ-Außenlagers Schlieben-Berga. Der Verein, der die Gedenkstätte aufgebaut und betreut hat, hat eine Gedenkveranstaltung vorbereitet. Dazu und zur aktuellen Arbeit gibt Vereinsvorsitzender Uwe Dannhauer Auskunft: Es fragte Sylvia Kunze.

Herr Dannhauer, welche aktuellen Bemühungen unternimmt der Verein?
Schwerpunkte sind jetzt die Sicherung der Bausubstanz der Gedenkstätte. Wichtig sind Reparaturen am Dach. Darüber hinaus soll eine Heizung eingebaut werden. Wir wollen das Außengelände weiter gestalten, Wege zu den Objekten im Gelände anlegen. Das geht aber alles nur mit Hilfe von Fördermitteln. Allein den Eigenanteil, der dabei gefordert ist, aufzubringen, wird uns schon schwer genug fallen.

Außerdem sind wir immer bestrebt, die Ausstellung zu erweitern und die Recherche- und Forschungsarbeit fortzusetzen. Da stehen wir erst am Anfang. In dem Zusammenhang gilt es auch den Erfahrungsaustausch und die Zusammenarbeit mit den KZ-Gedenkstätten Buchenwald und Ravensbrück sowie den ehemaligen Außenlagern, in denen auch die Panzerfaustproduktion lief und Häftlinge aus Schlieben deportiert wurden, zu entwickeln.

Und wir wollen im regionalen Netzwerk "Zwangsarbeit in der Lausitz" im Rahmen der Gedenkstätten- bzw. Museumsarbeit weiter aktiv sein.

Was der Verein schon alles geschafft hat, werden die Besucher im Rahmen der Gedenkveranstaltung am morgigen Samstag sehen können. Was erwartet sie darüber hinaus?
Wir haben mit Kranzniederlegung und anschließendem internationalen Forum sicher ein ansprechendes und dem Anlass würdiges Programm vorbereitet. Es ist uns gelungen, an neue Ausstellungsstücke zu gelangen, zum Beispiel an einen Koffer, in dem eine französische Gefangene nach der Befreiung des Lagers ihre wenigen Habseligkeiten nach Hause beförderte. Aber auch einige neue Bilder können wir präsentieren. Zusätzlich wird es noch die Enthüllung eines Modells des Lagers geben. Das hat Dr. Wolf nach heutigem Wissensstand nachgebaut. Um die Versorgung der Gäste kümmert sich übrigens die Feldküche des Deutschen Roten Kreuzes.

Wer aber lieber in ruhiger Atmosphäre zur Gedenkstätte kommen möchte?
Der kann das gern tun. Wir haben regelmäßige Öffnungszeiten: von April bis Oktober jeden Sonnabend von 14 bis 17 Uhr, von November bis März an jedem ersten Sonnabend im Monat von 14 bis 17 Uhr. Wer außerhalb dieser Zeiten kommen möchte oder zusätzlich auch eine Führung (ab fünf Personen) durch das Hasag-Gelände wünscht, meldet sich bitte vorher an: Telefon: 035361 80426 oder 035361 890761.

Wie viele der Anfangsideen zur Gründung des Vereins sind schon umgesetzt?
Das ursprüngliche Konzept für die Vereinsarbeit und die Errichtung und Führung einer Gedenkstätte ist in den Grundzügen erfüllt. Anfang des Jahres haben wir es deshalb aktualisiert und als Leitlinie für die weitere Arbeit und Entwicklung der Gedenkstätte beschlossen. Es soll keinen Stillstand geben. Die Ausstellung ist laufend zu erweitern. Das Außengelände ist zu gestalten.

Wie steht es um die Finanzierung der Gedenkstätte? Die erwies sich in der Vorzeit als sehr problematisch. Hat sich an diesem Zustand etwas geändert?
Grundsätzlich hat sich leider nichts geändert. Die Sockelfinanzierung bereitet uns nach wie vor Sorgen. Es finden sich keine Möglichkeiten, die laufenden Bewirtschaftungskosten abzufangen. Ohne Spender hätten wir Ende des Jahres schließen müssen. Unter anderem helfen uns dabei die Sparkassenstiftung sowie die Bundestags- und die Landtagsfraktion der Linken.

Für eine Förderung von Personal stehen uns aktuell nur die Möglichkeiten des Bundesfreiwilligendienstes und der Arbeitsmarktförderung durch das Job-Center zur Verfügung. Alle anderen Personalförderungen scheitern an den nicht vorhandenen Mitteln für den Eigenanteil. Wir müssen in der nächsten Zeit neue Anläufe zur Projektfinanzierung starten und hoffen, dass dabei auch Mittel für Personal ausgereicht werden, damit wir weiter regelmäßig einen Ansprechpartner vor Ort haben können.

Wie geht es dem Verein an sich?
Aktuell sind wir 31 Mitglieder, die aus der Bundesrepublik, England, Frankreich und Holland kommen. In der Gedenkstättenarbeit können deshalb nur wenige Mitglieder aktiv werden, die, die in der Nähe wohnen. Bei Arbeitseinsätzen erhalten wir erfreulicherweise immer Unterstützung von Ehrenamtlichen und Nichtmitgliedern sowie natürlich von den Familien der Mitglieder und der Bevölkerung. Vom Amt und der Stadt bekommen wir jede erdenkliche Unterstützung. Auch die Schule ist ein wichtiger Partner geworden. Die Zusammenarbeit ist gut. Dank allen, insbesondere den fleißigen Mitgliedern, die uns zur Seite stehen.

Zum Thema:
Am morgigen Samstag wird zu einer Gedenkveranstaltung eingeladen, bei der an die Befreiung des Lagers vor 70 Jahren erinnert werden soll. Sie beginnt 9 Uhr auf dem Friedhof mit einer Kranzniederlegung am Denkmal der Opfer des Faschismus und wird ab 10 Uhr in der Gedenkstätte mit einem internationalen Forum und Führungen fortgesetzt. Die Beiträge beim Forum kommen von Jean-Louis Rey "Frauenhäftlinge in Schlieben - Sinti und Roma und Résistance", Dr. Jürgen Wolf "Vom Ghetto bis nach Schlieben - Schicksalswege", Uwe Schwarz "Das Ende des Lagers" und Th. Pörschmann "Mythos Panzerfaust". Außerdem lädt Christa Forberger zur Buchlesung "Überleben dank Menschlichkeit - Marian Filar" mit Klaviermusik des Musikers ein. Aufgrund des beschränkten Platzes im Vortragsraum wird das Forum bei großer Nachfrage ab 15 Uhr wiederholt.